Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Kartoffelsacks Abenteuer

Auf einer Bank sitzen ein Junge, wohl noch nicht lang volljährig, und seine Freundin, die augenscheinlich jünger ist als er. Sie schmiegt sich an ihn: sie hat einen Arm um seine Schultern gelegt und ihre Beine über seine. Um so sitzen zu können, muß sie sich im Rücken bis hart an die von den Wirbeln vorgegebene Grenze verdrehen, es sieht aus, als wäre sie von irgendwem verbogen worden, um möglichst eng an ihrem aufrecht und gerade sitzenden Freund anzuliegen.

Er unterscheidet sich von ihr wie die Werkbank vom Werkstück. Sein massiger, plumper Körper ist anscheinend kaum biegsam. Er hat ein breites Kreuz, muskulöse Glieder, ein ganzer Kerl, jedoch mit einer sichtbaren Vorwölbung über dem Gürtel, sein Appetit scheint auszureichen, um den fülligen Leib noch zu überfüllen. Er läßt mich an einen Kartoffelsack denken, den man auf dieser Bank abgelegt hat.

Umso mehr, wenn sein Kopf mit in Betracht gezogen wird, der pausbäckig und gedrungen obenauf sitzt, gerade wie eine Kartoffel. Auf diesem Kopf sitzen dunkle Haare, kurz, an den Seiten geschoren, militärisch. Über den Augen aber schöne, eigentlich weibliche Brauen, elegant geschwungen und klar begrenzt als wären sie frisch gezupft und nachgezogen – als hätte sie irgendwer zum Scherz auf die Kartoffel gemalt. Die Augen blicken vor der Bank in die Luft und verfolgen dort die Bilder jener Geschichte, die er seiner Freundin gerade erzählt. Seine Hände machen dabei ausführliche Gesten. Und wenn er gelegentlich seinen Oberkörper zum Gestikulieren mitgebraucht, wird seine um ihn gewickelte Freundin noch weiter verbogen, hierhin und dorthin.

Seine Erzählung ist aus Satzfetzen zusammengesetzt. Immer, wenn ein Satz auf halbem Wege abreißt, kommt eine Gebärde: die klobige Faust (eine dicke, knorrige, festkochende Kartoffel) schlägt auf die Fläche der anderen Hand; dann schnellt der Arm nach hinten und die Faust wird durch die Luft geschleudert (während dieser Bewegung stellt seine Freundin ihre enorme Verformbarkeit besonders eindrücklich unter Beweis). Gelegentlich reckt er das Kinn nach oben, wenn er einem unsichtbaren Gegner eine Beleidigung zuruft (und die zierlichen Augenbrauen schieben in der mitte der Stirn eine kleine Furche zusammen, das es aussieht, als würde er sich über eine Laufmasche ärgern). Und wenn ihm beim Beleidigungenrufen eine besondere Grobheit gelingt, sekundiert seine Freundin mit fast schon hysterischem Gekicher.

Der Kartoffelsack erzählt von der vergangenen Nacht, von den Prüfungen, denen seine Mannhaftigkeit unterzogen wurde und die er alle, alle gemeistert hat, während seine Gegner, am Boden, in Scherben getreten, hinter ihm zurückblieben. Er erzählt dies alles, indem er wenige Worte aneinandersetzt. Dann verläßt ihn der Mut zu sprechen, er stößt den angebrochenen Satz von sich und schlägt mit der Faust in die leere Luft, tritt auch manchmal mit dem Fuß.
Wenn Hände und Füße nicht in die Luft fahren um seine Gegner noch einmal zu zertrümmern, sind die Gliedmaßen dennoch in ständiger Bewegung: Wippen mit den Beinen und Fingern am Hemd, an den gemalten Augenbrauen, an einem Feuerzeug, so daß die Freundin auch immer in schwankender Bewegung ist.
Solchermaßen hervorgestoßen wird: Daß er in Disko. Und dann einer ihn anlabert. Und er »Was willst du«. Und dann der andere; und er wiederum. Und dann auch schon: Bamm! (Die Geste zeigt: Ein Schlag in die Magengrube. Schrilles Gekicher der Freundin.) Dann die Polizei. Er aber Notausgang. (Spitzbübische Freude über diesen gelungenen Schachzug. Kichern der Freundin.) Nun entgeht mir ein Stück der Erzählung. Ich höre noch, daß er vor Wohnungstür. Dann macht einer auf. Er: Wo ist dein Sohn (und dazu eine beleidigende Anrede – Kichern.) Der andere sagt nichts. Also wieder, die einzig mögliche Reaktion: Bamm. Nochmal Bamm. (Erst die Faust, dann der Fuß stoßen ins Leere, das gestern noch von einem Leib ausgefüllt wurde.)
Ich gehe und frage mich, wer es wohl war und warum dieser irgendwer auf dieser Bank diese groteske Doppelstatue dem Vorbeigehenden hinterlassen hat. Kartoffelsack und Sprungfeder verkünden das Schreckliche in der Menschenwelt.

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    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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