Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

L’art pour l’art

In der Einkaufstraße sitzt akkordeonspielend ein junges Mädchen. Sie spielt, so gut es eben geht. Und von Zeit zu Zeit hält sie mitten in der Melodie inne, um den Pudel, der zu ihren Füßen sitzt, zu streicheln. Der Pudel hebt dann den Kopf ein wenig, schlägt mit dem Schwanz auf die Pflastersteine, nimmt mit eingespielter Selbstverständlichkeit die Zärtlichkeiten seiner Herrin entgegen. Dann spielt sie weiter, genau dort, wo sie abgebrochen hatte, und der Hund legt den Kopf auf die Pfoten. Er hat Zeit und seine Umgebung kümmert ihn nicht. Sie aber blickt beim Spielen den achtlosen Passanten hinterher, auf ihre Kniekehlen scheinbar, und lächelt dabei mit eingespieltem Charme. Ihre Zähne blitzen aus dem dunklen Gesicht hervor.

Ein kratzendes Geräusch mischt sich nun in die Töne des Mädchens. Die Polizei nähert sich mit ätherknisternden Funkgeräten. Das Akkordeon kiekst noch drei, vier Züge und verfällt dann in Schweigen. Das Mädchen wird einer Überprüfung unterzogen. Sie lächelt nur mit gut vorbereiteter Verlegenheit. Hinter den Rücken der Polizei schiebt sich hyänengleich ein ältlicher Bürger heran, schiebt einen überquellenden Bauch vor sich her und bleibt in sicherer Entfernung, aufmerksam lauschend, stehen. Er schiebt in seiner entrüsteten Anstrengung die Lippen vor und ich erwarte beinahe, ein hyänenlachen von ihm zu hören. Die Kleine scheint verloren.

Da aber ist, aus dem Nichts heraus, ein vierschrötiger Mann zwischen den Polizisten aufgetaucht. Und ehe noch irgendwer begreift, wer da erschienen ist, hat er schon die Hände der Beamten geschüttelt. Er grinst, lacht, ist unbekümmert. Und nun wird anscheinend Geschäftliches besprochen. Ein sauber gefaltetes Papier fliegt aus der Brusttasche des weit aufgeknöpften Hemdes in die Hand des Patronen, wird den Polizisten unter die prüfenden Blicke gehalten. Dazu kommt offenbar noch ein Witz: die Polizisten lachen jetzt wie unter Freunden. Und das Mädchen, das immer noch auf seinem Schemel sitzt, lächelt gezuckert und aufgeregt. Der Hund ist aufgesprungen, steht schützend vor ihr. Und der Zuhälter ist Herr der Lage.

Jetzt ziehen die Polizisten ab. Und auch der Zuhälter ist, so übergangslos, wie er aufgetaucht ist, schon wieder verschwunden. Der Hund legt sich wieder an seinen Platz. Und das Mädchen spielt weiter, genau da, wo sie vorhin aufgehört hatte. Nur der Hyänenmensch steht noch krumm an seinem Platz, fassungslos offenbar, daß kein Aas für ihn abgefallen ist, keine Verhaftung und peinliche Zurechtweisung, um sich daran zu erinnern und von der Erinnerung zu nähren.

Und der Zuhälter steht keine fünfzig Meter weiter an eine Hausecke gelehnt. Er redet mit einem Freund. Über Geld vielleicht oder Autos oder Familienangelegenheiten. Das kieksende Akkordeon klingt bis hier herüber, hält von Zeit zu Zeit inne, wenn das Mädchen ihren Hund streichelt. Danach nimmt sie ihre Melodie wieder auf, genau dort, wo sie sich unterbrochen hatte.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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