Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Primat

In der Reihe: »Mokrys Peripatien«

Eine historische Zwangsjacke

Mokry liegt bäuchlings in einem aus groben Seilen geknüpften Netz, das zwischen einer Wand und einem zurechtgesägten Baumstamm wie eine große Hängematte über den Boden gespannt ist. Er trägt einen Affenpelz, allerdings ohne die dazugehörige Maske. Mit ihm im Netz kauert eine wie er verkleidete, allerdings zudem maskierte Äffin. Sie ist damit beschäftigt, Mokrys künstlichen Pelz zu lausen. Eine Schaukel, einige auf dem Boden verteilte Äste und Steine, Pappkartons und anderes Affenspielzeug vervollständigen die Einrichtung des Käfigs.

Mokry erwacht aus seiner Ohnmacht. Er stöhnt ein wenig, regt die Glieder, liegt dann wieder still im Netz. Er besinnt sich.

Mokry (zu sich selbst, schwerfällig): Ich trage jedenfalls keinen Schlafanzug. – Ein Seil an meiner Wange, es sticht mich. – Ein Betonfußboden. – Und man zupft an mir, mit spitzen Fingern offenbar.

Mokry stemmt sich hoch und dreht sich zu der Äffin um. Er stößt einen erschreckten Schrei aus.

Die Äffin: Huh?
Mokry faßt sich wieder. Schwer atmend: Lassen sie ihre Finger von mir.
Die Äffin besieht ihre Finger. Sie bewegt sich unsicher auf Mokry zu.
Mokry: Nein!
Die Äffin schreckt zurück.
Mokry: Wo bin ich hier?
Aus einem Lautsprecher kommt die Stimme der Krankenschwester: Das sollten sie selbst am besten wissen.
Mokry dreht sich herum, in die Richtung der Stimme. Das nutzt die Äffin, um mit einigen Sprüngen zu ihm zu gelangen. Sie drückt ihn an sich und krallt sich in Mokrys Brustfell. Mokry windet sich, kann sich aber nicht befreien. Nach einer Weile gibt er seine Abwehr auf und beginnt hysterisch zu lachen.
Stimme der Krankenschwester: Das hätte ich ihnen gar nicht zugetraut!
Mokry verstummt. Die Äffin betastet Mokrys Gesicht, Mokry entwickelt Interesse an ihr.
Stimme der Krankenschwester: Mokry, sie machen schnelle Fortschritte, sehr brav.
Mokry (den ersten Laut nach Affenart kehlig): U-u-und wenn schon. Wa-wa-was geht es sie an?
Die Stimme der Krankenschwester kichert mädchenhaft.
Die Äffin (zärtlich): Ah-uh-uh?
Mokry (unsicher) Nun, also…
Die Äffin (bestärkend): Uh. U-Uh!
Mokry: Aber ich denke, daß… Da-da-daß…
Die Äffin legt fragend den Kopf schief.
Mokry: Also: ich… (Mokry kratzt sich am Kopf, spielt mit seiner Unterlippe.) Also, a-a-a-a-a-also.
Mokry stürzt sich knurrend auf die Äffin, die ihn kehlig aufjubelnd empfängt. Sie rollen sich durch die Matte.
Eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher: Ja, Schwester, es scheint sich eine günstige Entwicklung anzubahnen.

