Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Die Bank vor deiner Tür

Der 1. Teil in der Reihe: Ungeschriebene Geschichten

Ein Trader oder Broker, ein Betreiber virtueller Geschäfte

Ich habe beim Morgenkaffee im Radio diesen Satz gehört:

»Weil wir die Bank vor der Tür benötigen wie das Licht und das Wasser zum Leben. Es geht wirklich um uns alle.«

Es geht um uns alle. Derart weitreichende, umfassende Aussagen sind selten zu hören. Der das gesagt hat, war Dieter Wiefelspütz, ein SPD-Politiker. Er wollte im Radiointerview den aus Geld geflochtetenen Rettungsschirm für das deutsche Bankensystem rechtfertigen, der heute vom Bundestag verabschiedet worden ist und in einem atemlosen Gesetzgebungsverfahren bis in das Bundesgesetzblatt durchgehechelt werden wird.

Sicherlich hat Wiefelspütz nur nach drastischen Bildern gesucht, um die Wichtigkeit des Schutzschirms darzustellen. Und wahrscheinlich sind die Rettungsmaßnahmen für die deutschen Banken auch dringend erforderlich, wer wollte das in Frage stellen?

Die Bank vor der Tür — das Licht und das Wasser. Als ich diese Gleichsetzung gehört habe, wurde mir trotz allem kalt. Und es wurde noch mehr gesagt: »Wenn wir keine stabilen Banken haben, können Sie nicht leben, ich nicht leben«, zum Beispiel. Oder daß man die Banken retten müsse, weil mit ihnen die »wirtschaftliche Grundlage unserer Existenz« gefährdet, die Grundlage für unsere gesamte »Zivilisation« in Frage gestellt sei, die innerhalb von wenigen Tagen zusammenbrechen werde, ohne elektrischen Strom und — ohne die Banken.

Man könnte diese Sätze innerhalb einer Erzählung verwenden. Man könnte sie einer Figur in den Mund legen, einem Staatsmann vielleicht, der zu den Bürgern spricht. Der Autor einer solchen Erzählung könnte mit solchen Sätzen den erdachten Staatsmann vor seinen Lesern entlarven: als einen Verstiegenen, als einen Phantasten, der womöglich selbst glaubt, was er sagt, und damit umso mehr zum Inbegriff eines verworrenen Systems wird, in dem sich ein geheimes Interesse tarnt. Man könnte diesen Satz einfach abschreiben, und in einer solchen düsteren Erzählung weiterverwenden.

Es müßte um ein Staatswesen gehen, in dem den Bürgern eine bestimmte Institution als lebensnotwendig dargestellt wird, ebenso wichtig wie Luft, Licht und Wasser. Und den Bürgern würde eingebläut, daß der Besitz von Zertifikaten, die diese Institution ausgibt, Grundlage wäre aller Zivilisation, Grundlage eines sinnvollen Lebens überhaupt. Die Institution aber würde sich vertrauenswürdig und freundschaftlich geben, indem sie Filialen eröffnet, die vor jedermanns »Tür« zu liegen vorgeben.

Dann würde der Erzähler berichten, wie die gauklerische Institution in eine simulierte Krise geführt wird, indem sonderbare, für niemanden verständliche Rechnungen angestellt werden, bei denen astronomische Minussummen herauskommen. Und angesichts einer solchen Bedrohung sind die Untertanen dann bereit, sich selbst für Arbeitseinsätze herzugeben, um die überlebenswichtige Institution zu retten, ohne selbst davon irgendeinen Gewinn zu haben.

Eine solche Geschichte könnte man erzählen und vielleicht wäre sie spannend. Am meisten aber würde ihr Autor seine Leser unterhalten, indem er sie Empörung empfinden läßt über die Verstiegenheit der Akteure. Oder indem er die Leser schaudern läßt, angesichts einer so zügellosen Verwechslung von bloß erdachten mit den wirklichen Grundlagen der Existenz, der Kultur, unser aller Leben.

Inhalt der Reihe »Ungeschriebene Geschichten«

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  • Rauhfaseln?

