Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Kurzer Schlaf, mittags, unerwartet

Luftblase, aufsteigend (Foto: Andrew Davidhazy)

Die Augen schließen sich, unabhängig von einem bewußten Entschluß, und sie wieder zu öffnen ist nur unter Aufbietung von einiger Kraft möglich. Die Glieder werden in ihrer jeweiligen Position, die dazu nicht geeignet sein muß, schwer und sind nur noch um Nuancen zu bewegen. Das Dämmerlicht hinter den herabgesunkenen Lidern füllen Gedanken, die schnell immer weiter die Beziehung auf die wache Wirklichkeit verlieren. Aus diesem rauhen Zwirn winden sich dann einzelne Fäden heraus, die sich zu absonderlichen Einfällen verknoten. Dabei entsteht im Brustraum unerwartet Wärme. In der immer dunkler werdenden Gegend hinter den Lidern und vor allem zwischen den Darmschlingen breitet sich schwere, zähfließende Geborgenheit aus. Das Bewußtsein löst sich im Schlaf auf, der aus den tiefliegenden Reservoirs aufsprudelt. Das Bewußtsein bleibt erst noch als zusammenhängende Färbung im Teich, der dabei entsteht, übrig und verliert sich dann, während der Pegel steigt, immer weiter. Einer der sonderbaren Einfälle, an denen das wirrgewordene Denken unordentlich webt, läßt allmählich ein lesbares Muster erkennen und wird von dem übriggebliebenen Kern des Einschlafenden für ein ganz außerordentlich glückliches Kunstwerk  gehalten (der Kern aber der fortdämmernden Person wurde aus den Schlammschichten des Bewußtseins freigespült und ist, wie ein glatter Kiesel, funkelnd bis zum Grund des Teiches gesunken). Der Kontakt zu den zufällig abgelegten verschiedenen Körperteilen ist weitgehend verloren, manchmal löst sich der letzte Strang willkürlicher Kontrolle mit einem Ruck, der durch die Nerven als elektrischer Funken bis in die Muskeln vermittelt wird. Die gnädige, vermutliche Geborgenheit, die in der Brust bis zu einem rötlichen Glühen angeschwollen ist, dringt wie Wärme durch die verschiedenen Regionen des übriggebliebenen Restes der schlafenden Person. Der flächig sich fortsetztende, scheinbar sehr kunstvolle und bemerkenswerte Einfall weißt derart chaotische Muster auf, daß in ihnen nun allmählich ein tatsächlicher Sinn zu erkennen ist. Unterdessen haben sich außerhalb der durchlässig werdenden Ichgrenzen die wohlwollenden Einflüsse versammelt und wegen des erhöhten Außendrucks sickert zunehmend Glücklichsein durch die Leckagen an der Außengrenze. Meistens kommt es an diesem Punkt zu einer Schutz- und Verteidigungsbewegung des Bewußtseins, gleich einem Reflex aus dem hartschaligen Rückenmark kommend, das noch bis zuletzt gegen Einsickerungen sicher ist. Diese Schutzreaktion besteht in einem plötzlichen Erschrecken über die Unwirklichkeit, die an allen Enden die Oberhand gewinnt. Dadurch erfolgt dann, gleich einem Korken, der aus größerer Tiefe zur Wasseroberfläche schnellt, das Aufwachen. Von den inneren Vorgängen bleibt noch für einige Zeit ein trockener Geschmack im Mund und unterschwelliger Schwindel.

2861
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Bewußtseinssturz und getagged , , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. |drucken

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bild einfügen

Um ein Bild (im jpg-Format) in Ihren Kommentar einzufügen, wählen Sie bitte die entsprechende Datei auf Ihrem Computer aus. Das Bild wird dann automatisch eingesetzt. Sie können die Position nachträglich verändern. Es können auch mehrere Bilder hochgeladen werden.

  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

  • Tags

  • Pressalbum

    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog

  • Rubriken

  • Energiestand

    Das Geräusch des Lastenaufzugs

  • Alles in allem…

    • Texte 1.628
    • Wörter 360.369
    • Rubriken 39
  • Statistischer Schlußstrich

    • in 35 Jahre, 7 Monaten, 20 Tagen, 5 Stunden, 10 Minuten, 21 Sekunden