Rauhfaseln?
Zum Beispiel so:
Eine Informationsflut schwemmt nicht bloß die relevanten Informationen mit den veralteten oder uninteressaten fort — sie reißt womöglich auch uns selbst von den Beinen, weil sie uns die Orientierung nimmt.Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.
Zufällig…
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Kurzum
¶ Nachdenken über: Das Hawala-Finanzsystem → (28. 7. / 9 Uhr)
¶ Weberknechte sind Spinnentiere, Schuster aber Schnaken. → (28. 7. / 9 Uhr)
¶ Auf einem Plakat, das für Kreuzfahrten wirbt, meine ich zu lesen: »Fernweh, Sehnsucht Registrierung.« → (27. 7. / 16 Uhr)
¶ In einer Buchbesprechung das ›neuronale Standardargument‹: »...und das muß ja eingeübt werden, das sind auch neuronale Prozesse, → (26. 7. / 16 Uhr)
¶ Note to self: In Umbruchszeiten tauchen in der Literatur Wasserfrauen auf.(*) → (26. 7. / 15 Uhr)
¶ »Die Kugel ist das Ergebnis kosmischer Gesetze. Mit dem Rechteck haben wir gezeigt, wer wir sind. → (25. 7. / 10 Uhr)
¶ Überhaupt haben Sätze, geschriebene Sätze zumal, die Eigenart, ein wirkliches (ein vielleicht bloß in der Vorstellung wirkliches) Geschehen mit Sinn zu übertünchen, → (24. 7. / 17 Uhr)
¶ »Der Zustand des Alltagsbewusstseins, der so genannte Beta-Zustand, → (24. 7. / 5 Uhr)
¶ »Cogito ergo sum« und die Gattungsbezeichnung »Homo sapiens sapiens«: womöglich beides Ausdruck eines kategorialen Irrtums. → (23. 7. / 11 Uhr)
¶ Begriffsmagnetfeld des Tages: Von Singulett bis Richtungsquantelung. → (23. 7. / 10 Uhr)
¶ »Parallele Welten innerhalb von Schaltkreisen, welche eigentlich gar nicht existieren sollten, aber sie sind da.« → (22. 7. / 11 Uhr)
¶ »In Ruhe wurzeln Eiskapläne.« Vielleicht liegt es an der Uhrzeit oder am Gewitter, → (22. 7. / 0 Uhr)
¶ Habe erfahren, daß die Fadenwürmer (Nematoda) mit ihren bislang mehr als 20.000 beschriebenen Arten unter den vielzelligen Tieren wahrscheinlich die artenreichste Gruppe sind. Hinsichtlich der Individuenzahl sind ca. 80% aller tierischen Organismen Fadenwürmer. → (21. 7. / 9 Uhr)
¶ Ich solle mir die Walther P99 ansehen, wenn ich die Glock Modell 23 möge, empfiehlt mir ein Freund mit praktischen Kenntnissen. Ich wundere mich zwar, wie es geschehen konnte, daß sich mir ein Zugang zu solchen Themen eröffnet hat, aber sicherlich: auch ein schönes Modell. → (19. 7. / 19 Uhr)
¶ Ein kleiner Junge erklärt, nachdem er sich ausgiebig und schnell auf einer Schaukel um die eigene Achse gedreht hat: »Die Seele von kleinen Kindern ist noch größer als bei Erwachsenen.« → (18. 7. / 18 Uhr)
¶ Doch vielleicht ist diese meine Blindheit auch nur die Folge des Schattens, den die näherkommende Große Finsternis auf unsere vergreiste Welt wirft. → (16. 7. / 13 Uhr)
¶ RATTENGIFT sitzt an einem Tische und will dichten. Ach, die Gedanken! Reime sind da, aber die Gedanken, die Gedanken! → (16. 7. / 13 Uhr)
¶ Der kalte Atem des Gesetzes: »Nacherbe ist derjenige, der kraft Verfügung von Todes wegen nach einem anderen, dem Vorerben, zum Erben berufen ist.« → (15. 7. / 21 Uhr)
¶ Es denkt im Hirn mit der schwerfälligen Behändigkeit eines servolahmen, elektronischen Bohrwurms. (15. 7. / 18 Uhr)
¶ Wer seine eigene Schlechtigkeit nicht kennt, ist insbesondere zur Schlechtigkeit prädestiniert. (15. 7. / 18 Uhr)
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Verschwiegene Körperzustände
Es wäre reizvoll, die Arbeit an einem Lexikon zu beginnen, das etwas über den Körper verrät. Welchen Körper? Denjenigen, in dem wir untergebracht sind, den wir pflegen, verschönen, um dessen Zivilisierung wir uns im besten Fall bemühen und der doch immer stärker ist als das bißchen Anstand, das wir uns mühselig erarbeiten.
Ich nehme an, daß wir die Leitbilder für unsere Körperlichkeit aus dem Kino mitnehmen. Da kann man in aller Ruhe, ohne entdeckt zu werden, andere beobachten und sehen, wie sie sich bewegen, wie sie aussehen, schwitzen, rennen, bluten, miteinander Schlafen etc. Der Spiegel – und das Kino: Das sind die beiden Quellen, aus denen wir hauptsächlich Wissen ziehen über unsere Körper.
Das Kino aber erteilt doch einen problematischen Unterricht. Denn dort geht nie jemand auf die Toilette. Würde man das auch sehen wollen? Oder würde man leinwandfüllend sehen wollen, wie ein Holywood-Halbgott in der Nase bohrt? Eine Alabasterschönheit sich die Fußnägel schneidet? Einen Pickel ausdrückt? Schuppen bekämpft? Und das ist ja nur die Spitze des 37 Grad warmen Eisbergs, nur eine gerade noch aussprechbare Auswahl an prekären Situationen, in die uns unser fleischiges, unvollkommenes Gefäß bringen kann. Das Kino läßt uns mit diesen Situationen allein. Und auch die Literatur, die Schule, die Erziehung. Und auch unter guten Freunden muß doch vieles ungesagt bleiben. Unerwähnt bleibt das, was uns am nächsten ist. Und wie es anderen geht mit all jenen pikanten Absonderlichkeiten, die sich zwischen Haarspitzen und Zehennagelbett einstellen können – wann erfahren wir je darüber?
Eine Bresche müßte geschlagen werden: mit einem Lexikon der verschwiegenen Körperzustände. Mit Stichworten von »Abwischen« bis »Zahnlücke« oder vielleicht sogar »Zucken«. Ist die Zeit reif für diesen Befreiungsschlag? Ich zweifle daran, schrecke zurück vor dem Versuch. Und überlasse es für’s erste der Phantasie der Leser, sich Stichworte für das überfällige Lexikon der verschwiegenen Körperzustände auszudenken.
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