Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Der Heilige Eklytos in der Wüste

Eklytos saß in seiner Einsiedelei. Die Nacht war kalt gewesen. Er hatte so sehr gefroren unter seiner zerschlissenen, schmutzstarren Decke und der unebene Boden hatte ihm derart Schmerzen im Rücken verursacht, daß es lange gedauert hatte, bis er endlich eingeschlafen war. Er saß auf dem Rand seiner geflochtenen Matte, starrte in die Dunkelheit hinein, in die das kaum zu erahnende erste Licht vordrang und hielt seine noch immer schmerzenden Beine umschlungen. Im Halbschlaf noch hatte er gehört, wie irgendein Tier um die Lehmhütte geschlichen war, hatte es schnauben und schnüffeln gehört und wie es am staubigen Boden kratzte. Er hatte sich nicht geängstigt, das wurde ihm nun klar, und er wunderte sich nicht wenig darüber. Diese unerwartete Furchtlosigkeit war wohl lediglich der übergroßen Erschöpfung geschuldet, die ihn regungslos und stumpf in seiner krummen Haltung auf der Matte verharren ließ, zu kraftlos, um Furcht zu haben. Eklytos grinste bitter in die Dunkelheit hinein: das war also die Standhaftigkeit und Seelenruhe eines Eremiten. Bloß eine Angleichung an den das Äußere, an den Staub und die Ödigkeit, die sich in der Seele vollzog, so wie Hiob sich der Verwüstung seines äußeren Lebens anglich, indem er sich auf einen Aschenberg setzte und sich die Haut ritzte mit einer Tonscherbe. Desgleichen also geschah nun also ihm, Eklytos, in dieser Einsiedelei: Seine Seele sollte zur Wüste werden, sollte Wüste werden wie das Land, welches ihn umgab und einschloß, Wüste war, leer und regungslos unter der Klarheit des Himmels. Die Säfte seines Körpers sollten eintrocknen unter den heißen Winden, in den schmerzhaften Nächten auf seiner fluchwürdigen Matte aus zerschlissenem, löchrigen Flechtwerk. Die Säfte, die in gefährlichen Momenten durch die Glieder schossen und das schwache Fleisch zu diesem und jenem trieben. Aber Eklytos konnte sich nicht verhelen, daß er sich mit dem lebensvollen Kreislauf der Säfte in seinem Körper alles in allem wohler gefühlt hatte als jetzt, wo er in seiner eigenen Verwüstung begriffen war.
Eklytos seufzte schwer. Gleich darauf ergriff ihn ein Hustenanfall, unter dem er sich krümmen mußte und zu japsen begann und endlich zähen Schleim ausspie von der Farbe des Sandes. Als es vorüber war, die Dämonen von ihm abließen, zitterte er am ganzen geschwächten Leib. Eklytos erhob sich mühsam, zwang sich dabei zum Gebet. Als er auf den Füßen stand, schwankte er wie ein Grashalm im Wind und murmelte: Dein ist die Kraft, dein ist die Kraft, wobei ihm ein bitterer Geschmack auf die Zunge trat.
Unter dem Gebet kam der Anachoret allmählich zu Kräften und trat hinaus durch die Türöffnung der verfallenen Lehmhütte, die er an diesem Ort fern der Menschen vorgefunden hatte, unter deren löchrigem Dach er jetzt schon seit vielen Tagen hauste. Am Türpfosten lehnte sein Stab, den er mit einer Aufwallung von Zärtlichkeit zur Hand nahm und sich schwer auf ihn stützte, als wäre dieses Stück Holz sein Gefährte oder vielmehr sein Zechbruder. Eklytos presste Rücken und Gesäß an die Lehmwand hinter ihm, stellte seinen Stab zwischen die nackten Füße, darauf legte er seine ineinender verschränkten Hände und auf sie wiederum stützte er sein Kinn. Der Bart, der ihm kräftig gewachsen war, gab unter dem Kinn ein angenehmes Polster ab.
