Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

»Living systems«

Craig Venter ist der Vorkämpfer eines neuen Zeitalters. Im Dezember hielt Venter eine Vorlesung im Fernsehprogramm der BBC unter der Überschrift: A DNA-Driven World. Das, was die Welt in Zukunft antreiben, vorantreiben soll, wird nach Venter also die DNA sein, das Erbgut, genauer: seine gezielte Veränderung. Das neue Zeitalter, für das Venter kämpft, soll das biologische Zeitalter sein.
Momentan leben wir im Zeitalter der Dampfmaschine. James Watt ließ sich 1769 seine Dampfmaschine patentieren. Die von Watt perfektionierte Technik zur Umwandlung von Verbrennungswärme in maschinelle Arbeit schuf die Grundlage für die industrielle Revolution, die seitdem das Leben der Menschen tiefgreifend verändert hat. Wie wir leben und arbeiten hängt von dem Umwandlungsprozeß ab, den Watt in Gang gebracht hat. Die Verbrennung von verschiedenen Stoffen erzeugt Wärme, die dann in Energie umgewandelt wird und Maschinen antreibt. Diese Maschinen produzieren das, was wir zum Leben brauchen. Der unseren Technologien zugrundeliegende Vorgang ist vor allem die Umwandlung von Energie – und die Wissenschaft, die uns dabei vor allem nützlich ist, ist die Physik. Energie setzt in den Fabriken die Maschinen in Bewegung, die uns Computer, Autos, Kaffeemaschinen bauen. Die Kaffeemaschinen nutzen elektrischen Strom, um uns unseren Kaffee zu kochen, die Computer wandeln Informationen in elektrische Impulse um und ermöglichen uns Kommunikation, Autos haben ihr eigenes Kraftwerk an Bord, verbrennen Treibstoff und bringen uns so von einem Ort zum anderen.
Das alles gibt es, weil Ingenieure geschickt die physikalischen Gesetze nutzen. Der Lebensraum, in dem wir modernen Menschen zurechtkommen, das Biotop, auf das wir uns spezialisiert haben, ist angereichert mit Apparaten und Werkzeugen, die eine Form von Energie in eine andere Umwandeln. Wir sind, könnte man sagen, Symbionten der Mechanik.
Craig Venter blickt in eine andere Richtung, weg von der Physik und ihren Maschinen, in die Richtung der Biologie, in die Richtung des Lebens. Und es geht ihm nicht bloß um eine Beschreibung der Lebensformen, sondern um gezielte Veränderung. Am 31. Mai 2007 hat Venter mit Mycoplasma laboratorium die erste synthetische DNS zum Patent angemeldet. Sie entstammt einem sehr kleinen Bakterium und soll die Vorlage für einen Organismus sein, der mit einem minimalen Erbgut auskommt, um lebensfähig zu sein. Nun erforscht Venter weitere Techniken, die notwendig sind, um synthetisches Leben zu erzeugen. Der jüngste Erfolg ist die komplette Replikation eines Erbgutstranges. Wenn die notwendigen Vorarbeiten abgeschlossen sind, soll Mycoplasma laboratorium als ein Träger nutzbar sein, den man mit beliebigen Eigenschaften ausstatten könnte, so daß Mikroben entstehen, die z.B. Kohlendioxid aus der Luft entnehmen oder Müllhalden auffressen könnten. Die neuen, zukunftsweisende Sparten, in der Ingenieure tätig sein werden, könnte also synthetische Biologie, synthetische Genetik und »metabolic engineering« heißen. Venter drückt in der erwähnten Vorlesung die Erwartung aus:

»These fields can change the way we think about life by showing that we can use living systems to increase our chances of survival as a species. Simply put: this area of research will enable us to create new fuels to replace oil and coal.«

Unser Überleben ist insbesondere dadurch in Frage gestellt, daß wir die Biosphäre, den Raum in dem Leben auf unserem Planeten möglich ist durch unsere Abgase, durch das CO2 vergiften. Venter verbindet mit den von ihn erforschten neuen Technologien die Hoffnung, sie könnten den verzweifelt gesuchten Ausweg aus der Krise aufweisen. Durch »lebende Systeme« könnten wir in Zukunft die qualmenden Dampfmaschinen ersetzen, die uns eine Weile genutzt haben und uns nun langsam die Luft zum Atmen nehmen. Der Zusammenhang Erzeugung von Energie – Nutzung durch Maschinen bliebe derselbe. Allerdings könnten wir die benötigte Energie in absehbarer Zeit vielleicht so gewinnen, wie es Lebewesen auf diesem Planeten seit Millionen von Jahren tun: Durch natürlichen Stoffwechsel. Wir müßten uns nicht mehr vorhalten, daß wir die Ökosysteme mit unseren Abgasen belasten und das natürliche Gleichgewicht zum Kippen bringen, weil Bakterien einen unschädlichen Austausch gewährleisten würden: Aus den natürlichen Biotopen in unser technisches Biotop und wieder zurück. Durch Venters Forschungen ergeben sich also erstaunliche neue Chancen.

