Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Kunstfertig

Pankratiasten im Kampf, Bronze 2 Jhdt. v. Chr., Staatliche Antikensammlungen München (Foto: Matthias Kabel)

Die Kunst, sich selbst ähnlich zu sein,
Auszufüllen denjenigen, der man ist,
Der großen Zumutung gerecht zu werden:
Tatsächlich einer zu sein, wie der,
Der man ist, geworden aus einigen Zufällen,
Unmöglich sie herauszurechnen, mit größter Mühe,
Mit Formeln, den schwierigsten, nicht.

Die Notwendigkeit aber zu finden,
Blank und schamlos hingestellt
Inmitten der staubigen Arena, das ist: Das Ich.
Selbst durch die schlimmeren Monstren
Geht sie nicht in Fetzen, mit ihrem Finger,
Hellweiß, weißt sie geradewegs
Ins lüsterne Angesicht dem Imperator.

Die Kunst, sich selbst ähnlich zu sein
Und klaglos hinzunehmen jene Linie,
Am Wegrand hingekreidet vor Anbeginn.
Den Anspruch zu sichern dem Dickicht
Auf seinen Teil, es ist der größte immer,
Darin keine Wege, doch Blüten mit Dornen
Die stechen die Lider und senken den Blick.

So nur eben sich selbst zu ähneln
Und nicht marmorn einem Menschen;
Auf den eigenen Namen zu hören,
Wissend: Es ist aus Verlegenheit;
Und im Spiegel die Schatten zu lesen
Und sie mit dem eigenen Makel zu nähren
Zufrieden soweit es geht: Das ist eine Kunst.

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  • Rauhfaseln?

    Zum Beispiel so:

    Gerede ist die allgemeine Währung, in dem jeden ausgezahlt wird sein magerer Lohn für alles. Denn alles ist interessant, damit nichts bedeutsam werde, und wir sind vor Störungen sicher.

    Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.

  • Zufällig…

  • Kurzum

    Durch Nägelkürzen, Zähneputzen, die Reinigung der Duschwanne vom eklen mumifizierten Belag, das zusammenfegen von Krumen und Stäuben, vor allem durch den Abwasch, (6. 9. / 21 Uhr)

    Ein Wohnungsgesuch an einer Laterne: Ruhig, seriös, alleinstehend. Das sind anscheinend die drei Kardinaltugenden der Biederkeit, das non plus ultra der Bonität. (6. 9. / 21 Uhr)

    »Durch Theilhaben an der Idee, behaupten wir, ist das diesseitige schön. (2. 9. / 20 Uhr)

    In eimnem Lexikon, in der Lebensbeschreibung einer bedeutenden antiken Persönlichkeit, lese ich vom »Aberwillen« jenes Menschen gegen die Schule. (2. 9. / 14 Uhr)

    »In Bibliotheken ist Makulierung die finale Form der Deakzession. (1. 9. / 13 Uhr)

    Höllischer Morpheus Welcher kund wird Durch Die geschehene Erscheinungen Derer Gespenster und Polter=Geister So bishero zum theil von keinen eintzigen Scribenten angeführet und bemercket worden sind. (1. 9. / 12 Uhr)

    »…solle im Prinzip immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden — nur wenn das Opfer dies wünsche.« (31. 8. / 22 Uhr)

    Eine Utopie ist eine Erwartung, die stichhaltig bleibt, auch wenn alle Wahrscheinlichkeit gegen sie spricht. Sie ist durch Hoffnung bewiesen. Und der eine Ort, frei von allen Utopien, ist — die Wüste. (31. 8. / 21 Uhr)

    »Das Unwahre überführt sich seiner selbst im Geschwollenen.« (29. 8. / 19 Uhr)

    »Wenn wir mit irgendeinem Gefühl von Zufriedenheit sterben wollen, (29. 8. / 19 Uhr)

    Groß das Leben
    Schön die Tiefe (29. 8. / 18 Uhr)

    An den Außengrenzen des Wohlstands, wie beispielsweise an den Grenzen der Europäischen Union, materialisiert sich das Unrecht, das die Weltwirtschaft antreibt, in Form offenbarer, unmittebarer Menschenschinderei. (28. 8. / 11 Uhr)

    »Unsre Zukunft wird davon abhängen, ob (26. 8. / 12 Uhr)

    »du abgott niederträchtger sinnen, (25. 8. / 19 Uhr)

    »…man muß darüber reden, wie jemand bei einem Diebstahl seine Identiät sperren kann« (25. 8. / 10 Uhr)

    Es gibt ja eigentlich keinen Unterschied zwischen einer zutreffenden Annahme und einer Annahme, von der einer nicht anders denken kann, als daß sie zutreffend sei (24. 8. / 19 Uhr)

    »Sogar in seinen Schlußsätzen wahrt er die majestätisch-verkopfte Pose.« (Im Radio über die Musik von Bach) (24. 8. / 19 Uhr)

    Bin auf den Begriff der »theoretischen Farben« gestoßen. (22. 8. / 10 Uhr)

    »…da dich das Wetter überfiel, und versuchte dich am Haderwasser.« (20. 8. / 20 Uhr)

    »Mein blinde Seele komt zum Liecht,
    bey dir sie suchet ihr Gesicht: (18. 8. / 12 Uhr)

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