Rauhfaseln?
Zum Beispiel so:
Wie ich Antonius, den großen Eremiten, beneide. Ein Liebling beider: Gottes und des Teufels und ausgezeichnet durch sie, Bezwinger der inneren Wüste zu sein. Begehrt vom Versucher selbst, denn der kam immer wieder.Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.
Zufällig…
-
Rauhfasler abonnieren
Kurzum
¶ Nachdenken über: Das Hawala-Finanzsystem → (28. 7. / 9 Uhr)
¶ Weberknechte sind Spinnentiere, Schuster aber Schnaken. → (28. 7. / 9 Uhr)
¶ Auf einem Plakat, das für Kreuzfahrten wirbt, meine ich zu lesen: »Fernweh, Sehnsucht Registrierung.« → (27. 7. / 16 Uhr)
¶ In einer Buchbesprechung das ›neuronale Standardargument‹: »...und das muß ja eingeübt werden, das sind auch neuronale Prozesse, → (26. 7. / 16 Uhr)
¶ Note to self: In Umbruchszeiten tauchen in der Literatur Wasserfrauen auf.(*) → (26. 7. / 15 Uhr)
¶ »Die Kugel ist das Ergebnis kosmischer Gesetze. Mit dem Rechteck haben wir gezeigt, wer wir sind. → (25. 7. / 10 Uhr)
¶ Überhaupt haben Sätze, geschriebene Sätze zumal, die Eigenart, ein wirkliches (ein vielleicht bloß in der Vorstellung wirkliches) Geschehen mit Sinn zu übertünchen, → (24. 7. / 17 Uhr)
¶ »Der Zustand des Alltagsbewusstseins, der so genannte Beta-Zustand, → (24. 7. / 5 Uhr)
¶ »Cogito ergo sum« und die Gattungsbezeichnung »Homo sapiens sapiens«: womöglich beides Ausdruck eines kategorialen Irrtums. → (23. 7. / 11 Uhr)
¶ Begriffsmagnetfeld des Tages: Von Singulett bis Richtungsquantelung. → (23. 7. / 10 Uhr)
¶ »Parallele Welten innerhalb von Schaltkreisen, welche eigentlich gar nicht existieren sollten, aber sie sind da.« → (22. 7. / 11 Uhr)
¶ »In Ruhe wurzeln Eiskapläne.« Vielleicht liegt es an der Uhrzeit oder am Gewitter, → (22. 7. / 0 Uhr)
¶ Habe erfahren, daß die Fadenwürmer (Nematoda) mit ihren bislang mehr als 20.000 beschriebenen Arten unter den vielzelligen Tieren wahrscheinlich die artenreichste Gruppe sind. Hinsichtlich der Individuenzahl sind ca. 80% aller tierischen Organismen Fadenwürmer. → (21. 7. / 9 Uhr)
¶ Ich solle mir die Walther P99 ansehen, wenn ich die Glock Modell 23 möge, empfiehlt mir ein Freund mit praktischen Kenntnissen. Ich wundere mich zwar, wie es geschehen konnte, daß sich mir ein Zugang zu solchen Themen eröffnet hat, aber sicherlich: auch ein schönes Modell. → (19. 7. / 19 Uhr)
¶ Ein kleiner Junge erklärt, nachdem er sich ausgiebig und schnell auf einer Schaukel um die eigene Achse gedreht hat: »Die Seele von kleinen Kindern ist noch größer als bei Erwachsenen.« → (18. 7. / 18 Uhr)
¶ Doch vielleicht ist diese meine Blindheit auch nur die Folge des Schattens, den die näherkommende Große Finsternis auf unsere vergreiste Welt wirft. → (16. 7. / 13 Uhr)
¶ RATTENGIFT sitzt an einem Tische und will dichten. Ach, die Gedanken! Reime sind da, aber die Gedanken, die Gedanken! → (16. 7. / 13 Uhr)
¶ Der kalte Atem des Gesetzes: »Nacherbe ist derjenige, der kraft Verfügung von Todes wegen nach einem anderen, dem Vorerben, zum Erben berufen ist.« → (15. 7. / 21 Uhr)
¶ Es denkt im Hirn mit der schwerfälligen Behändigkeit eines servolahmen, elektronischen Bohrwurms. (15. 7. / 18 Uhr)
