Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Der Untergang

Raid von NAS

Es ist tatsächlich geschehen: Die Festplatte, auf der meine Texte gelagert waren, ist untergegangen. Ich dachte mir, der physikalische Ort meiner Schreibversuche wäre gut geschützt, erdbebensicher, feuerfest, tief im Keller. Mein Text wäre, so dachte ich, auf einem gelagert redundanten, rund um die Uhr überwachten, hochwertigen und unanfälligen Festplattensystem. Ich dachte, sie, diese vielen, unerschütterlichen Festplatten, wären ganz und gar sicher, enthoben dem Verfall hier auf Erden.

Und so habe ich mir keine Sorgen gemacht um meine Sätze, auch wenn sie ganz unstofflich waren, ich dachte, es wäre weitaus sicherer, bloß in der Form elektrischer Impulse zu existieren, als etwa auf einem Blatt Papier, das vergilbt, zerknickt, zerreißt und verloren geht.

Ich habe mich geirrt.

Ein “Cluster”, so hat mich ein ganz unterschütterlicher Computertechniker aufgeklärt, ein Cluster der Festplatte des Servers soundso sei zerstört wurden. Ein Glück, daß noch jemand das Klickern gehört habe, das die Platte verursachte. So hätte man den Server wenigstens noch abschalten und das Gros der Daten hätte gerettet werden können. Ob jetzt meine Daten auch darunter seien, oder ob sie gerade auf jenem “Cluster” gelegen haben — das könne er mir nun wirklich nicht sagen, man entpacke gerade noch — Myriaden von Gigabytes.

Der Computertechniker hat mir das alles im Plauderton mitgeteilt. Und mir ist dabei das Blut aus den periphären Körperregionen gewichen. Ein Klickern aus der Leibeshöhle eines verwahrlosten Servers, irgendwo in einem muffigen Keller, ein panisches Klickern, das wer weiß wie lang überhört wurde.

Und so sind im schlimmsten Fall zwei Monate Schreiben verschwunden, spurlos, ins Unstoffliche.

Hinzu kommt, daß ich sogar noch in meiner momentanen, äußerst herabgesetzten Daseinsform gewürgt werde. Man hat mir irgendwie irgendwelchen Speicher begrenzt, so daß ich ihn immerfort “übersteige”. Das ist doch kein Über-, sondern nichts anderes als ein Abstieg. Ein Übersteigen der Leitplanke höchstens: und unten brodelt es reißend.

Also: Ich läute die Notausgabe des Rauhfaslers ein. Leser, bleibt mir gewogen!

1700
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  • Kurzum


    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

    »Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau) (6. 5. / 16 Uhr)

    »Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller) (2. 5. / 14 Uhr)

    »One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)(10. 4. / 17 Uhr)

    da seh ich wundernd das erschrockne thier
    zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
    sie aber blickt mit groszen augen flehend
    mich an. so stehn wir schweigend gegen einander (10. 4. / 15 Uhr)

    »Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, (4. 4. / 15 Uhr)

    »der hungir wart also gross dar czu,
    das sy frossin er aldin schu,
    spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« — Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)(2. 4. / 19 Uhr)

    »Es ist eine Zeit für die Muße,
    es ist eine Zeit für den Streit,
    es ist eine Zeit für die Buße,
    für alles die richtige Zeit.(24. 3. / 15 Uhr)

    自動思考 (Jidō shikō) bedeutet »Gedankenautomat« oder »automatische Gedanken«. (23. 3. / 10 Uhr)

    Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist. (22. 3. / 23 Uhr)

    Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik« (21. 3. / 15 Uhr)

    Das eigentliche sind nie die Einzelheiten — sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.(21. 3. / 14 Uhr)

    »Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein. (29. 2. / 20 Uhr)

    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

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