Aber ist es wirklich so einfach? Mycoplasma laboratorium wird sich vielleicht als eine zweite Dampfmaschine erweisen, Venters Erfindungen werden vielleicht ebenso große Neuerungen mit sich bringen wie das Patent 913, das James Watt vor rund 250 Jahren angemeldet hat. Aber wie sieht es mit den unerwünschten Folgen, den Nebenwirkungen aus? Wie schwerwiegend die Folgen der industrieellen Revolution sind, steht uns mittlerweile klar vor Augen. Welche Folgen würden sich aus einer biotechnologischen Revolution ergeben?

Wie in der DNA eines Organismus von Anbeginn schon seine entfaltete Gestalt festgelegt ist, so sind in den Begleitumständen, mit denen heute die Genforschung ihre Revolution beginnt, vielleicht auch schon alle zukünftigen Probleme kodiert. Eines davon, ein zentrales Problem der Genforschung, liegt in dem Verhältnis, das sie zu ihrem Rohstoff einnimmt. Der Rohstoff der Biotechnologie ist das Leben. Das kommt – besonders kontrovers – in den Methoden der »verbrauchenden Embryonenforschung« zum Ausdruck. Darf man neue Medikamente entwickeln, darf man defekte des Lebens, die in unheilbaren Krankheiten zum Ausdruck kommen, dadurch ausgleichen, daß man embryonale Stammzellen zu Forschungszwecken »verbraucht«? Die Stammzellenforschung rührt an ein Fundament, denn sie wirft tiefgreifende Frage auf. Ist ein Embryo schon menschliches Leben, oder nur ein selbst eigenschaftsloser, unpersönlicher Keim? Ähnliche Fragen sind mit Venters Arbeiten an dem Bakterium Mycoplasma verbunden. Ist sein Ausgangsmaterial ein »living system«, das man benutzen kann, um bestimmte technologien zu entwickeln? Warum sollte man Bakterien nicht benutzen dürfen? Das geschieht ja auch schon längst, z.B. bei der Produktion von Insulin für Diabeteskranke oder bei der Herstellung von Bier. Venters Vorstellungen gehen aber einen entscheidenden Schritt weiter. Er versteht eine Zelle – analog zum Computer – als eine Verbindung von Hardware (die Zellbestandteile) und Software (der genetische Code). Wie einen Computer könne man Zellen neu programmieren, indem man die Software austauscht. Wo aber ist die Grenze? Wir, Exemplare der Gattung Homo sapiens, sind ja eigentlich auch nur eine solche Verbindung von Hardware und Software. Die Programmierung unserer Zellen, die für ihre Differenzierung in rund 210 verschiedene Zelltypen sorgt, ist ungleich komplexer als die einer Bakterienzelle. Aber das begründet noch keinen grundsätzlichen Unterschied.
Von »Leben« zu reden ist etwas anderes, als von einem reprogrammierbaren System zu reden, das sich selbst reproduzieren kann, also auch die Eigenschaft hat, lebendig zu sein. Etwas als lebendig zu erkennen impliziert einen bestimmten Respekt, setzt bestimmte ethische Maßstäbe fest.
Aber ist das wirklich so? Wir haben uns schließlich schon längst daran gewöhnt, in der Massentierhaltung Tiere als Fleisch- Milch- und Eierfabriken zu betrachten, als einen Faktor der industriellen landwirtschaftlichen Produktion. Auch hier kann von einem sonderlichen Respekt vor dem Leben nicht die Rede sein. Daß die Gentechnik verhältnismäßig vielen Menschen unheimlich ist, hat dann vielleicht doch nur damit zu tun, daß es sich hier um ein neues, unbekanntes Feld der Verwertung von »lebenden Systemen« handelt. Eine Milchkuh ist ebenso ein »lebendes System«, das in einen Produktionszyklus eingebaut ist – daran wird wohl kaum jemand etwas ungewöhnliches sehen können.
Aber ist das wirklich so? Meines Erachtens ergibt sich für uns, die in einer technisierten Welt lebenden Menschen, aus der Weise, wie wir Leben verwerten, indem wir es als Produktionsfaktor nutzen, eine schwerwiegende Folge. Wir geraten in ein prekäres Verhältnis zu jenem Prozeß, der uns selbst trägt: in ein prekäres Verhältnis zum Leben. Wir können auf uns selbst nicht grundsätzlich anders blicken als auf eine Milchkuh oder ein Bakterium. Wenn wir im Bakterium einen beliebig reprogrammierbaren Computer sehen, in der Milchkuh einen Produktionsfaktor, dessen Verwertung optimiert werden muß: weshalb sollten wir die Form des Lebens, die wir darstellen, anders betrachten?

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    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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