Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Druckverhältnisse

Es ist etwas geschehen. Und jetzt sitzt ein Gefühl in mir, eine Echse in einer der tieferen Spalten. Ein umfassendes Gefühl, ein zitterndes, ein Falter, der sich zum Abflug wärmt, die Flugmuskeln zucken, die Flügel liegen reglos. Eigentlich ist nichts passiert. Ich sitze unverändert, die Lage draußen ist ruhig, ganz gewöhnlicher Lieferverkehr. Mürrische Menschen. Und in mir wächst es wie Hunger, wie die Aufregung: beim kurzen Innehalten am äußersten Ende des letzten Vorhanges und der nächste Schritt wird auf die Bühne führen. Das große Licht dort draußen ist schon zu sehen und die Menschen, ungezählt, kann ich riechen. ‒ Wie das Eindringen von Zärtlichkeit unter die gewohnheitsmäßig abweisende Oberfläche, der Moment, wenn es fast schmerzhaft ist.
Es liegt wohl in der Luft, ich atme sie tiefer als nötig, das hatte ich gar nicht bemerkt. Und es ist wohl auch ein leichtes Fieber, eine unterschwellige Krankheit, die mir so wohlig Hals und Nase verstopft und mir eine Decke um den Kopf wickelt. Comfortably Numb. Ich atme tiefer als nötig die feuchte Luft. Es ist Herbst in mir, schöner Herbst. Auf meinem Stuhl sitzend gehe ich durch eine früh dunkelgewordene Straße, ich fühle das Licht, das aus Fenstern von Wohnungen dringt, die ich nicht betreten muß. Das Licht ist warm, vielleicht sind auch die Bewohner schön.
Es gibt eine Physik feuchter Oberflächen: es geht eine besondere Strahlung von ihnen aus, und immer dringt diese Strahlung in die Tiefe, Gammastrahlung. Etwas eigenes ist die Wirkung von nassen Gleisen und Schwellen; wieder anders die eines durchfeuchteten Kiesweges; und schließlich das, was ein nasser Bürgersteig ausstahlt. Wirklich: der Bürgersteig dort draußen, vor meinem Fenster, ist dunkel von Feuchtigkeit. Aber Regen kann ich nicht sehen. Hat es wohl geregnet in den Augenblicken, die ich konzentriert war und alles war wie gewöhnlich? Ein kurzer Regen, eine atmosphärische Druckverschiebung, das Hereinbrechen irgendwelcher Luft, die bislang nicht da war: Und jetzt strahlt der Bürgersteig, der vor meinem Fenster verläuft, ungehindert in mich, durchdringt alle Lagen meines Fleisches und richtet in mir folgenschwere Veränderungen an.
Vielleicht hat sich mit den atmosphärischen Verhältnisse auch etwas in dem verzweigten Höhlensystem hinter meiner Stirn geändert. Ein sprunghafter Anstieg oder Abfall des Druckes, die Reaktion der verstopften Gänge in meinem Schädel, der Eustachischen Röhre beispielsweise, aus der dieses stille, bronzene Glück jetzt womöglich aufsteigt.
Ein Nebel hat sich zu Erden herabgeschwungen und sich auf die Pflastersteine gesetzt und sie pafümiert, ich weiß nicht wie, wer könnte solche Feinheit beschreiben. Ich denke an einen Mann, der mir erzählt hat, wie er schon gestorben war, sein Herz stand still. Und bevor er nach Minuten zurückgeholt wurde, sah er ein Licht. Er konnte es mit keinem Wort beschreiben. So ist das Parfüm des nassen Kopfsteinpflasters, der dunkel eingefärbten Gehwegsteine. Und in mir wächst Sehnsucht auf, die mir von innen an die Rippen drückt und auf das Zwerchfell. Die meinen Magen zittrig werden läßt. Und jetzt, da ich es bemerkt habe, muß ich mich sehnen und alles andere ist unwichtig geworden. So deutlich und so umfassend ist diese sonderbare nebelgeborene Sehnsucht, und sie wird stärker mit jedem tiefen Atemzug. Ich weiß nicht wohin. Auch darüber zu schreiben ist aussichtslos. Mir fallen Bilder ein, naiv und weit entfernt, Wiesen, Hügel, Meer – was weiß ich.
Ich rauche und die Feuchtigkeit verwandelt auch den Rauch. Er schmeckt nach nassem Zelt. Der Rauch läßt meine Schleimhäute anschwellen, verbindet sich mit dem Erkältungssekret, wird dick und üppig. Die Sehnsucht wird greifbarer dadurch, kaum aber erträglicher.
Jetzt fängt es an zu regnen. Alles wird fortgeschwemmt und in den Regenwasserfäden auf den Gehwegplatten schwimmen kleine Fetzen Müll.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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