Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Drehgestell

Ich bin mit der Bahn gefahren. Das ist nichts außergewöhnliches. Es war morgens, sehr früh morgens, eine der ersten Bahnen, der Himmel war klar, ich war zwar wach, aber in jenem Zustand sonderbarer Entrückung, den jeder kennen wird, der schon einmal früh aufgestanden ist. Das alles ist eigentlich nicht erwähnenswert. Es ist auch nichts geschehen, weder mir noch einem anderen. Ich habe auch nichts besonderes gesehen, eine langweilige Stadt, ein leerer Himmel. Ich hätte es wohl auch gar nicht bemerkt, wenn da etwas besonderes gewesen wäre – ich habe zugehört, gebannt zugehört, den Rädern unter mir.
Unter dem neutral grauen Fußboden etwa 5 Meter vor mir war ein Drehgestell mit vier Rädern montiert. Und von da her kam ein vielschichtiger Klang, ein Durcheinander, ein titanisches Hämmern und Quitschen und Bollern, das Aufeinanderschlagen und Aneinanderreiben von Stählen, das Geräusch von starren harten Tonnen Stahl aufeinander. Es ist eigentlich nicht zu beschreiben.
Ich wäre gern noch viele unnötige Stationen gefahren um mich zu versenken in dieses tiefsinnige grobschlächtige Durcheinander, um seine Bestandteile zu verstehen. Ich war glücklich in meinem noch schlaftumben Zustand, umhüllt von diesem Gedröhn, zusammengefügt mit großer Feinsinnigkeit offenbar, mit der Feinsinnigkeit von rostigen, glänzenden Gleissträngen und Rädern, deren einem durchs Bremsen wohl eine leichte Unwucht mitgeteilt worden war. In dieses eine Rad war eine transzendente, kaum wahrnehmbare Kante eingeschliffen worden. Glücklicher Zufall. Diese Kante schlug nun beim Rollen Umdrehung für Umdrehung aufs Gleis und ein erzeugte ein tiefdringendes dammdammdammdamm, ein Geräusch wie ein Tunnel, in den ich hineingezogen worden war und ihn entlangfuhr in schöner öliger Leere. Dammdammdammdamm. Dazu das übliche Badamm-badamm-badamm an einer Weiche oder auf Schweißnäten oder sonstwo wie in ruhiger Herzschlag oder ein stetiger Kehrreim. Und das nervös-gereizte Zischeln und Quietschen in einer Kurve als Erinnerung an das bleibend Disharmonische, das aber gerade so in die Gleisradsymphonie eingefügt wurde. Untermalt durch den Antrieb, der in verschiedenen Tonlagen aufspielen kann und beim Beschleunigen schöne Legatos hervorbringt.
Durch Musik kann man Verstehen, wenn man Musik hört, wird man Empfänglich für den Sinn der Dinge. Wenn ich nur sitzengeblieben wäre, wenn ich meine Station vertrödelt hätte, dann hätten mir die Gleise und Räder und der Motor etwas beibringen können, da bin ich gewiß, aber was wäre da wohl zu lernen gewesen?

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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