Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Drachengeburt

Dragonhead, ein BierEine kleine, gebückte Gestalt sitzt auf einem Absatz an einer gekachelten Wand. Sie zeichnet: sehr konzentriert, völlig herausgerissen aus der Umgebung. Eine Umgebung, die nicht für Sitzen und Konzentration oder gar für Muße und Zeichnen gemacht ist; aber die Eile um sie herum, den Umstand, daß hier niemand sehen will oder an Kunst denken könnte, nimmt diese Gestalt nicht wahr. Sie ist dabei so unscheinbar, so verschmolzen mit dem Straßenschmutz auf dem Boden, den dreckig braunen Kacheln, daß es mir erst, als ich schon längst vorüber bin, klar wird, daß da jemand tatsächlich versuchte, etwas hervorzubringen.

Aber die Gestalt auf dem Absatz hatte doch wirklich gezeichnet; und was sie gezeichnet hatte, war ja wohl ein Drache, der, schon weit gediehen, das Blatt ausfüllte. Eine breite, knöchrig-gehöckerte Schnautze, Barteln, Klauen, ein wirbelnder Schwanz, ausgebreitete Schwingen, schuppige Haut, drohende Augen – das habe ich doch wohl gesehen.

Von der Rolltreppe aus blicke ich zurück, und diese merkwürdige zeichnende Randerscheinung taucht noch einmal auf. Ob da ein Mann oder eine Frau sitzt, ist keineswegs zu entscheiden, bei den sich überlappenden Kleidungsschichten, unter den zwei Kapuzen, die den Kopf verbergen, wegen der konzentrierten Anstrengung, mit der die Gestalt ihren Blick auf Zeichenblock heftet. Links steht auf dem Absatz, den sich der Jemand  zum Sitzen ausgesucht hat, eine geöffnete Bierdose, rechts liegt ein Paket Tabak und halb vor ihr zum Schutz ein Abfalleimer.

Die zeichnende Hand ist schmal, knöchern wie die Drachenschnautze und schon blau angelaufen. Wer sollte sagen können, warum irgendwer hier, in der Kälte, als ein offenbarer Sonderling an einem unwahrscheinlichen Platz in einer Bahnstation sitzen sollte, nur um zu zeichnen. Warum sich dem Frost aussetzen, daß die Finger hart und blau werden; warum derart kleingefaltet und in sich selbst versteckt neben den steif schreitenden, dahinströmenden Schüben von Berufspendlern sitzen?

Ich versuche, mir den Drachen vorzustellen, der dort unten auf dem Zeichenblock entsteht. In dem kurzen Moment bis ich vorüber war, habe ich an ihm nichts von der mehrfachen Kuriosität seines Enstehungsortes gesehen. Nichts, was in ihn hineingeflossen wäre von dem Schmutz und den Kacheln und der Eile; nichts, was daraus das hätte verwandeln oder verstehen oder gar daraus hätte erlösen können. Außer vielleicht die absolute Festigkeit, mit der dieser Drache im Klischee von hundert und tausend Oberarmen und Unterschenkeln ruht. Dieser Drache ist die Verneinung und Abschaffung alles Sonderbaren gewesen: eine Reproduktion des schalgewordenen Dracheseins.

Vielleicht ging es darum: mit der gesammelten Kälte des getrunkenen Biers und der gefrorenen Finger etwas Belangloses erscheinen zu lassen an einem unwirklichen Ort.

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    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

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