Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Wrong is Right

An eine Wand, an der ich vorbeikomme, ist ein Blatt Papier angeleimt, auf das drei Worte gedruckt worden sind: Wrong is Right. Das Papier führt ein parasitäres Dasein: Es sitzt auf einem Plakat, das zu einer Demonstration aufruft, jenseits der öffentlichen Meinung. Einige Schritte weiter, auf derselben Fassade, ist das gleiche noch einmal zu beobachten: Großflächig ein politisches Plakat, ernst gemeint, aufrichtig und darauf, schwarz auf weiß hervorstechend, wieder dieses Blatt, das verkündet: Wrong is Right.
Das ist eine verwirrende Aussage. Falsch ist richtig, oder Das Falsche ist das Richtige. Wie soll man das verstehen?
Einiges oberflächliches Scharren im Humus der Popkultur fördert zu Tage, daß es eine Band gibt, die unter diesen verwirrenden drei Worten auftritt. Außerdem gab es einen Film, eine politische Satire, die so hieß. Und vielleicht sind diese aufgeleimten Blätter ja auch satirisch gemeint.
Das Falsche ist das Richtige. Alles mögliche kann richtig oder falsch sein: Eine Meinung, eine Tat, eine Vermutung, ein Plan. Es war falsch, daß du das gemacht hast! hört der ungezogene Junge von seinem strengen Vater. Das ist doch völliger Unsinn! sagt der Besserwissende zu einem, der gerade eine verworrene Ansicht vorgebracht hat. Zu den Besserwissern und strengen Vätern würden wir doch alle gerne sagen: Das Falsche ist das Richtige, das heißt, Du verstehst bloß nicht was ich sage, wer ich bin, von dir jedoch lasse ich mir nicht das recht Absprechen einer zu sein, etwas zu sagen, was bloß in deinen Augen falsch ist. Dann ist es ja doch vielleicht ganz richtig zu sagen: Falsch ist richtig, eine Parole gegen die Unterdrückung von den einen, die ins falsche Licht gerückt sind, durch die anderen, die meinen, das Recht stärke ihnen den starren Rücken. »Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.«
Aber da ist doch ein kratzendes Unwohlsein, wenn ich höre: Das Falsche ist Richtige. Die angeleimten Plakate erschienen mir selbst wie Besserwisser obenauf an der Wand zu sitzen. Du meinst, irgendetwas richtiges zu sagen? Das Falsche ist das Richtige, und das bedeutet, für dich gesagt, immer das, was du gerade als das Falsche ansiehst. Wenn du etwas als Falsch ausgemacht hast, nun, ein bestimmter Jonglierkünstler war schneller als du, hat längst alles umgekehrt und jetzt: Ist das Falsche das Richtige – aber was du meinst, das ist sicherlich falsch. Jener Jonglierkünstler, der tanzt vor der behäbigen Wahrheit herum und nimmt ihr alles aus der Hand und läßt es im Kreis vor ihren Augen tanzen, bis der behäbigen Wahrheit ganz schwindlig wird und sie nichts mehr sagen kann, auch nichts mehr bei sich hat, bis sie mit leeren Händen dasteht. Dann sagt der Jonglierkünstler: Das Falsche ist das Richtige – und die Wahrheit kippt hinten über, bleibt liegen und regt sich nicht mehr. Also: Wenn du, der hier vorbeigeht und vielleicht irgendetwas meint, wenn du auch noch meinst, das sei womöglich richtig und zutreffend, laß dir sagen – das gerade Gegenteil ist der Fall. Aber wenn du eine Einsicht hast und dich dem Gegenteil verschreibst: dann ist es eben wieder das erste, das richtig ist, sofern du bei dir denkst, das erste sei mittlerweile das Falsche. Meine also besser nichts mehr, denn etwas zu meinen, das ist falsch – ach nein, es ist richtig, denn das Falsche ist das Richtige. Und immer so fort dreht es sich im Kreis und die behäbige Wahrheit streckt alle Viere von sich und schielt an der eigenen, mageren Nase entlang.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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