Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Sauhatz

»Standing on a streetcorner doing nothing is power« habe ich nicht gerade an einer Straßenecke, jedoch auf einer Hauswand gelesen. Jemand hatte diesen Satz dort mit Sprühfarbe hinterlassen, wohl um einem Vorübergehenden zu Denken zu geben, vielleicht um ihm neue Einsichten zu vermitteln, bis er die nächste Straßenecke erreiche.
Das ein Mensch Macht habe, wenn er nichts tue, ist eine weitreichende Aussage. Und wenn man sich vor Augen hält, wie immer alles schneller wird und eins das andere jagt, wie man in die Zahnräder eingespannt wird und außer Atem kommt ohne wirklich irgendwohin zu gelangen, dann erscheint doch dieser Satz sehr nachvollziehbar und vielleicht enthält er eine wichtige Lehre: Stell dich an eine Straßenecke, mach nix, dann hast du Kraft und Macht und Wirkgewalt.
Es gab einmal ein Gedankengebäude, daß als ›Quietismus‹ bezeichnet wurde. Anhänger dieser Lehre strebten quies, Ruhe, Stille, Schweigen an. Zum Göttlichen (das ist ja vielleicht ein altmodischer Begriff für ›Power‹) führe nicht ein hier- und dorthinstrebendes äußeres Tun, sondern gerade der konzentierte Verzicht darauf, daß Versinken in der Ruhe. Die Quietisten ereielte das Schicksal, zu den Ketzern gerechnet zu werden, verständlicherweise vielleicht, denn quies ist ein ziemlich zweideutiger Zustand.
Es kann sich bei der Untätigkeit nämlich auch um acedia handeln, um Faulheit, ein Erzfeind der aufwärts strebenden Menschheit, eine der sieben Geißeln eben dieser Menschheit, eine der Todsünden. ›Faulheit‹ ist ja selbst schon ein pikantes Wort, weil man es für untätige Menschen ebenso wie für verdorbenes Essen und den Zustand benutzen kann, in den Kadaver unweigerlich geraten. Der Wille, das Gemüt und die Tatkraft sind von acedia gleichermaßen betroffen. Die Muskeln werden schlaff und formlos, die Sinne verfinstern sich, der Wille wankt und schlingert wie ein führerloses Schifflein in schwerer See. Und das Gemüt, das Gemüt wird angefressen von Schwermut.
Die Umgangssprache wartet mit einer Bezeichnung für diesen Zustand auf, die von ganz besonderer Ekelhaftigkeit ist: Wer gegen Trägheit und Untätigkeit kämpft, der versucht, seinen »inneren Schweinehund zu besiegen«. Ein merkwürdiger Begriff ist das. Ein »Schweinehund« hängt sich einem Wildschwein an den Leib, bis ein Jäger mit der Saufeder kommt und dem bewegungsunfähigen Schwein den Garaus macht. Ein General soll von ›inneren Schweinehunden‹ gesprochen haben, wohl von Menschen, die nicht stramm auf Kurs sind. Dann ist es am Ende vielleicht doch besser, sich nicht an der Sauhatz zu beteiligen, die Tätigkeitshedonisten gern veranstalten.
Jedoch, jedoch, die acedia schmeckt schal, sie schmeckt wirklich schal.

993
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Auf Empfang, Ceterum censeo und getagged , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. |drucken

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bild einfügen

Um ein Bild (im jpg-Format) in Ihren Kommentar einzufügen, wählen Sie bitte die entsprechende Datei auf Ihrem Computer aus. Das Bild wird dann automatisch eingesetzt. Sie können die Position nachträglich verändern. Es können auch mehrere Bilder hochgeladen werden.

  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

  • Tags

  • Pressalbum

    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog

  • Rubriken

  • Energiestand

    Das Geräusch des Lastenaufzugs

  • Alles in allem…

    • Texte 1.628
    • Wörter 360.369
    • Rubriken 39
  • Statistischer Schlußstrich

    • in 35 Jahre, 7 Monaten, 19 Tagen, 16 Stunden, 9 Minuten, 39 Sekunden