Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Aus dem Netzfermenter

Märchenbild

Ich schreibe hier auch deswegen, weil ich mir großen Mehrwert davon erhoffe, daß ich meine Einfälle in einen elektronischen Kasten tippe. Und ja nicht nur in einen elektronischen Kasten, sondern vielmehr noch in das dialektische Gegenteil dazu, ein elektronischer Nicht-Kasten, der durch irgendwelche Schwingungen und Drähte mit dem Rechner vor mir und mit unzählbaren weiteren Kästen und Nicht-Kästen verbunden ist. Davon verspreche ich mir einigen Mehrwert, denn wie sollten bei all diesen Umwandlungs- und Transportvorgängen meine Texte so bleiben, wie sie waren, als meine leibhaftigen Finger sie auf den realen Tasten tippten?

Und außerdem werden Texte, wenn man sie ersteinmal digitalisiert hat, zählbar, vermessbar, taxierbar. Das ist das eigentlich Schöne. Warum? Weil ich so in entblößten Fakten mir selbst gegenüberstehe und an den Fingern abzählen kann, was so in mir vorgeht. Darüber sollte später einmal etwas mehr geschrieben werden.

Aber jetzt: Unter den digitalen Erstaunlichkeiten, mit denen mich meine Internet-Schriftstellerei konfrontiert, ist die Rubrik »letzte Suchvorgänge« in den Statistiken, die mir geliefert werden, eine Quelle immer neuer schöner Entdeckungen. Durch das, was andere Leute in den unendlichen Weiten der Information gesucht haben, werden immer wieder erstaunliche Zusammenhänge offenbar.

Was steht wohl hinter einer Suche nach der Wortkombination »kotzen Vorhang«? Jedenfalls doch ein Interesse an den Düsterheiten der menschlichen Natur. Dagegen scheint jemand, der eine Phrase wie »Tiefe Hintergründe der Gassen« sucht, eher ein träumerischer Schöngeist oder ein Sozialrealist zu sein.

Aber ich möchte doch vor allem einen sehr sonderbaren Satz hervorheben: »du musst mir einen blassen«. Was soll das nun heißen? Der Satz beginnt mit einem Modalverb und endet mit einem Adjektiv. Ach herrje, wie sollte man umhin kommen, nach den notwendigen Ergänzungen zu suchen. Es fehlt doch ganz offensichtlich ein Verb und ein Substantiv. »Du mußt mir einen blassen Knaben trösten«, zum Beispiel, oder: »Du mußt mir einen blassen Zug / um meine Nase, meinen Mund / mit deiner so vertrauten Hand / sobald du kannst wegstreichen.«

Aber vielleicht hat man in »du musst mir einen blassen« nur ein Produkt von Rechtschreibschwäche zu erblicken, vielleicht, weil das Bedürfen, ach, so brannte und das Herz so heftig schlug. Das muß dahingestellt bleiben.

Was bekam der Suchende nun also vor Augen? Zuoberst: Schwanensee. Ein Prinz sagt da, zuoberst auf der Seite mit den Suchergebnissen: Aber du musst mir folgen.« Und seufzt ein zweites Mal. — Sodann, unter der Überschrift »Krafttierreisen«, d.i. Reisen zu den »Krafttieren in den Chakren« die wieder sehr theatralische Aussage: »Du musst nicht unbedingt umziehen. Ziehe einfach Deine Kreise«. Da klingt antiker Ernst mit.

Und es gibt noch mehr: Eichendorff, selbstgemachte Liebesgedichte, Fusballfans, Himmelsgeschichten und die Bösewichte der »Finsterblut-Quests«. Das ist der Mehrwert, den ich erhofft hatte.

1807
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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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