Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Dem namenlosen Toten

Auf einem schmalen Kiesweg durch einen Park stehen vier Jungs, ungefähr 12 Jahre alt, und betrachten etwas am Boden. Es ist der Kadaver einer Maus, der noch vollständig ist, sogar die schwarzen Knopfaugen sind noch an ihrer Stelle und sind schwarzglänzend wie Glasperlen auf das Nichts gerichtet. Die Beine sind angezogen, der Kopf haltlos nach hinten gebogen.
Die Jungs wissen nicht recht, was sie mit ihrem Fund anfangen sollen. Einer findet im Gras eine Weidenrute und beginnt, damit den Kadaver kreuz und quer über den Weg zu schlagen, ein morbides Spielzeug. Die anderen schauen fasziniert zu, wie das reglose Ding umherspringt, wie der Kopf verbogen wird, die Beine herumschlagen, wenn der Körper unter den Schlägen der Weidenrute über die Wirbelsäule rollt. Die Schneidezähne ragen aus dem weit offestehenden kleinen Maul.
Ich muß an die Mäuse denken, die in einem Buch vorkommen, das ich gerade lese. Dort sind nur die Mäuse wirklich selbstlose Helden, opfern sich auf für die Belange anderer; gehen stolz und würdevoll durch die Welt. Einige tragen Heldennamen. Ein Mäuserich heißt: »Der-mit-der-Schlange-spricht« (einer der Jungen schlägt gerade den anderen vor, man solle eine Schlange suchen, die fräßen doch Mäuse; darauf ein anderer: »Nee, die fressen nur Lebewesen!«) Ein anderer Mäuserich wird in meiner Lektüre »Der-dem-Falken-weissagt« genannt, und ein besonders großer Name ist: »Der-die-Hoffnung-nicht-aufgibt«.
An diese Namen muß ich denken beim Anblick des kleinen Mäusekörpers, der in den Augen der Jungen schon kein »Lebewesen« mehr ist. Jetzt kommt ein weiterer mit Rollerblades gefahren und wird aufgefordert: »Los, fahr drüber!« Das mag der neu angekommene aber nicht tun.
Noch eine Weile stehen sie ratlos und der mit der Weidenrute setzt mechanisch sein Spiel fort. Dann der halblaute Vorschlag: »Wir können sie ja beerdigen.« Keine Antwort. Die Jungs gehen weiter.
Ich bleibe noch einen Augenblick bei dem toten, winzigen Körper. Er ist so liegengeblieben, daß die Knopfaugen, die immer noch erstaunlich lebendig aussehen, zu mir herüberblicken. Ich kann mich nicht entschließen, ob diese Maus mir leid tut. Kann man sich bei einer Maus fragen: »Was für ein Leben hat sie wohl geführt?«

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  • Rauhfaseln?

    Zum Beispiel so:

    Gerede ist die allgemeine Währung, in dem jeden ausgezahlt wird sein magerer Lohn für alles. Denn alles ist interessant, damit nichts bedeutsam werde, und wir sind vor Störungen sicher.

    Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.

  • Zufällig…

  • Kurzum

    Durch Nägelkürzen, Zähneputzen, die Reinigung der Duschwanne vom eklen mumifizierten Belag, das zusammenfegen von Krumen und Stäuben, vor allem durch den Abwasch, (6. 9. / 21 Uhr)

    Ein Wohnungsgesuch an einer Laterne: Ruhig, seriös, alleinstehend. Das sind anscheinend die drei Kardinaltugenden der Biederkeit, das non plus ultra der Bonität. (6. 9. / 21 Uhr)

    »Durch Theilhaben an der Idee, behaupten wir, ist das diesseitige schön. (2. 9. / 20 Uhr)

    In eimnem Lexikon, in der Lebensbeschreibung einer bedeutenden antiken Persönlichkeit, lese ich vom »Aberwillen« jenes Menschen gegen die Schule. (2. 9. / 14 Uhr)

    »In Bibliotheken ist Makulierung die finale Form der Deakzession. (1. 9. / 13 Uhr)

    Höllischer Morpheus Welcher kund wird Durch Die geschehene Erscheinungen Derer Gespenster und Polter=Geister So bishero zum theil von keinen eintzigen Scribenten angeführet und bemercket worden sind. (1. 9. / 12 Uhr)

    »…solle im Prinzip immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden — nur wenn das Opfer dies wünsche.« (31. 8. / 22 Uhr)

    Eine Utopie ist eine Erwartung, die stichhaltig bleibt, auch wenn alle Wahrscheinlichkeit gegen sie spricht. Sie ist durch Hoffnung bewiesen. Und der eine Ort, frei von allen Utopien, ist — die Wüste. (31. 8. / 21 Uhr)

    »Das Unwahre überführt sich seiner selbst im Geschwollenen.« (29. 8. / 19 Uhr)

    »Wenn wir mit irgendeinem Gefühl von Zufriedenheit sterben wollen, (29. 8. / 19 Uhr)

    Groß das Leben
    Schön die Tiefe (29. 8. / 18 Uhr)

    An den Außengrenzen des Wohlstands, wie beispielsweise an den Grenzen der Europäischen Union, materialisiert sich das Unrecht, das die Weltwirtschaft antreibt, in Form offenbarer, unmittebarer Menschenschinderei. (28. 8. / 11 Uhr)

    »Unsre Zukunft wird davon abhängen, ob (26. 8. / 12 Uhr)

    »du abgott niederträchtger sinnen, (25. 8. / 19 Uhr)

    »…man muß darüber reden, wie jemand bei einem Diebstahl seine Identiät sperren kann« (25. 8. / 10 Uhr)

    Es gibt ja eigentlich keinen Unterschied zwischen einer zutreffenden Annahme und einer Annahme, von der einer nicht anders denken kann, als daß sie zutreffend sei (24. 8. / 19 Uhr)

    »Sogar in seinen Schlußsätzen wahrt er die majestätisch-verkopfte Pose.« (Im Radio über die Musik von Bach) (24. 8. / 19 Uhr)

    Bin auf den Begriff der »theoretischen Farben« gestoßen. (22. 8. / 10 Uhr)

    »…da dich das Wetter überfiel, und versuchte dich am Haderwasser.« (20. 8. / 20 Uhr)

    »Mein blinde Seele komt zum Liecht,
    bey dir sie suchet ihr Gesicht: (18. 8. / 12 Uhr)

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