Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Ein Mörder

Heute kam im Radio ein Beitrag, der mich sprachlos gemacht hat. Eine Weile saß ich da, in meiner Küche, und konnte nicht zu den alltäglichen Verrichtungen zurück, weil ich nicht begreifen konnte, was einer in diesem Beitrag gesagt hatte.

Der Sprecher, der so unerträgliches sagte, war ein libanesischer Christ, ein ehemaliger Milizionär. Er sprach über ein Ereignis, daß jetzt 25 Jahre zurückliegt. Und für seinen Anteil daran hat er Konsequenzen nicht zu befürchten, da ihn eine Generalamnestie schützt. Deshalb wohl konnte er auch ganz ungeschminkt über seine Taten sprechen bei einem Massaker an palästinensischen Flüchtlingen in einem Lager im Westen Beiruts.
Dies ist seine Schilderung:

»Aus vielen Häusern kamen Frauen heraus. Frauen haben die Angewohnheit zu klagen. Sie dachten, wenn sie klagen, würde uns das beeindrucken. Aber uns ließ das kalt. Weil sie herauskamen, starben vor allem Frauen in Sabra und Shatila. Sie kamen heraus und schrien: ›Habt Mitleid!‹, und was weiß ich. Diese Frau starb als erste. Dann kamen ihr Sohn, ihr Vater, ihr Mann und starben auf ihr. Dann ihre Tochter, ihr Enkel und was weiß ich wer. Das wiederholte sich. Wer auftauchte, wurde erschossen. Egal, wie alt sie waren oder wie sie aussahen, ob sie schossen oder nicht. Es ging darum, eine Botschaft zu übermitteln, ich weiß nicht, an wen. Die Botschaft lautete: ›Wir sind traurig.‹ …
Man tötet den Ersten widerstrebend. Beim Zweiten und Dritten fällt es einem schon leichter. Beim Vierten beginnt es, Spaß zu machen. Ich meine, wenn man fünf getötet hat, können es auch sechs sein. Es macht einem nichts mehr aus. Beim Ersten denkt man noch: ›Nein, das ist ein Mann, eine Frau. Das ist ein Mensch.‹ Man schaut ihn an und schießt dann trotzdem. Beim Zweiten fällt es einem leichter. Man hat sich sozusagen daran gewöhnt. Ab dann stellt man sich keine Fragen mehr.«

Der Mann verdient Respekt für seine Ehrlichkeit. Aber wie unerträglich ist das, was er beschreibt. Kaltes, Mitleidloses Morden. Möglich dadurch, daß einer sein »Widerstreben« gegen das Morden hinter sich läßt. Mord als Ausdruck von »Trauer« – darüber, daß ein Führer dieser Milizionäre seinerseits einem Attentat zum Opfer gefallen war. Wenn einer sagt: »Ich bin traurig«, will man ihn doch trösten. Aber wie soll man jemanden noch trösten, der seine Trauer ausdrückt, indem er Menschen erschießt, zerhackt, zertritt?

Beim ersten Opfer dachte er noch »Das ist ein Mensch«. Wenn man dann erst fünf getötet hat, können es auch mehr werden, ohne daß es noch viel ausmacht.

Vorsehen muß sich jeder von uns, den Gedanken: »Das ist ein Mensch« nicht zu verlieren.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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