    Zum Beispiel so:

    Viele Bögen mit kalligraphischen Notizen voreinandergezogen. Mitten hinein laufen die schwarzen Unterseiten der Zweige und unterstreichen die wichtigsten Züge, deuten Figuren an und geben Hinweise auf sonderbare Zusammenhänge. Schicht um Schicht ein Labyrinth – oder mehrere Ebenen der Leichtigkeit.

    Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.

  • Zufällig…

  • Kurzum

    Nachdenken über: Das Hawala-Finanzsystem (28. 7. / 9 Uhr)

    Weberknechte sind Spinnentiere, Schuster aber Schnaken. (28. 7. / 9 Uhr)

    Auf einem Plakat, das für Kreuzfahrten wirbt, meine ich zu lesen: »Fernweh, Sehnsucht — Registrierung.« (27. 7. / 16 Uhr)

    In einer Buchbesprechung das ›neuronale Standardargument‹: »...und das muß ja eingeübt werden, das sind auch neuronale Prozesse, (26. 7. / 16 Uhr)

    Note to self: In Umbruchszeiten tauchen in der Literatur Wasserfrauen auf.(*) (26. 7. / 15 Uhr)

    »Die Kugel ist das Ergebnis kosmischer Gesetze. Mit dem Rechteck haben wir gezeigt, wer wir sind. (25. 7. / 10 Uhr)

    Überhaupt haben Sätze, geschriebene Sätze zumal, die Eigenart, ein wirkliches (ein vielleicht bloß in der Vorstellung wirkliches) Geschehen mit Sinn zu übertünchen, (24. 7. / 17 Uhr)

    »Der Zustand des Alltagsbewusstseins, der so genannte Beta-Zustand, (24. 7. / 5 Uhr)

    »Cogito ergo sum« und die Gattungsbezeichnung »Homo sapiens sapiens«: womöglich beides Ausdruck eines kategorialen Irrtums. (23. 7. / 11 Uhr)

    Begriffsmagnetfeld des Tages: Von Singulett bis Richtungsquantelung. (23. 7. / 10 Uhr)

    »Parallele Welten innerhalb von Schaltkreisen, welche eigentlich gar nicht existieren sollten, aber sie sind da.« (22. 7. / 11 Uhr)

    »In Ruhe wurzeln Eiskapläne.« Vielleicht liegt es an der Uhrzeit oder am Gewitter, (22. 7. / 0 Uhr)

    Habe erfahren, daß die Fadenwürmer (Nematoda) mit ihren bislang mehr als 20.000 beschriebenen Arten unter den vielzelligen Tieren wahrscheinlich die artenreichste Gruppe sind. Hinsichtlich der Individuenzahl sind ca. 80% aller tierischen Organismen Fadenwürmer. (21. 7. / 9 Uhr)

    Ich solle mir die Walther P99 ansehen, wenn ich die Glock Modell 23 möge, empfiehlt mir ein Freund mit praktischen Kenntnissen. Ich wundere mich zwar, wie es geschehen konnte, daß sich mir ein Zugang zu solchen Themen eröffnet hat, aber sicherlich: auch ein schönes Modell. (19. 7. / 19 Uhr)

    Ein kleiner Junge erklärt, nachdem er sich ausgiebig und schnell auf einer Schaukel um die eigene Achse gedreht hat: »Die Seele von kleinen Kindern ist noch größer als bei Erwachsenen.« (18. 7. / 18 Uhr)

    Doch vielleicht ist diese meine Blindheit auch nur die Folge des Schattens, den die näherkommende Große Finsternis auf unsere vergreiste Welt wirft.(16. 7. / 13 Uhr)

    RATTENGIFT sitzt an einem Tische und will dichten. Ach, die Gedanken! Reime sind da, aber die Gedanken, die Gedanken!(16. 7. / 13 Uhr)

    Der kalte Atem des Gesetzes: »Nacherbe ist derjenige, der kraft Verfügung von Todes wegen nach einem anderen, dem Vorerben, zum Erben berufen ist.« (15. 7. / 21 Uhr)

    Es denkt im Hirn mit der schwerfälligen Behändigkeit eines servolahmen, elektronischen Bohrwurms. (15. 7. / 18 Uhr)

    Wer seine eigene Schlechtigkeit nicht kennt, ist insbesondere zur Schlechtigkeit prädestiniert. (15. 7. / 18 Uhr)

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