Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Dialog

In der Reihe: »Stilübung (a)«

»Guten Morgen, Herr Strasser«, begrüßte ihn die Sprechstundenhilfe und Edwin war angenehm überrascht. Sonst war sie viel weniger freundlich. Es lag wohl daran, daß er so häufig in die Praxis gekommen war in den letzten Wochen. Er hatte hier wohl endlich einen Eindruck hinterlassen, sogar bei dieser sonst so barschen Person. Edwin beeielte sich, sehr artig mit dem Kopf zu nicken. »Ja, guten Morgen, guten Morgen ihnen auch!«
»Wenn sie bitte noch im Wartezimmer Platz nehmen würden.«
Da war doch wieder diese Ungeduld bei der dicken, pockennarbigen Frau hinterm Tresen. Ihre fleischige Hand, vor der sich Edwin ekelte, wies in Richtung des Wartezimmers. Gut nur, daß sie nicht bei den Untersuchungen dabei war.

Edwin öffnete die Tür zum Wartezimmer. Sie war verzogen und Edwin versuchte bei jedem neuen Arzttermin wieder, sie geräuschlos zu öffnen. Das war schlichtweg nicht möglich. Auch heute gab es ein Knirschen, als er die Klinke drückte und dann ein Knallen, als die durchgebogene Tür aufsprang. Edwin hatte sich schon sein »Guten Morgen« zurechtgelegt, kam aber nicht dazu. Die zwei Patienten, die auf den braunen Plastikstühlen saßen, waren mitten im Gespräch. Edwin wagte nur zu nicken; es gehörte sich schließlich nicht, ein Gespräch zu stören.

»Und wissen sie«, sagte eine magere, weißhaarige und offenbar sehr alte Frau, »dann ist da immer dieser Schwindel.«
»Oh, oh!« Ein sehr kleiner Mann, der seinen Hut aufbehalten hatte, nickte sehr eifirg, als er diese Geräusche produzierte. »Das ist eine schlimme Sache, das kenne ich,« fuhr er mit krächzender Stimme fort.
»Und sie?«, war nun die Frage, von der Alten an das Männchen gerichtet. Edwin setzte sich ganz langsam, um keine störenden Geräusche zu machen, auch wenn er sich wünschte, jemand würde den beiden den Mund verbieten.
»Ach, wissen sie, das ist ja so ein Männerproblem…«, das Männchen schwieg und fummelte an seinen Fingern, unschlüssig, ob er weitererzählen dürfe. Edwin räusperte sich. Solche Distanzlosigkeiten waren ihm verhaßt. Soetwas kann man doch mit dem Arzt besprechen, dachte er und knirschte ein bißchen mit den Zähnen, das muß man doch nicht allen ins Gesicht sagen. Aber keiner der beiden laß seine Gedanken oder die sparsam dosierte Verstimmung in seinem Gesicht.
Das Männchen hatte sich ein Herz gefaßt und erzählte von seiner Vorsteherdrüse. Edwin wollte gerade nervös nach irgendeinem Magazin greifen, als der Arzt persönlich mit Knirschen und Knallen in der Tür des Warteraums auftauchte.
»Herr Strasser bitte!«
Edwin lächelte dem Männchen und der Alten giftig seinen Triumpf entgegen. Er war zuerst dran. Tja, wenn man immer pünktlich war. Und ich werde von Doktor Tobler persönlich abgeholt. Das will ich auch meinen, der Mann weiß ein angenehmes Gegenüber zu schätzen.

