Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Reißzähne in der Kinderstube I: Die Wippe

Auf einem Spielplatz fällt mir eine Großmutter auf, die mit ihrer ungefähr vierjährigen Enkelin auf einer Wippe sitzt. Ich bemerke die beiden, weil sie in einer recht sonderbaren Konstellation verharren: Die Großmutter drückt ihren Teil der Wippe zu Boden, sie sitzt da mit angewinkelten Beinen und macht keine Anstalten, das Spielgerät zum Spielen zu nutzen. Die Enkelin schwebt in der Luft, außerstande, ihre Lage zu verbessern, mit ausgestreckten Beinen aber weit entfernt vom Boden. Die Großmutter nutzt die Gefangenschaft ihrer Enkelin, um mit zudringlicher Stimme auf sie einzureden. Sie ist eine faltige, trockene Frau und hat obendrein ihre Augen großzügig mit Makeup verschattet.
Die Großmutter hat dem kleinen Mädchen in der Luft eine Geschichte erzählt von einer kleinen Maus.
»Und die kleine Maus hat ihre Oma gar nicht angerufen und ganz lange nicht mit ihr gesprochen und die Oma war ganz traurig.«
Die Geschichte scheint zuende zu sein, denn jetzt fragt die Oma, ob die Enkelin das Verhalten der kleinen Maus verstehen könne. Es sei doch nicht richtig, wenn man sich so verhält seiner lieben Oma gegenüber.
Die Kleine, aus ihrer bodenlosen Gefangenschaft auf der Wippe antwortet nur mit einem kleinlauten »Nein«.
»So darf man doch nicht mit seiner Oma umgehen. Dann wird die Oma doch ganz traurig.«
Die Enkelin sagt, reuig, tonlos »Ja« und blickt hinter sich, als würde sie eine Fluchtmöglichkeit suchen. Die schattigen Augen von unten halten sie fixiert, der faltige Mund der alten Dämonin ist ein harter Strich.
»So wie die kleine Maus, so würdest du doch nie mit deiner Oma umgehen, oder?«
Ich bemerke, wie meine Backenzähne hart aufeinanderliegen. Ich würde dem staubigen Wesen da hinten gerne den bösen Wolf auf den Pelz jagen, damit die kleine aus dem Verhör freikomme, aus ihrer Folter mit Märchen. Aber noch bevor ich nach dem bösen Wolf suchen kann oder mich fragen kann, ob in dieser Geschichte ich als ebenjener Wolf vorkomme, vorher noch gibt die Oma ihr Spiel auf und läßt die Enkelin frei.
So entgeht man, ohne es zu wissen, einem üblen Schicksal, wahrscheinlich, alles in allem, unverdient.

>> zu Teil II >>

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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