¶ Wer seine eigene Schlechtigkeit nicht kennt, ist insbesondere zur Schlechtigkeit prädestiniert. (15. 7. / 18 Uhr)
Jüngst kommentiert
Tags
Schlaf Tod Alltag Abend Ahnungen Urbane Mirakel Selbstähnlichkeit Müdigkeit Bahnfahren Sonderlinge Sprachverwicklung Geräusch Primatisch Morgen Stille Regen Zeit Himmel Warten Weltbankrott Wilde Tiere Wahn leere Hüllen Brustraum Licht Nacht Furcht Vögel Abgründe Kinder Sonne Sprache Träume Frauen UnterderoberflächeRubriken
- Poetischer Apoplex(397)
- Bewußtseinssturz(87)
- Blendungen(75)
- Zwischenfälle(43)
- Wegkreuzungen(43)
- Auf Empfang(42)
- Erzählen(39)
- Fundsachen(33)
- Ceterum censeo(33)
- Wegstücke(21)
- Probleme mit Wörtern(19)
- Stilübungen(13)
- Hagiographie(4)
- Überleben(4)
Alles in allem…
- Texte 933
- Wörter 243.117
- Rubriken 24



Drachengeburt
Aber die Gestalt auf dem Absatz hatte doch wirklich gezeichnet; und was sie gezeichnet hatte, war ja wohl ein Drache, der, schon weit gediehen, das Blatt ausfüllte. Eine breite, knöchrig-gehöckerte Schnautze, Barteln, Klauen, ein wirbelnder Schwanz, ausgebreitete Schwingen, schuppige Haut, drohende Augen – das habe ich doch wohl gesehen.
Von der Rolltreppe aus blicke ich zurück, und diese merkwürdige zeichnende Randerscheinung taucht noch einmal auf. Ob da ein Mann oder eine Frau sitzt, ist keineswegs zu entscheiden, bei den sich überlappenden Kleidungsschichten, unter den zwei Kapuzen, die den Kopf verbergen, wegen der konzentrierten Anstrengung, mit der die Gestalt ihren Blick auf Zeichenblock heftet. Links steht auf dem Absatz, den sich der Jemand zum Sitzen ausgesucht hat, eine geöffnete Bierdose, rechts liegt ein Paket Tabak und halb vor ihr zum Schutz ein Abfalleimer.
Die zeichnende Hand ist schmal, knöchern wie die Drachenschnautze und schon blau angelaufen. Wer sollte sagen können, warum irgendwer hier, in der Kälte, als ein offenbarer Sonderling an einem unwahrscheinlichen Platz in einer Bahnstation sitzen sollte, nur um zu zeichnen. Warum sich dem Frost aussetzen, daß die Finger hart und blau werden; warum derart kleingefaltet und in sich selbst versteckt neben den steif schreitenden, dahinströmenden Schüben von Berufspendlern sitzen?
Ich versuche, mir den Drachen vorzustellen, der dort unten auf dem Zeichenblock entsteht. In dem kurzen Moment bis ich vorüber war, habe ich an ihm nichts von der mehrfachen Kuriosität seines Enstehungsortes gesehen. Nichts, was in ihn hineingeflossen wäre von dem Schmutz und den Kacheln und der Eile; nichts, was daraus das hätte verwandeln oder verstehen oder gar daraus hätte erlösen können. Außer vielleicht die absolute Festigkeit, mit der dieser Drache im Klischee von hundert und tausend Oberarmen und Unterschenkeln ruht. Dieser Drache ist die Verneinung und Abschaffung alles Sonderbaren gewesen: eine Reproduktion des schalgewordenen Dracheseins.
Vielleicht ging es darum: mit der gesammelten Kälte des getrunkenen Biers und der gefrorenen Finger etwas Belangloses erscheinen zu lassen an einem unwirklichen Ort.
Bitte bewerten!