Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Rauhfaserlesen

Felsdarstellung über das Matterhorn von W. Blumer (1927)

Ein Stromkabel windet sich die Wand entlang. Es ist ein schwarzer Strich, eigentlich ohne räumliche Ausdehnung, mit einem Lackstift hingemalt auf die Tapete, kompliziert in sich selbst verdreht, aber das, die Drehungen und Verwringungen, ist nur durch den Schattenwurf und die Lichtzeichnung zu sehen: Spielarten von Schwarz auf Schwarz. Da sind Kratzspuren in der Ummantelung, mit haarfeiner Hand angebrachte Zeichen, ein Loch von der Größe eines Staubkornes klafft da, durch den Schatten, das es sich selbst wirft, hundertfach vertieft. Und es ist ein unerklärliches Wunder, daß über alles andere hinaus auch ein solches Loch, das eigentlich kaum da ist, dem man gerade noch sein Vorhandensein zugesteht, noch in den Vorrat der sichtbaren Dinge gehört.

Die wundersame Oberfläche des Kabels führt ihr kaum ernsthaft anzunehmendes Dasein zusammen mit der angedeuteten Grammatik der Trennungen und Begegnungen, der frappierenden Unterschiede und verfremdeten Entsprechungen zwischen dem Kabel, das Schwarz in Schwarz sich emporwindet, und seiner eigenen sich windenden Schattenlinie, die das Kabel flüchtig zur Doppelhelix ergänzt. Schatten und Kabel, Kabel und Schatten in einem merkwürdigen Zweiklang, immer halb neben der ganzen Entsprechung.

Und das alles findet statt auf einer Rauhfasertapete, die mit ihrem alchemistischen Flüstern der Freund aller versunkenen Kinder ist: wer vermag die kleinen Knötchen, die Sandbänke und Gipfelketten zu zählen, die der Rauhfasertapete auf irgendeine Weise eingeprägt worden sind. Zu welchen Sätzen und Gedankengängen ließe sich dies Alphabet der feinsten Erhebungen übersetzen, unter denen sich die Schatten fangen und die, mir nichts dir nichts in einem Nu mit dem Fingernagel heruntergekrazt werden können, herunter von ihrem weißgestrichenen Untergrund? Es ist erstaunlich – und es steigen die merkwürdigsten Träume auf: aus den Rätseln von Kabel und Schatten, von Schwärze und Tiefe, aus der Schrift auf der Tapete, dem Rauhfaseralphabet, zu lesen nur für die zögerlich tastende Hand am Rande des Zweifels, am Rande des Schlafs, halb wieder ein versunkenes Kind geworden.

Rauhfaserlesen, 5.0 out of 5 based on 2 ratings
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Ein Kommentar

  1. Annegret
    Erstellt am 26. Januar 2011 um 18:31 | Permanent-Link

    Rauhfaseralphabet und Rauhfaserversteher für kindlich Gebliebene.

    VA:F [1.9.13_1145]
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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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