Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Auspicium (1)

Damenhandschuhe, ein Paar

Insgeheim hatte er es sich gewünscht. Es war richtig, daß er sich nun in dieser Lage befand, richtig und angemessen, daß er jetzt hier war, am Rand von allem. So hatte sich nun also das Äußere dem Inneren angeglichen, so hatte es sich angeglichen, angeglichen. Und das Innere war aufgebrochen: wie ein Husten, der kratzend und verstockt in den Bronchien gesessen hat und dann, unter leichtem Fieber und dumpfem Kopfschmerz, flüssig geworden ist; wie eine Entzündung sich schmerzhaft an die Oberfläche arbeitet und schließlich einen Ausgang findet. Solche Bilder dachte er sich aus und ging mechanisch weiter auf seinem ziellosen Spazierweg oder seiner langsamen, verschleppten Flucht. Er war großartig düster. Düster war seine Umgebung: so hatte sich das Innere nach Außen gekehrt.

Die Straße vor ihm war nun endlich ganz frei von Menschen. Er war in ein graues, rostiges Industriegebiet und bis auf eine Brücke gelangt, die sich über eine Schnellstraße und Gleise wölbte. Der Regen hatte eingesetzt, in wunderbarer Übereinstimmung mit dem gesamten traurigen Bild, gerade jetzt, da er auf dem Scheitelpunkt der Brücke im Nichts stand.

Es war ein üppiger Schauer aber er wollte sich ihm nicht entziehen. Im Gegenteil: Den Mantel ließ er offen, einen Schirm hatte er nicht und die Mütze holte er nicht aus der Manteltasche. Nach wenigen Augenblicken spürte er, daß die Nässe ihm den Nacken herablief. So war es in Ordnung, dachte er, so sollte es sein. Sie, ja sie sollte ihn jetzt sehen!

Er hatte es in der Wohnung nicht mehr ausgehalten. Sie hatte ihn verletzt und ihn Unrecht getan. Und er hatte sie seine Empörung spüren lassen. Über ihre Ungerechtigkeit, ihre Selbstgefälligkeit. Wortlos war er aufgestanden, wortlos hatte er sich die Schuhe gebunden, ohne ein Geräusch zu machen. Sie sollte allein bleiben und sich selbst die Vorwürfe machen! Er hatte ihre knappe Frage, auch jetzt war sie noch knapp und abweisend, ignoriert und dann — dann im plötzlich aufflammenden Zorn hatte er die Tür zugeworfen. Wie ein Schuß oder eine Explosion hatte es im Treppenhaus geklungen; drinnen war irgendetwas polternd auf den Boden gefallen.

Hoffentlich, hatte er gedacht, hoffentlich ist etwas in Scherben gegangen. Hoffentlich weint sie jetzt, hatte er für eine Stunde gedacht. Während er durch drei, vier Stadtteile gegangen war, blindlings, ohne Interesse für seine Umgebung, angefüllt nur mit bitterer Genugtuung darüber, daß er jetzt allein war und sie allein sein mußte. Weinen, weinen sollte sie und die Scherben der Vase, der Scheibe aus dem herabgefallenen Bilderrahmen zusammenkehren. Einen Mißhandelten nannte er sich und für mehr als für dieses Gefühl war in ihm kein Platz.

Jetzt war er hier angekommen, in einem Geflecht menschenleerer Straßen zwischen Betonmauern, Blechschuppen und neutralen Fassaden. Der Zorn, die Empörung, der Hass, den er beinahe schon empfunden hatte, war verraucht. Und es kam etwas zum Vorschein, das darunter gelegen hatte. Er war am Scheitelpunkt der Brücke stehengeblieben, hatte seinen Blick von den leeren Gleisen bis zu jenem Punkt ziehen lassen, wo alles im Grau verschwand. Rot leuchteten zwischen den Gleisen Signale. Auf der Straße fuhren einzelne Lastwagen, sie züngelten über den nassen Asphalt. Er hatte sich mit den Fernfahrern verglichen, die in beheizten Führerhäusern saßen, den Namen irgendeiner Frau in der Windschutzscheibe und irgendwelche Musik, behaglich und belanglos, im Radio. Er war in einer anderen Welt, herrje, ein kompliziertes Bauwerk war er, ein vermoderter Adliger, ein entrüsteter Taschenspieler. Dann war er weitergegangen herabgestiegen von der Brücke, naß und einsam und, während der Zorn verrauchte, leer bis auf eine Ahnung, die sich in ihm vorberetete.

