Rauhfaseln?
Zum Beispiel so:
An einem Morgen, der schon den Sommer hinter sich gelassen hat, klare, kalte Luft, Himmel aus hellem Blau, blank und frisch gereinigt von dem Regen der letzten Nacht, an einem Morgen unter einer Herbstsonne schon, zurückhaltend und in sich gekehrt, an einem solchen Morgen...Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.
Zufällig…
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Kurzum
¶ »Durch Theilhaben an der Idee, behaupten wir, ist das diesseitige schön. → (2. 9. / 20 Uhr)
¶ In eimnem Lexikon, in der Lebensbeschreibung einer bedeutenden antiken Persönlichkeit, lese ich vom »Aberwillen« jenes Menschen gegen die Schule. → (2. 9. / 14 Uhr)
¶ »In Bibliotheken ist Makulierung die finale Form der Deakzession. → (1. 9. / 13 Uhr)
¶ Höllischer Morpheus Welcher kund wird Durch Die geschehene Erscheinungen Derer Gespenster und Polter=Geister So bishero zum theil von keinen eintzigen Scribenten angeführet und bemercket worden sind. → (1. 9. / 12 Uhr)
¶ »…solle im Prinzip immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden nur wenn das Opfer dies wünsche.« → (31. 8. / 22 Uhr)
¶ Eine Utopie ist eine Erwartung, die stichhaltig bleibt, auch wenn alle Wahrscheinlichkeit gegen sie spricht. Sie ist durch Hoffnung bewiesen. Und der eine Ort, frei von allen Utopien, ist die Wüste. → (31. 8. / 21 Uhr)
¶ »Das Unwahre überführt sich seiner selbst im Geschwollenen.« → (29. 8. / 19 Uhr)
¶ »Wenn wir mit irgendeinem Gefühl von Zufriedenheit sterben wollen, → (29. 8. / 19 Uhr)
¶ Groß das Leben
Schön die Tiefe → (29. 8. / 18 Uhr)¶ An den Außengrenzen des Wohlstands, wie beispielsweise an den Grenzen der Europäischen Union, materialisiert sich das Unrecht, das die Weltwirtschaft antreibt, in Form offenbarer, unmittebarer Menschenschinderei. → (28. 8. / 11 Uhr)
¶ »Unsre Zukunft wird davon abhängen, ob → (26. 8. / 12 Uhr)
¶ »du abgott niederträchtger sinnen, → (25. 8. / 19 Uhr)
¶ »…man muß darüber reden, wie jemand bei einem Diebstahl seine Identiät sperren kann« → (25. 8. / 10 Uhr)
¶ Es gibt ja eigentlich keinen Unterschied zwischen einer zutreffenden Annahme und einer Annahme, von der einer nicht anders denken kann, als daß sie zutreffend sei → (24. 8. / 19 Uhr)
¶ »Sogar in seinen Schlußsätzen wahrt er die majestätisch-verkopfte Pose.« (Im Radio über die Musik von Bach) (24. 8. / 19 Uhr)
¶ Bin auf den Begriff der »theoretischen Farben« gestoßen. → (22. 8. / 10 Uhr)
¶ »…da dich das Wetter überfiel, und versuchte dich am Haderwasser.« (20. 8. / 20 Uhr)
¶ »Mein blinde Seele komt zum Liecht,
bey dir sie suchet ihr Gesicht: → (18. 8. / 12 Uhr)¶ »Abwäckslung« Habe es heute so vor Augen gehabt und wollte diesen erhabenen Moment konsehrwieren. → (17. 8. / 0 Uhr)
¶ Ex abundantia enim cordis os loquitur. Ex ungue leonem. Ex nihilo nihil fit. Exeunt omnes. (16. 8. / 11 Uhr)
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Im Dämmer
Ich sitze auf der Toilette, es fällt nur wenig morgendliches Zwielicht aus dem grauen Himmel durch ein schmales Fenster in den Raum. Ich bin eben erst aufgestanden und noch umfangen von den Träumen dieser Nacht. Klebrig und böswillig hängen sie an mir, haben sich so in mein Hirn gedrängt, daß es auch nach dem Erwachen noch an ihnen weitergedacht hat, von der Selbsterniedrigung berauscht.
Während ich sitze und warte, das Hirn und meine Glieder frei werden von dem Blei, das sich in ihnen gesammelt hat, lese ich. Zu Zerschlagen, um Papier in die Hand zu nehmen, lese ich in den kraftlosen Schatten, die in den Falten und im Flor eines Handtuchs liegen. Auf diesem Handtuch malt das Morgenlicht geschwungene Linien, sinnlose Figuren, die ihr Aussehen ständig wandeln, sobald ich nur meine Augen bewege.
Aber da ist eine Figur, die unverändert bleibt. Zuerst fällt mir nur wenig auf: Ein klar hervortretender Bereich in dem Geflirre auf dem Handtuch. Vorsichtig, um das Bild nicht zerstieben zu lassen, blicke ich es an. Ein schreiendes Gesicht malen die zufälligen Schatten mir vor die Nase. Ein schreiendes Gesicht, Augen weit aufgerissen, mächtig hervortretende Backenknochen, schmales, langes Kinn. Ein leerer, weit aufsteheder Mund. Alles ein stummer Schrei. Irgendwie passt dieser nackte Schädel zu meinen Träumen, das fällt mir noch ein. Aber wie, daß bleibt verborgen hinter einer flirrenden Formlosigkeit, die nun auch in meinen Kopf geraten ist. Dieses graue, unklare Licht, das diesen Schädel da vor mir – immer noch – erscheinen läßt, der mich stumm, peinvoll anschreit. Dises graue, bleierne Licht überspült jetzt auch mich, spült die Konturen des Traumes fort. Aber nicht, daß sich dadurch endlich klare Wachheit einstellen könnte. Ich bleibe in einem leeren Zwischenbereich, in dem nur schattenhafte Umrisse wach und träumend, wirkliches und eingebildetes voneinander trennen.
Ich und dieser unablässig brüllende Schädel, der mir vielleicht in dieser Nacht schon begegnet ist, wir teilen uns dieses Zwischenreich, diese Toilette mit kalten Fliesen und schmutzigem Licht. Wenn wir miteinander sprechen könnten. Aber er ist dort auf dem Flor eines Handtuchs und ich bin hier, auf den Fliesen, und beide sind wir füreinander stumm.
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