Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Jahns erste Fahrt

In der Reihe: »poste restante«

Nicolai Howalt, car crash studies

Hanna!

Während der Nacht habe ich gehört, wie Wellen von abstürzenden Kastanien und Eicheln auf Autodächern häßliche Geräusche gemacht haben. Bei den ersten Malen habe ich noch gerätselt, woher das Prasseln, Knallen und Knacken komme. Ein, zwei Mal habe ich gesehen, wie Autos aneinandergestoßen sind – nur das Geräusch der Räder fehlte, ansonsten waren diese Kollisionen die verkleinerte Nachbildung von Autounfällen. Immer gab es vor einer dieser Wellen einen Windstoß; aufgeregtes Blätterrauschen, dann die Flut kleiner Unfällen, die mir in die Ohren und dann in meine Träume gekrochen ist. Der metallische Unterton war ganz besonders irritierend. Es klingt, als müßte das Dach des Wagens, auf den die Kastanien niedergehen, gleich aufplatzen. Jemand hat mir erzählt, daß es fast 6.300 Verkehrsunfälle an jedem Tag gibt. Und sie wurden alle in der Nacht vor meinem Fenster aufgeführt.

Ich habe mich unter Vorwänden aus dem Büro gestohlen, um an dem Ort nachzusehen, an den du mich locken wolltest. Sicherlich haben meine Kollegen sich nichts dabei gedacht und natürlich bin ich meinem Arbeitgeber nichts Schuldig geblieben – aber dennoch habe ich Vorwände gemacht, um zu erklären, warum ich früher losfahre als sonst. Obwohl ich doch einfach hätte sagen können, daß eine mir gänzlich unbekannte Briefschreiberin einen Zettel mit einer Adresse geschickt hat und ich jetzt wissen will, was es damit auf sich hat. Ich bin nervös wie ein Dieb oder ein Lüstling mit schlechtem Gewissen davongeschlichen. Zwei Stunden habe ich mir genommen für die Fahrt ins Nichts.

Ich habe mein Navigationsgerät mit der Adresse gefüttert, bin aus der Stadt herausgefahren und in eine Gegend gelangt, in der ich noch nie war. Dann bin ich über einen halb alsphaltierten Feldweg gefahren, den du ja wahrscheinlich kennst. Am Feldrand lag an einer Stelle ein totes Tier, auf der Fahrbahn waren Bremsspuren, eine Schlangenlinie, die erst nach links, dann nach rechts lief. Die Spur endete in einigen niedergefahrenen Büschen. Ich bin langsam an dem Kadaver vorbeigefahren, es war zu kalt für Fliegen und auch sonst war niemand dort.

Als das Navigationsgerät sagte: »Sie haben ihr Ziel erreicht« war gerade das Ende des Feldwegs aufgetaucht und da stand also dieses rostige, hohe Tor. Ein verlassenes Anwesen in einem Waldstück. Wolltest du mir dieses Tor zeigen? Es ist inzwischen ganz von Efeu überwachsen, aus der Mauer sind Ziegelsteine herausgefallen. Seit wann warst du nicht mehr hier?

Ich werde dieses Grundstück jedenfalls nicht betreten. Falls du darauf hinauswillst: ich verzichte auf darauf einen solchen Ort zu sehen. Es war genug, dort den Motor abzustellen und als einziger Mensch in einer leeren Einöde dazustehen, ohne zu wissen, warum eigentlich. Als einer, der sich davongestohlen hat, der zwei Stunden seines Tages für Heimlichtuerei opfert, nur um dann von einer Bewegung im Unterholz erschreckt zu werden. Ich habe ein Schnaufen gehört und zerbrechende Äste. Oder ich habe es mir eingebildet. Vielleicht war es auch eine Falle? Wolltest du mich in einen Hinterhalt führen? Womöglich hast du ja schon längst gehört, daß ich mir beim Einsteigen den Kopf gestoßen habe und daß ich fast gegen die Mauer gefahen wäre. Auf dem Rückweg war mein Wagen so schnell, daß ich mich wundere, wie ich ihn auf dem Weg halten konnte.

Meine Phantasie geht mit mir durch. Warum solltest du mich in einen Hinterhalt locken wollen? Vielleicht habe ich mir das Geräusch und das tote Tier auch nur eingebildet. Ich habe keinen Kadaver mehr gesehen, als ich über den Feldweg zurückgefahren bin, als wäre ich auf der Autobahn.

Auch wenn du mich an dem verrosteten Tor nicht in einen Hinterhalt locken wolltest, bin ich doch schon längst in die Falle gegangen. Diese Briefe sind eine Falle. Solche absurden Reisen in menschenleere Gegenden sind eine Falle. Und daß ich mich frage, was hinter dem Tor liegt – damit hast du mich in den Hinterhalt gelockt. Ich verlange eine Erklärung von dir! Ich will wissen,  was du mit alldem bezweckst! Was hätte dort finden können? Warum sollte ich dorthin?

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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