Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Die Stille wider uns

Die Welt ist aus Stille geformt. Auf den ersten Blick ist das eine nicht besonders einleuchtende Behauptung, insbesondere für Städter, um die es kaum je still ist. Aber es verhält sich doch so. Ebenso, wie der Satz wahr ist, daß wir und alles Leben aus Wasser geformt sind.

Selbtverständlich kommt es bei der Beziehung des Lebens zum Wasser gerade auf die Stoffe an, die zum Wasser hinzutreten und es in eine bestimmte Form bringen: die Form eines Menschen beispielsweise. Wir brauchen uns meistens nicht darum zu kümmern, daß wir eigentlich nur ein System von chemischen Reaktionen in wässriger Lösung sind, nur selten wird unsere Herkunft aus dem Wasser augenscheinlich, bei einer Geburt zum Beispiel oder wenn einer Schnupfen hat. Aber wir können sogar auf Nahrung für eine lange Zeit verzichten, nur auf Wasser nicht, weil das Wasser in hinsicht auf den Körper eben unser Grundstoff ist.

Mit der Stille, dem Baustoff der Welt, verhält es sich nun aber gerade umgekehrt wie beim Wasser: Die Stille steht außerhalb des Menschen, ist nicht sein Element, sie liegt nicht in ihm. Für den Menschen kommt es vielmehr darauf an, daß er nicht zuviel von der Stille aufnimmt, so wie bei anderen befremdlichen Dingen auch.

In kosmisch-physikalischer Größenordnung ist die Stille das Nichts. Unsere Welt, die Sonne, der Mond und alles andere konnte nur entstehen, weil es sich aus diesem Nichts heraus zusammengeballt hat. Man stelle sich vor, die verbindenden Kräfte würden über Nacht aufhören: dann flösse alles auseinander, wie ein Tropfen in der Pfütze zerfließt – und übrig bliebe nurnoch nichts.

Ebenso ist die Stille. In einem dunklen, absolut stillen Raum würden wir, nachdem die erste Beklommenheit abgeklungen ist, unseren Herzschlag hören, das Rauschen des Blutes in unseren Ohren, den Atem, das unruhige Scharren unserer Füße. Damit würde unser Körper uns vergewissern, daß wir noch da sind – aber wir wären allein, ohne Welt. Alsbald würde dann die Angst kommen, über die das Atmen und Herzschlagen uns nur für kurze Zeit hinwegtäuschen könnte, wir könnten es nicht mehr aushalten in jenem Raum – wir dürfen nicht zulange der Stille ausgesetzt sein, sonst müssen wir die Auflösung befürchten, wie sie beim Tropfen in der Pfütze geschieht.

Wenn es in unserer Wohnung still ist, dann kommen uns immerhin Geräusche zur Hilfe, die für uns die Welt erhalten: Das Ticken einer Uhr, Flüstern in den Heizungsrohren, Knarren von Dielen. Auch die Welt vor den Fenstern dringt herein: mit den Stimmen spielender Kinder, durch Vogelgesang vielleicht und immerzu getragen von jener allgegenwärtigen Brandung, dem Geräusch von Motoren. Zum Glück ist das so! Wenn wir nichts hörten, wir müssten immerzu Ausschau halten, um uns zu vergewissern, das da noch etwas ist.

Die Welt ist aus Stille geformt, weil die Stille den Klang der Welt trägt. Ein Baustoff, gegen den alles sich zur Wehr setzen muß, indem es Klang aus sich hervorbringt. So ist ja ein Gedanke erst wirklich, wenn ich ihn ausspreche, ein Mensch erst bei mir, wenn er mit mir spricht, ein Raum verliert seine Ödigkeit durch Gespräch und Musik. Jedoch: alles dies ist getragen von der Stille, herausgebildet aus ihr. Möglich und auch notwendig wird aller Klang durch die Stille, die überall der Hintergrund ist. Durch die Stille, die augefüllt werden kann – und aufgefüllt werden muß.

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Ein Kommentar

  1. bb
    Erstellt am 20. September 2009 um 00:01 | Permanent-Link

    Still, sei still, sei nur ja still! Hörst du es denn nicht? Die Stille ruft dich zu sich, sie fleht so laut, dass du endlich aufhörst, ihr zu widersprechen. Ach, schweige doch, ach, schweige doch mit mir, Bruder. Ist doch nichts, was der Rede wert. NIcht mal dies.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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