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  • Rauhfaseln?

    Zum Beispiel so:

    Dunkel wurde es. Und das Dunkel kreiste und rauschte, Dunkelheit auf Dunkelheit, wie zwei Mühlsteine, zwischen denen feines Pulver hervorkam und hinabrieselte, hinab.

    Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.

  • Zufällig…

  • Kurzum

    Durch Nägelkürzen, Zähneputzen, die Reinigung der Duschwanne vom eklen mumifizierten Belag, das zusammenfegen von Krumen und Stäuben, vor allem durch den Abwasch, (6. 9. / 21 Uhr)

    Ein Wohnungsgesuch an einer Laterne: Ruhig, seriös, alleinstehend. Das sind anscheinend die drei Kardinaltugenden der Biederkeit, das non plus ultra der Bonität. (6. 9. / 21 Uhr)

    »Durch Theilhaben an der Idee, behaupten wir, ist das diesseitige schön. (2. 9. / 20 Uhr)

    In eimnem Lexikon, in der Lebensbeschreibung einer bedeutenden antiken Persönlichkeit, lese ich vom »Aberwillen« jenes Menschen gegen die Schule. (2. 9. / 14 Uhr)

    »In Bibliotheken ist Makulierung die finale Form der Deakzession. (1. 9. / 13 Uhr)

    Höllischer Morpheus Welcher kund wird Durch Die geschehene Erscheinungen Derer Gespenster und Polter=Geister So bishero zum theil von keinen eintzigen Scribenten angeführet und bemercket worden sind. (1. 9. / 12 Uhr)

    »…solle im Prinzip immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden — nur wenn das Opfer dies wünsche.« (31. 8. / 22 Uhr)

    Eine Utopie ist eine Erwartung, die stichhaltig bleibt, auch wenn alle Wahrscheinlichkeit gegen sie spricht. Sie ist durch Hoffnung bewiesen. Und der eine Ort, frei von allen Utopien, ist — die Wüste. (31. 8. / 21 Uhr)

    »Das Unwahre überführt sich seiner selbst im Geschwollenen.« (29. 8. / 19 Uhr)

    »Wenn wir mit irgendeinem Gefühl von Zufriedenheit sterben wollen, (29. 8. / 19 Uhr)

    Groß das Leben
    Schön die Tiefe (29. 8. / 18 Uhr)

    An den Außengrenzen des Wohlstands, wie beispielsweise an den Grenzen der Europäischen Union, materialisiert sich das Unrecht, das die Weltwirtschaft antreibt, in Form offenbarer, unmittebarer Menschenschinderei. (28. 8. / 11 Uhr)

    »Unsre Zukunft wird davon abhängen, ob (26. 8. / 12 Uhr)

    »du abgott niederträchtger sinnen, (25. 8. / 19 Uhr)

    »…man muß darüber reden, wie jemand bei einem Diebstahl seine Identiät sperren kann« (25. 8. / 10 Uhr)

    Es gibt ja eigentlich keinen Unterschied zwischen einer zutreffenden Annahme und einer Annahme, von der einer nicht anders denken kann, als daß sie zutreffend sei (24. 8. / 19 Uhr)

    »Sogar in seinen Schlußsätzen wahrt er die majestätisch-verkopfte Pose.« (Im Radio über die Musik von Bach) (24. 8. / 19 Uhr)

    Bin auf den Begriff der »theoretischen Farben« gestoßen. (22. 8. / 10 Uhr)

    »…da dich das Wetter überfiel, und versuchte dich am Haderwasser.« (20. 8. / 20 Uhr)

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