Der Arzt führte Ediwn in sein Sprechzimmer und Edwin nahm vor dem schwarzen Schreibtisch platz. Er mochte diesen Schreibtisch: er war immer vorbildlich aufgeräumt. Doktor Tobler ließ sich in seinen Ledersessel fallen und erzeugte dabei ein organisches Zischen, das aus den Polstern drang und Edwin jedesmal wieder unangenehm war.
»Nun, Herr Strasser.«
Edwin faßte sich ein Herz. »Also, Herr Doktor, nochmal wegen der Tabletten.«
»Herr Strasser…«
»Ich wollte ja nur sagen, meistens geht es mir ja ganz prächtig.« Edwin lachte verlegen. »Vielleicht nur für die Tage, an denen mein Kopf mir solche Beschwerden macht – es gibt doch bestimmt etwas stärkere Kopfschmerztabletten. Sowas wie Aspirin vielleicht? Wenn sie mir sowas verscheiben würden?« Der Arzt machte ein abweisendes Gesicht und Edwin verstummte.
»Herr Strasser, wir haben ja schon einige Untersuchungen gemacht…«
»Ja, ich danke ihnen auch sehr für ihre Bemühungen, Herr Doktor.«
»Es ist doch besorgniserregend.«
Edwin fühlte es wie eine Welle durch seinen Körper gehen. Was machte dieser Arzt für ein unnötiges Aufsehen um Kopfschmerzen? Das konnte doch mal vorkommen.
»Ja, Herr Doktor, man muß ja nicht gleich.«
Der Arzt machte eine ungeduldige Handbewegung und Edwin wurde wieder still.
»Mit ihren Symptomen sollte man keine Scherze machen.«
»Aber ich mache keinen Scherz, Herr Doktor, niemals. Aber es waren doch jetzt schon so viele Untersuchungen.«
»Ich versuche ihnen ja gerade zu sagen, daß…« hatte der Arzt begonnen, davor hatte er tief Luft geholt. Er hatte Edwin damit eine leichte Übelkeit verursacht.
»Also machen wir noch eine Untersuchung?«, beeilte sich Edwin vorzuschlagen.
Nun trat eine Pause ein. Der Arzt starrte Edwin an und trommelte dabei mit seinem Bleistift auf den Schreibitsch. Edwin hatte etwas Schmutz unter einem Fingernagel entdeckt und widmete sich ganz seiner Entdeckung.
»Ja, wie sie meinen,« brach der Arzt das Schweigen. Ihn hatte der Mut verlassen. »Dafür müssen sie aber ins Krankenhaus.«
»Ja, Herr Doktor, wie sie meinen. Sie sind ja der Arzt. Ich will da gar nichts sagen.«
»Herr Strasser, wollen sie denn gar nichts über die Ergebnisse erfahren?«
»Nein!« kam es aus Edwin hervor mit einer Heftigkeit, die ihn überraschte. Der Arzt beobachtete Edwin. Edwin hielt dem Blick einen Herzschlag stand, starrte dann auf seinen Fingernagel und setzte seine Säuberung fort. So vergingen einige Sekunden. Edwin bemerkte ein sonderbares Zucken in seinem Augenwinkel.
»Wissen sie, ich habe gar keine Kopfschmerzen,« sagte Edwin wie ein Schüler, der gerade in einer Prüfung durchgefallen ist. »Vielleicht gibt es sich ja von selbst.«
Doktor Tobler seufzte bloß geschlagen. Mit einem Knacken zog er die Kappe von seinem Füller und kratzte etwas auf ein Formular.
»Hier«, lassen sie sich von Frau Warnke einen Stempel geben, »das ist eine Einweisung für eine Fachklinik.«
Edwin erhob sich halb, verharrte in dieser Position, starrte dem Arzt ins Gesicht, klappte den Mund auf.
»Nun?«, fragte der Arzt plötzlich unwirsch.
»Zu Frau Warnke, danke, sicherlich. Danke. Guten Tag auch.«

Als Edwin vor der Praxis auf dem Bürgersteig stand, bemerkte er, daß er seinen Mantel im Wartezimmer vergessen hatte. Er hatte sich schon umgedreht und den Finger auf zum Klingelbrett gehoben. Dann aber drehte ihn etwas wieder fort von der Tür. Seine Beine gingen los, ohne das er es recht wollte, etwas schneller als es seine Gewohnheit war, und schlugen den Weg ins Büro ein. Dort wenigstens würde er sicher sein.

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    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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