Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Visceralmantik

Renoir, La Lecture

Im Bus, den ich mit großer Mühe erreicht habe, stehe ich im Feierabendgedränge. Ich versuche gerade, zu erkennen, wo ich eigentlich hingeraten bin und wer die dunklen, gebeugten und still schnaufenden Gestalten sein könnten, die mich umstehen. Da höre ich einige getragene, etwas weibische Männerstimmen singen: »Please, Mister Postman«, mitten hinein in die schweigende Versammlung. »Waitaminute-waitaminute.«

Aber da ein grollen. »Ähj-wassndaswidder«, knurrt eine Stimme am unteren Ende der hörbaren Frequenzen. Und es geht mir einschneidend auf: Das kann nur ein Troll sein. Der Troll ist offenbar wenig erfreut über den süßlichen Singsang, den die androgynen Elfen in froher Erwartung des Postmannes unbekümmert und glockenhell immer noch fortsetzen.

Ich befürchte das Schlimmste und bemühe mich, zur Besinnung zu kommen. Ich bin doch wohl in einem Bus. Es ist recht muffig und wenig Luft vorhanden zwischen den klammen Leibern. Und von dort, ja mitten aus dem Bus, gleich beim Ziehharmonikagelenk, das ihn in zwei ebenmäßige Teile teilt, tönen die Elfenstimmen und von dort kommt auch das Knurren.

Ich beuge mich sehr vorsichtig ein wenig vor. Ich bemühe mich, daß niemand diese unangemessene Bewegung bemerkt, am wenigsten noch der Troll, Oger, Menschenfresser, der im Ziehharmonikagelenk zu lagern und lauern scheint. Die frisch Plastinierten um mich herum, bleiben reg- und reaktionslos.

Und da sehe ich: eine ungeheuer dicke, bärtige und grobe Gestalt in roter Hose und Tarnfleckjacke. Vielleicht eine Frau, die umständlich in ihrer Hosentasche kramt. »Wassollndassnuwidder« grollt sie wiederum. Jetzt hat sie ein Telefon hervorgeholt, das wie ein zarter Schmetterling, wie ein leuchtendes Feenwesen in ihrer Pranke liegt. Sie starrt die surrende, drei- bis vierstimmige, unbekümmert fröhliche mannfrauliche Lichtgestalt zwischen ihren kraftstrotzenden Fingern an. Sie starrt das kleine Ding mißgünstig und verdrießlich an. »Aaah-dänävt-dänävtdochächt.«

Der Gesang ist jetzt plötzlich verstummt. Ich habe nicht gesehen, was geschehen ist. Aber da sitzt die halb zum Kampf gekleidete Frau, starrt den leuchtenden Schirm des Telefons an, als würde sie ein Eingeweideorakel befragen. Das bläuliche Licht schneidet ihre hölzernen, quellenden Züge scharf aus dem Zwielicht heraus.

Sie ist sehr konzentriert und bewegt brummend die Lippen. Sie liest, schnaufend, angestrengt und giftig-andächtig. Jedes zweite Wort spricht sie beinahe aus. Sie liest eine, zwei Minuten, ohne einen einzigen Finger zu rühren. Offenbar an dem, was ihr der leuchtende Schirm, das Elfeneingeweide, mitzuteilen hat. — Dann muß ich aussteigen.

Und ich denke mir beim Weitergehen allmählich, jenseits der Grenze des feierabenddunkeln Waldes: So müßte man schreiben können! So, daß man diese Anspruchsvollste unter allen möglichen Lesern zu erreichen weiß. So müßte man schreiben können, daß beim Lesen Brummen und Lippenklappen entsteht.

1799
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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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