Eine Metalltür schwingt mit Quietschen und Knallen auf. Der bärtige Alte kommt hereingestürmt. Er trägt einen Reisigbesen und einen Eimer und ist gekleidet wie ein Tierpfleger.
Der Alte (streng): Schluß da! Hier werden keine Affen gezüchtet.
Mokry und die Äffin unterbrechen ihr Spiel.
Der Alte (droht mit seinem Besen): Auseinander, ihr. Wehe euch, wehe!
Mokry und die Äffin lassen voneinander ab und hocken sich an gegenüberliegende Enden der Hängematte.
Der Alte: Gerade noch rechtzeitig bin ich gekommen. Daß man sich so in seinem Fell verlieren kann.
Kopfschüttelnd macht er sich daran, den Käfigboden zu fegen. Mokry und die Äffin machen ratlose Gesten.
Mokry: A-a-a-a-aber. (Er räuspert sich.) Aber was wollen sie denn, sie Nacktling?
Der Alte (feierlich): Selig ist der Löwe, den der Mensch ißt, und der Löwe wird Mensch.
Mokry: Lassen sie doch bloß die Löwen aus dem Spiel!
Der Alte: Aber abscheulich ist der Mensch, den der Löwe frißt – und der Löwe wird Mensch.
Mokry und die Äffin sind wieder zueinander gekrochen und sehen sich jetzt amüsiert an.
Die Äffin: Uh-hu!
Mokry: Lassen sie uns doch mit ihrer Unverunft in Ruhe! Sie gehen zu aufrecht: Ihr Kopf hat die zugige Luft nicht vertragen.
Der Alte: Ja, so war es immer. Die Gestalten ändern sich, die Affen bleiben dieselben.
Mokry klettert auf allen vieren zum Rand des Netzes und springt herunter. Er kauert auf Händen und Füßen vor dem Alten und fletscht die Zähne.
Mokry: Ihr Geräde ist unerträglich. Und es ist auch ganz unnötig, daß sie saubermachen. Hinaus also!
Mokry stellt sich auf die Hinterbeine und trommelt etwas ungeschickt auf seine Brust.
Der Alte (unbeeindruckt): Ihr künstlicher Pelz dämft das Geräusch.
Mokry: Und aus dem bißchen Pelz, das ihnen am Kinn geblieben ist, kommt nur Gestammel.
Die männliche Stimme: Unterlassen sie unverzüglich ihre Einmischungen.
Der Alte (flüsternd): Da haben sie es. Ihre störrische Klügelei. Jetzt ist es zu spät.
Der Alte steckt Mokry einen Apfel zu, den Mokry sich kurz besieht um ihn dann unter seinen künstlichen Pelz zu stecken.
Der Alte (im alltäglichen Ton): So, jetzt sei ein guter Junge und geh wieder spielen. Sonst macht man aus deinen Füßen Aschenbecher.

Die Metalltür schwingt erneut quietschend und knallend auf. Roßfäller und Leimbach treten ein. Roßfäller trägt ein Bündel unter dem Arm.
Leimbach (gespielt freundlich): Na, na, Herr Zagler. Sie haben hier eigentlich keinen Zutritt.
Roßfäller: Und sehen sie nur, wie sie den guten Mokry und sein Weibchen verunsichert haben.
Mokry ist inzwischen wieder zu der Äffin in das Netz geklettert. Beide halten sich umschlungen. Die Äffin streckt dem Alten die Zunge heraus.
Der Alte: Eklytos.
Leimbach: Wie bitte?
Der Alte: Wie ich ihnen schon sagte, heiße ich Eklytos.
Leimbach: Ach ja. Aber das ist ja nun eine Nebensache, Herr Zagler.
Roßfäller: Wenn sie uns also bitte hinausbegleiten würden?
Zagler (nach seiner Gewohnheit donnernd): Ihr, die ihr blind seid und die Blinden führt, werdet in den Graben fallen und die Schlangen werden sich an eurer Brust nähren. Und siehe, der Tag ist schon da, und es wird…
Mokry und die Äffin springen im Netz auf und ab und stoßen Schreie aus.
Leimbach holt aus seiner Tasche ein Glöckchen hervor und klingelt damit. Alle verstummen.
Leimbach: Ein sicheres Mittel.
Roßfäller: Wenn sie nun bitte die Arme ausstrecken würden, Herr Zagler.
Zagler (wieder im Plauderton):  Oh, wie bitte? Ja, natürlich.
Er streckt die Arme nach vorne und Roßfäller legt ihm die Zwangsjacke an, die er unter dem Arm getragen hatte.
Leimbach (beiläufig): Roßfäller?
Roßfäller: Ja?
Leimbach: Wo waren wir stehengeblieben?
Roßfäller arbeitet weiter, wendet sich aber Leimbach zu.
Roßfäller (zitierend): Es sei der in Frage stehende Begriff dadurch bestimmt, daß er das in allen denkbaren Welten wahre meine. – Soweit waren wir gekommen.
Leimbach: Ach ja.
Zagler: Sie leiden offensichtlich unter einer Zwangsneurose. Sie sollten das behandeln lassen.
Leimbach: Ach ja.
Roßfäller: So, Herr Zagler, jetzt sind sie fertig angekleidet. Nach ihnen.
Er stößt Zagler grob in Richtung der Tür. Zagler geht mit schlurfenden Schritten.
Zagler (singt leise):
Der Fluß fließt sehr trübe
Der Fisch frißt das seine,
Es ist eine Scheibe,
Die Erde, die Schwere
Die Sonne ist müde
Der Blick geht ins Leere
Was dann wohl wäre,
Was dann wohl wäre?
Leimbach (beim gehen, zu Mokry): Entschuldigen sie die Störung. Ich wünsche ihnen angenehmen Aufenthalt.
Die Äffin: U-u-u. A-a-a-a.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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