Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Schreckliches über Cordyceps

Ameise von Cordyceps hingerafft

Eine Geschichte, die bislang noch nicht geschrieben wurde, könnte sich mit dem Schrecken befassen, der in der Natur hockt, zwischen allem Blühen und Fortpflanzen, in ihrem schattigeren Bereich. Eine solche Geschichte würde sich vornehmen, dem Leser die schlimmen Kapitel des Buches der Natur aufzuschlagen und aus ihnen sorgfältig gewählte Zitate anzubringen. Es könnte Bezug genommen werden auf die Fähigkeit von Kaninchenmüttern, die ungeborenen Jungen in ihrer Gebährmutter wieder aufzulösen, wenn es im Bau zu Eng ist. Die Geschichte würde dann das sonderbar doppelte einer solchen Natureinrichtung vor Augen stellen: daß die Gebährmutter von Kaninchen nicht nur ein Organ ist, um heranwachsende Nachkommen zu nähren und schützen, sondern geradezu auch ein Verdauungsorgan, um sie wieder zu zersetzen und die Nährstoffe, aus denen fast schon ein Kaninchen geformt worden wäre, der Mutter wieder zuzuführen. Man könnte auch erzählen von dem Paarungstanz der Skorpione, den das Männchen in der Regel nicht überlebt. Im Anschluß an eine solche, im vorübergehen fallengelassene Information könnte die Geschichte, die noch zu schreiben wäre, sich mit dem fragwürdigen Charakter der Skorpione auseinandersetzen, deren Wille zu Töten so stark ist, daß er noch vor dem Geschlechtstrieb zu kommen scheint. Und so manches könnte eine solche, bislang noch nicht geschriebene Geschichte, aus Tier- und Planzenwelt zu Ohren bringen, daß zumindest dem sensibleren Leser es schauerlich zumute werden müßte beim nächsten Spaziergang im Wald.

Vor allem könnte ein findiger Schriftsteller mit einiger Hoffnung auf eine fesselnde Erzählung darangehen, den ganz und gar skrupellosen Cordyceps zu beschreiben. Er müßte sich natürlich um eine Übertragung bemühen, vielleicht aus der Natur in die menschliche Sphäre, ansonsten wäre die Erzählung allzu wenig anschaulich — den Cordyceps ist ein Pilz. Und wie sollte man die Lebensgeschichte eines Pilzes schreiben, der sich nicht bewegen oder irgendwie mitteilen kann, der nur wächst, seine Sporen verschleudert und eingeht?

Cordyceps, bzw. die Familie der »Kernkeulen« ist eine Art von Pilzen, die in ihresgleichen oder in Tieren gedeihen. Und man stelle sich vor, es gäbe einen solchen Pilz, nicht nur für Ameisen und andere Insekten, sondern auch als Parasit, der menschliche Hirne befällt. Darüber ließe sich eine grauenreiche Geschichte erzählen.

Cordyceps unilateralis ist auf Ameisen aus. Er gedeiht im Hirn, genauer in der unheimlich benannten Region »Unterschlundganglion«, in dem bestimmte nervöse Funktionen der Ameise lokalisiert sind. Cordiceps, der Einseitige, nutzt eine Ameise, die zum unglücklichen Opfer geworden ist, als einen beweglichen Kompost. Der Pilz wirkt, wenn er ins Hirn eingedrungen ist derart, daß die Ameise einen unwiderstehlichen Drang verspürt, einen hochgelegenen Punkt zu erklimmen. Sie hangelt sich also unter Zucken und Winden einen Grashalm empor. Sie merkt mit dem nicht pilzbefallenen Teil ihres Hirns offenbar, das etwas nicht stimmt und tastet mit den Fühlern hierhin und dorthin, streicht mit dem ersten Beinpaar seitlich an ihrem Kopf entlang als wolle sie den Eindringling abstreifen. Das gelingt ihr nicht, denn der Eindringling sitzt ja schon längst unter ihrem Panzer, mitten in ihr, und erteilt heimlich Befehle.

Die Ameise gelangt unterdessen weit genug nach oben, während ihre Artgenossen unten ihren normalen Geschäften nachgehen. Der infizierte Sonderling hockt dort, dreht irr die Fühler und winkt mit den Armen und der Pilz ist’s zufrieden. Hier soll der Kompost bleiben und wird er, der Pilz, der heimliche Herrscher, gedeihen können. Aber von diesen Zusammenhängen weiß die verrücktgewordene Ameise nichts, sie erstrecken sich ohnehin über die ihr verbleibende Lebenszeit hinaus. Denn im Körper geht alles durcheinander dieweil sich Cordyceps nimmt, was er braucht. Lang wird die Ameise nicht mehr leben — also muß der Kompost jetzt sicher verankert werden, bevor er sich selbst an seinen Fresser verliert. Und also bestimmt derselbe vom Parasiten eingegebene Wille die Ameise dazu, ihre Kauwerkzeuge in den Stengel, den sie erklommen hat, zu schlagen. Und derart verbissen und verankert stirbt sie und ihr Leichnam hängt hoch über dem Ameisenstaat. Warum? Das weiß der Pilz Cordyceps am besten: Er wuchert jetzt im vom Leben verlassenen Panzer, frißt die gut verpackte Nahrung und wagt sich schließlich aus dem Panzer hervor. Aus dem Kopf, in dem mal ein Ameisenhirn war, wuchert ein Fruchtkörper wie eine Narrenkappe, schwillt an, reift. Dann platzt diese aus dem Kadaver gesprossene Frucht auf und die Sporen schweben auf den Staat nieder, aus dessen Wegenetz sich die nun verdaute Ameise aufgemacht hatte, um ihrem Parasiten eine gute Ausgangsposition zu verschaffen.

