Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Totenmasken

Eine Ausstellung, die tote Menschen zeigt. Fotographien, sehr groß, in einem weiten, hellen, leeren Raum. In der Mitte ist Nichts, das eingefasst wird von Nischen, die entlang der Außenmauer eingerichtet sind. Immer zwei oder drei Tote teilen sich eine Nische. Neben den fast zwei Quadratmeter ausfüllenden leblosen Gesichtern sind dieselben Gesichter nochmal zu sehen. Die Toten Gesichter hängen immer rechts; links davon dasselbe Gesicht mit offenen, ungebrochenen Augen und irgendeinem bewußten Ausdruck in den Zügen, ein lebendiger Mensch, ein Mensch aber, der weiß, daß er bald sterben muß. Noch lebendig – gerade gestorben, immer diese Abfolge. Einige langsame, schüchterne Schritte weiter: wieder tiefe, dringliche Augen, wieder ein Gesicht, das dem Tod entgegenblickt. Dann, gleich daneben, erloschen, soeben erloschen. Zwei Gestorbene, ein dritter. Nun um eine Wand herum, Eintritt in die nächste Nische, in der drei noch Lebende, schon Tote warten.

Wir wandern, raschelnde, zwergenhafte Lebende, die keinen Schatten werfen, durch die Ausstellung, mit mir noch ein Duzend. Wir folgen einer Liturgie, die sich spätestens in der zweiten Nische bei jedem fest einstellt: Mehrere Schritte weit von einem Doppelgesicht Aufstellung nehmen, es Betrachten, dann langsam zu einem Täfelchen ausschreiten, daß bei jedem Bilderpaar an die Wand genagelt ist und etwas darüber mitteilt, welche Art Leben hinter diesem und diesem Gesicht gestanden hat. Auf den Tafeln steht in kleiner Schrift sehr umstandslos ein Bruchstück Lebenslauf, einige Sätze über den Tod als etwas Ersehntes oder Fürchtenswertes und manchmal ein Scheitern, daß einen Schlucken macht. Aber auch einige hingeworfene Sätze aus einem verstummten Mund, aus denen zu erkennen ist, daß sich einer dem Tod davongestohlen hat, weil er gut zu leben, vielleicht sogar gut zu sterben verstand.

Als ich mich mit allen hier an den Wänden Aufgebahrten bekannt gemacht habe, stehe ich unversehens in der leeren Mitte dieses grauen Raumes. Von draußen flüstert der Verkehr, mir fällt kein guter Gedanke zu diesen Bildern ein. Da fallen mir zwei Frauen auf, die in einer Ecke stehen und sich einen Toten mit energischem Bart ansehen. Sie sind versunken und wenden mir geradewegs ihre Gesichter zu. Da ist kaum ein Unterschied. Es müßten sich nur Kleinigkeiten verändern in den Mienen der beiden Frauen. Die Mundwinkel herabsinken, wie es als bewußter Ausdruck nicht möglich ist. Der Kopf zur Seite gesunken. Nun, das Leben steht ganz unverkennbar in den Augen. Und ich stelle mir vor, diese zwei Paar Augen würden nicht ratlos Ausschau halten, sondern wären zweidrittel zugesunken oder unter sonderbar gespannten Lidern verschlossen.

Sanft sieht der Tod übrigens nicht immer aus. Meistens ist eine Totenmaske doch eher merkwürdig gespannt. Viele Münder standen offen vom letzten, tiefen Ausatmen. Da war auch nichts von malerischer Seligkeit zu sehen in dem zurückgelassenen Rest des Mienenspiels, sondern tiefe, schwere Erschöpfung.

Jetzt stehe ich wieder vor einem jungen Mann. Er ist, sagt sein Schildchen, in der Umarmung seiner Mutter gestorben. Er scheint als Toter noch zu lächeln. Oder ein anderer, dessen letzte Mitteilung Paris, Erfolg und Frauen handelt, hat in den Tod eine unmißvertändliche, schöne Durchtriebenheit mitgenommen.

Noch bei der fahrt nach Haus fällt mir auf, daß jemand, der liest, fast schon eine Totenmaske trägt. Aber wie es dann tatsächlich aussehen wird, das Gestorbensein, kann ich mir nicht vorstellen, auch nach langer Zeit vor einem Spiegel nicht, trotz aller Mühe, ganz reglos zu sein.

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    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

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