Bald würde der Tag anbrechen, schon zeigte sich ein schmaler Streifen grauen Lichtes am östlichen Horizont. Eklytos drehte den Kopf ein wenig nach links und erzeugte damit ein knisterndes Geräusch zwischen Kinn und Handrücken. Jetzt gehe sein Blick wohl zu jenem Land, in dem der Herr gewandelt war unter uns Menschen, Jesus, Sohn Gottes, das Licht von Osten. Und er hatte keinen Ort, sein Haupt zu betten. Eklytos mußte, obgleich er nicht wollte, er mußte an Lydia denken. Daran, wie er einst sein Hauptin Lydias Schoß gebettet hatte und welch süßer Schlummer das gewesen war. In seine Augen trat das Wasser und überdeckte völlig den Tagesanbruch. Diesmal griff der Dämon nach dem Magen des Einsiedlers, daß ihn ein zitternder Schmerz durchfuhr und ihm das Herz sprang. Lydia, ging sein Gebet, aber es besserte nichts, die Sehnsucht wurde nur immer größer. Eklytos dachte daran, loszulaufen und sie zu finden, hinter der grauen, kalten Wüßte, die sich vor ihm breitete. Mit jener sonderbaren Behändigkeit der Seele wurde er an irgendeinen Ort versetzt, an dem Eklytos sich Lydia vorstellte. So lebendig war dieses Bild, Haar, Augen, Haut, Hände, daß Eklytos meinte, bloß einen Schritt machen zu müssen, um bei ihr zu sein. Wie diese Erscheinung ihn Quälte! Nur ein Schritt zu Lydia, ein Ort, sein Haupt zu betten. Oder doch auch nur einen Menschen zu haben, mit ihm zu sprechen. Er dachte an die Händler, die Bettler und Tagelöhner, hungrig, schmutzig und arm, seinesgleichen. An die Geschichten, die Zoten und Anzüglichkeiten, an die Niedertracht und die Hoffnung. Er dachte daran, wie man unter dem Einfluß von Gegorenem miteinander sprach oder morgens, wenn man gemeinsam am Straßenrand erwachte und sich freute, noch am Leben zu sein. Er dachte an die tiefe Nachdenklichkeit und an das hilflose Gestammel, das ihm begegnet war auf seiner Wanderung und wie er mit anderen all das hatte teilen können durch das Wort, die Gabe Gottes an den Menschen. An den Menschen, Gottes schadhaftes Ebenbild. Alles schien ihm zum greifen nah zu sein. Fast wollte Eklytos schon dem zahnlosen, hinkenden Stephanos einen Gruß zurufen, der ihm vorgespiegelt wurde durch seine hungernde Seele, ebenso, wie in der größten Hitze Wasser erschien über dem Wüstenboden, zitternd und flirrend. Seine Seele wollte von ihm fort, Eklytos spürte ihr andrängen als ein zartes, ungeheures Reißen in der Herzgrube, er jammerte unter dem Wahn, unter der Versuchung, fortzukommen von diesem einsamen, verdörrten Ort durch einen einzigen Schritt, seiner fliehenden Seele folgend zu den anderen Menschen, die ihm nun vor Augen standen als flirrende Vision.
Das Licht von Osten erhob sich über den Horizont und im ersten Licht des Tages verwünschte sich der Eremit Eklytos, fluchte über die jammervolle Lage, in die er sich gebracht hatte und wußte nicht mehr zu sagen, was eigentlich er gesucht hatte. Er verachtete seine ekelhafte Bärtigkeitm seine schmutzfleckige Decke, die zerbrochene Behausung, an der er greisenhaft lehnte, die Ödnis, in die er hineingestolpert war und die er jetzt bespie, zwischen seine nackten Füße, mit dem wenigen Speichel, den sein staubiger Mund noch hergab.
Die Wüste schwieg dazu, nur das trockene Knacken der Steine war zu hören, die sich unter der Sonne allmählich erwärmten. Regungslos lag der leere, dunkelblaue Himmel über allem, blau wie eine jener Leichen, die man hie und dort neben der Staße liegen sah.
Und in dieser Stille lagerte sich die schweigende Gottheit um Eklytos, siehe, nicht Sturm und Feuer bin ich, sondern ein stilles, sanftes Sausen. Über seine schmerzlich aufgespannte Seele strich die Gottheit mit leisen, zärtlichen Fingern und – es ergab sich ein neuer Ton, der Eklytos allmählich in das vertrockenete Bewußtsein drang. Die Aufregung verging ihm nun, der Schmerz verebbte und die Visionen hoben sich von seinen Augen. Mit dem Gesicht eines Kindes stand er da und er hörte: das Flüstern über der Wüste; und er sah: das zarte Rot und Blau gen morgen und einen einzelnen, zähen Baum vor der augehenden Sonne, der hier wuchs und Blätter trieb. Und das Flüstern gab ihm Antwort und der Baum war wie er. Eklytos blieb lange regungslos, nun gerade aufgerichtet, der Stab war seinen Händen entglitten, die er halb gehoben hatte, die ihm nun vor der Brust hingen, mitten in der Geste erstarrt. Schrecken stand auf seinem Gesicht, er hatte es den Höhen zugewandt, so daß sein Bart vor ihm in die Luft stach. Dann wurde der Schrecken in Eklytos Angesicht verwandelt in ein kleines, vogelleichtes Lächeln. Und nach einem langen Augenblick war es, daß Eklytos den Fuß zu einem ersten Schritt vor sich setzte, der aufkommenden Hitze nicht achtete und die Wüste verließ. Nunmehr war er gesandt.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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