Soviel zur furchtbaren Natur und zu Cordyceps unilateralis, der Kernkeule. Was nun soll der erschreckte und bis an eigene Mark gerührte Autor mit soviel Niedertracht anfangen? Wie sollte man die Geschichte des hirnfressenden Pilzes erzählen? Man denke sich, der Pilz würde darauf verfallen, anstatt einer winzigen Ameise ein Menschenhirn zum Wirt zu wählen. Man stelle sich vor, wie in einer belebten Straße aus heiterem Himmel ein Befallener die Eingebungen seines Parasiten zu befolgen anfinge. Wie die Bewegungen eines Fußgängers allmählich ungelenk würden. Wie er sich an den Kopf faßt und sich die Schläfen hält und kratzt, als würde dort etwas lästiges Sitzen. Wie er dann verstohlen um sich blickt, ratlos über das Bedürfnis, das er plötzlich verspürt: einen dunklen Ort zu finden, möglichst nah bei anderen Menschen, um dort unbemerkt irgendetwas erledigen zu können, was alle betrifft aber niemand merken darf. Wie dieser Getriebene hierhin und dorthin stolpert, irr murmelnd und immerfort sich kratzend. Dann findet er einen Kanaldeckel, den er beiseiteheben kann und sucht sich einen nicht zu feuchten Platz direkt unter einer belebten Straße. Er legt sich sorgfältig nieder und — keuchend, überrascht entweicht ihm das Leben. Denn er hat ausgedient. Jetzt ist er zu einem Beet geworden für das Wachstum des Pilzes. Und aus seinem Kopf wächst ein länglicher Fruchtkörper und schlängelt sich zum Kanaldeckel über der Leiche und an seinem Ende sprießt eine hübsche Blume. Dann kommt jemand vorbei, greift nach dem bunten, zierlichen Ding, das — welch Wunder, hier aus einem Kanaldeckel blüht. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

Das wäre eine Geschichte, die man schreiben könnte. Vielleicht als Inneren Monolog aus der Sicht des Befallenen.

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    Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.

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    Durch Nägelkürzen, Zähneputzen, die Reinigung der Duschwanne vom eklen mumifizierten Belag, das zusammenfegen von Krumen und Stäuben, vor allem durch den Abwasch, (6. 9. / 21 Uhr)

    Ein Wohnungsgesuch an einer Laterne: Ruhig, seriös, alleinstehend. Das sind anscheinend die drei Kardinaltugenden der Biederkeit, das non plus ultra der Bonität. (6. 9. / 21 Uhr)

    »Durch Theilhaben an der Idee, behaupten wir, ist das diesseitige schön. (2. 9. / 20 Uhr)

    In eimnem Lexikon, in der Lebensbeschreibung einer bedeutenden antiken Persönlichkeit, lese ich vom »Aberwillen« jenes Menschen gegen die Schule. (2. 9. / 14 Uhr)

    »In Bibliotheken ist Makulierung die finale Form der Deakzession. (1. 9. / 13 Uhr)

    Höllischer Morpheus Welcher kund wird Durch Die geschehene Erscheinungen Derer Gespenster und Polter=Geister So bishero zum theil von keinen eintzigen Scribenten angeführet und bemercket worden sind. (1. 9. / 12 Uhr)

    »…solle im Prinzip immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden — nur wenn das Opfer dies wünsche.« (31. 8. / 22 Uhr)

    Eine Utopie ist eine Erwartung, die stichhaltig bleibt, auch wenn alle Wahrscheinlichkeit gegen sie spricht. Sie ist durch Hoffnung bewiesen. Und der eine Ort, frei von allen Utopien, ist — die Wüste. (31. 8. / 21 Uhr)

    »Das Unwahre überführt sich seiner selbst im Geschwollenen.« (29. 8. / 19 Uhr)

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    »du abgott niederträchtger sinnen, (25. 8. / 19 Uhr)

    »…man muß darüber reden, wie jemand bei einem Diebstahl seine Identiät sperren kann« (25. 8. / 10 Uhr)

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