Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Im Schlick

Ein stieläugiger Grenzpolizist (von J. Blattschneider)

Auf einem schmalen Sandstreifen, im Rücken eine Steilküste, vor mir eine graue Fläche, noch feucht, aber vom Meer zurückgelassen bei seinem Rückzug vom Festland. Unter einer dichten Wolkendecke ist Ebbe und der Wind weht stark und feucht von dort hinten, wo die Nordsee noch eben zu sehen ist. Meeresvögel steigen auf an jener nach hinten verschobenen Demarkationslinie zwischen dem Trockenen und dem Bodenlosen, stoßen dann wieder auf den Schlick nieder, bohren ihren Schnabel mit einem unbarmherzigen Ruck in irgendetwas.
Ich will das Meer sehen, will zu der Stelle hinaus, wo es beginnt. Ich frage mich, ob man ihm seine Schwäche ansehen kann, zu der es jetzt gerade vom Mond gezwungen wird. Meine Stiefel bleiben auf dem Sandstreifen zurück und ich stapfe durch dunkelgrünes, hartes Gras, daß dort wächst, wo eigentlich ein Strand zu erwarten wäre. Nach wenigen Schritten sinke ich tief in den Schlick ein, der vom Festen aus so spiegelglatt ausgesehen hatte. Eine dunkelgraue Masse quillt zwischen meinen Zehen hervor. Wenn ich mit einem Schritt besonders tief einsinke, wird das Hervorquellende fast schwarz und ölig. Der Boden greift nach meinen Füßen, beim Herausziehen ertönt jedesmal hinter mir ein höhnisches, schamloses Schmatzen. Wenn ich einen Augenblick stehenbleibe, greift der Schlick nur umso fester nach mir und zieht mich zentimeterweise abwärts. Das Herausziehen der Füße erfordert dann schon einen merklichen Kraftaufwand und erzeugt ein besonders lautes Schmatzen. In meinen dunkelgrau-schwarzöligen Fußstapfen läuft hinter mir das Wasser zusammen.
Am Rand eines der letzten Grasbüschel, gleich bei einer Pfütze, wie eine Garnision des Meeres, begegne ich einem Krebs, handtellergroß, mit einer stolzen Schere. Er hat sich auf dem Hinterleib niedergelassen, seine vielgliedrigen Beine hinter sich gezogen. Ich hocke mich hin und will ihn genauer ansehen. Da hebt er auch schon seine beiden scherenbewehrten Arme. Die Kauwerkzeuge unter seinen Augenstielen reiben gegeneinander. Auf der Höhe der vordersten Beine treten Luftblasen unter seinem Panzer hervor. Der Krebs spricht wohl zu mir: »Was hast du hier zu suchen, du haariger Festlandstackser. Meinst du, nur weil das Meer sich eine Weile zurückgezogen hat, daß du mit deinen klobigen Säulen hier weit kommen wirst? Kehre um, dorthin wo Grobschlachte wie du zu Hause sind. Hierher gehörst du nicht.«
Jetzt bleibt der Krebs regungslos. Nach einer Weile läßt er die Zangen sinken. Ich wage es, ihm mit spitzem Finger über den Panzer zu streichen. Ich will wissen, wie sich eine solche mit Leben gefüllte Schale anfühlt. Und vielleicht soll es auch ein Zeichen meines guten Willens sein. Aber da werden schon die Zangen wieder emporgereckt und das ärgerliche Schaben und Klackern der Kauwerkzeuge beginnt von neuem. Ich begreife, daß ich hier nur ein Fremder und Eindringling bin. Aber sollte ich mich von einem Wesen einschüchtern lassen, das unter meinem Fuß in Stücke gehen würde?
Ohne diese Frage geklärt zu haben, entscheide ich mich, weiter zu gehen, den kreischenden Vögeln, dem Meer entgegen. Allerdings frage ich mich nun, bei jedem Schritt versinkend, das Schmatzen hinter mir, ob da Spott im Zetern der Möwen und Strandläufer ist.
Der Boden wird nun allmählich fester, ich bin heilfroh. Dafür ist er jetzt überseht mit vielfach verwundenen Knäueln von Schlickfäden, den Ausscheidungen der Würmer, die hier zu Myriaden im Boden leben. Gelegentlich sehe ich, wie einer der Würmer ein weiteres Stück fadigen Schlick heraufschiebt. Die Würmer selbst bleiben verborgen, ein Heer auf der Lauer, im Hinterhalt, in der Überzahl.
Da vorne ein weiterer Krebs. Dieser erhebt seine Zangen nicht, hat sie vielmehr weit vom Leibespanzer gestreck, sie liegen rechts und links eine Handbreit entfernt. Der Panzer selbst liegt auf dem Rücken, die Beine sind verschwunden, wohl abgerissen und ausgepickt von den bohrenden Schnäbeln jener Seevögel, die jetzt schon etwas näher sind.
Da vorne ragt etwas aus dem Schlick, ein merkwürdiges Objekt, das sich hell vom Dunkelgrau des Untergrundes abhebt. Ich komme näher und sehe: es ist eine Plastikkanne, halb im Schlick versunken. Das Meerwasser steht in ihr, als sollte ich jemandem einen Trunk einschenken. Sie hat einen weit ausgewölbten Henkel. Ich knie mich hin, um mich dieses wundersamen Fundes zu vergewissern. Das Meer hat sich hier etwas aus meinem Bereich angeeignet, hat es aus einem Schiff gespühlt oder vom Strand geschleppt und wird das Plastik zerreiben. Oder die Muscheln und Seepocken werden sich diese Kanne zur Wohnung machen.
Die Sonne strahlt hinter den grauen Wolken matt hervor, wirft einen schwachen, silbrigen Streifen auf den nassen Schlick, der bis zum Henkel reicht, durch ihn hindurch geht und mein Gesicht trifft.
Jetzt habe ich genug, ich kehre um, zurück auf das Feste.

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    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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