Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Antennenwacht

Elster (Magpie). Illustration aus: Gilbert White: “The Natural History of Selborne” (1879)

Eine Elster sitzt, sie saß, sie ist schon ausgeflogen; eine Elster saß schräg oben, auf dem höchsten Punkt im Umkreis meines Fensterrahmens; Elster wohl, denn sie war schwarz und weiß, so stand sie schwarz und weiß auf Blau, auf hellem Blau, der Himmel ist vom Winter ausgemergelt; der Himmel, und in ihn hinein sticht, worauf die Elster saß, gleich einem Pflock und Pfahl und einer langen Nadel, gleich manchem anderm noch: eine Antenne, metallen; wer könnte wissen, woraus Antennen gefertigt sind und warum sie die Form eines Kreuzes haben, das herumgedreht wurde an der senkrechten Symmetrieachse? Vielleicht damit sich die Wellen besser hineinsenken, längs der senkrechten Symmetrieachse, in den Fernsehschirmspeisenden Draht; so ist es nun ein doppeltes Kreuz dort oben auf dem First, aus irgendeinem Stahl vielleicht und stahlgrau geradewegs gerichtet zum Stich in Mutter Himmels sanften, von der Kälte blauen, weichen Bauch. Dort saß, sie sitzt nicht mehr, die Elster. Sonderbar: sie war das einzig lebende, ein weiß-schwarzes Wesen im ganzen Umkreis meines Fensterrahmens, jetzt ist gelieben: roter Stein und dunkel ausgehöhlte Fenster unter Sonnenschein; Schein, der mager ist heut morgen. Nichts, wirklich nichts – man kann so kategorisch sein – regt sich mehr, nachdem nun diese eine Elster ausgeflogen ist in schwarz und weiß auf hellem Blau von mager kaltem Himmel. Da sind noch letzte Spuren zwar, auf Leben deutend, das, man weiß es nicht, unter der Hand vielleicht verflogen ist: es sind da kahle Sträucher noch in verwaisten Blumenkästen, schlaffe Gardienen auch und Schüsseln, Wellen zu Empfangen von weiter her, als die Antenne überblickt, von nirgendwo, dahin das Leben nun gegangen ist.

Antennenwacht, 5.0 out of 5 based on 1 rating
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Ein Kommentar

  1. Annegret
    Erstellt am 20. Januar 2011 um 21:27 | Permanent-Link

    Spannende Antennenwacht!

    VA:F [1.9.13_1145]
    Wertung: + 0 | - 0

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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