Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Phantasmagorie

Typographisches Selbstportrait von Mark Lampe

Die langsam aufkeimende Frage, wer die Wirklichkeit erzählt. Die Unsicherheit darüber, welche Folgen sich aus der Vermutung ergeben müssten, daß es so einen Erzähler gibt. Ist es so, daß sich ein Lebenslauf aus heimlichen Notwendigkeiten ergibt, die jedem beliebigen Menschen nach unbekannten Gesetzen eingeschrieben sind? Aber wer ist dieser hinterhältige Schriftsteller? Kann ein vernünftiger Mensch überhaupt an so eine Behauptung glauben? Womöglich ist es gerade andersherum und die Meinung, man müsse auf Gedeih und Verderb sein, wer man nun einmal ist, erweist sich bei nüchterner Prüfung als Einbildung, als haltloser Wahn. Man stellt sich vor, nicht anders sein zu können als eben derjenige, dessen Notwendigkeit man sich so lange eingebildet hat, daß die Einbildung zur Gewohnheit geworden ist – man fällt auf ein Trugbild herein, auf das eigene Selbst, auf eine Phantasmagorie.

Vielleicht haben die Betrunkenen recht, vielleicht erlangen sie am ehesten Zugang zu nüchternem Realitätssinn, wenn sie die eine, dünne Wand durchbrechen, den Nebelschleier falscher Notwendigkeit, um dann orientierungslos ihrem nackten Selbst gegenüberzustehen, in einer entkleideten Welt. Man gehe mit schweren Beinen, empfindungslos aber gegen jede Müdigkeit, ein gutes Dutzend Straßenzüge an der gewöhnlichen Haustür vorbei; man wähle sich irgendeine Wohnung aus, zu der plötzlich der Schlüssel, den man mühsam aus der Tasche gezogen hat, passen will; man beginne ein neues Leben, ganz nach Belieben.

Es ist doch reichlich unglaubwürdig, daß es im eigenen Inneren eine Vorschrift geben sollte, die dem Haustürschlüssel untersagen würde, auf eine andere Tür zu passen, wenn er selbst, dieser Schlüssel, den Wunsch und das Begehren hat, eine andere als die althergebrachte Tür zu öffnen. Wo im menschlichen Herzen oder in den anderen, unwegsamen Regionen jenseits von Rippen und Fleisch, gäbe es denn so viel Festigkeit, so viel Unwandelbarkeit, daß man darauf eine klar umrissene Erzählung, irgendeine folgerichtige Lebensgeschichte gründen könnte? Wie sollte irgendjemand behaupten können, er sei nun einmal der und der und sein Leben spiele sich auf einer ganz bestimmten Bühne ab, mit einer Handvoll Haupt- und Nebenfiguren? Wo doch jeder lügen muß, wenn er zu sagen versucht, wer genau er ist – denn wer ist man denn schon und worin besteht der Unterschied zwischen dem, was einer ist und dem, was er nicht ist?

Man muß vorsichtig mit sich selbst umgehen und insbesondere dann, wenn man tagträumend Ausschau hält, auf den eigenen Blick achtgeben. Daß nicht die Landschaft, in der der Blick versinkt, unversehens zur Heimat werde und der Unbekannte nicht dazu gebracht werde, eine Rolle zu übernehmen in jener Lebensgeschichte, deren Erzähler launisch ist und am Ende vielleicht gar nicht vorhanden.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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