Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Schneetreiben

GehstockDie Stadt liegt unter Schnee.

Den nehmen fünf Jungen auf und werfen ihn von einem Parkdeck aus auf die Köpfe der unter ihnen gehenden Passanten. Sie treffen meistens nicht. Die Schneebälle fliegen an den Wangen der Beworfenen vorbei und zerspritzen auf dem Boden. Sonderbar, daß nicht einer den Blick von den eigenen Fußspitzen hebt – die Angriffe bleiben vollkommen unbemerkt. Dann aber wird eine alte Frau um eine Handbreit verfehlt und springt mit der Behendigkeit des Schreckens zur Seite. Einmal entronnen, dreht sie hektisch den Kopf hin und her, entdeckt die Rotte auf dem Parkdeck und droht mit ihrem Stock. Auch das scheint keiner zu bemerken. Und auch das Johlen und Spotten der Rotte dort oben hört offenbar nur die alte Frau.

Ein älterer Herr, in Strickjacke und Hut, fegt um sein Auto herum die Fahrbahn. Warum die Fahrbahn? Unter dem Auto ist ein Loch in der Schneedecke, wie bei den anderen Autos. Bei den anderen Autos setzt sich der Schnee auch über das Auto hinweg fort. Das Auto des alten, besenwetzenden Herren aber ist auf wundersame Weise völlig unbedeckt und trocken, wie an einem Frühlingstag. Warum fegt der Alte jetzt auch noch die Fahrbahn – er bewirkt dabei gar nichts. Auf einem großen, stählernen Behälter, denke ich nun, war ein Wahlspruch angebracht, übertrieben grandios: Denn Zukunft braucht Leistung. Welche Zukunft aber – und welche Leistung?

Als ich stehe und warte, tauchen Gesichter aus der geduckten Menge auf. Ein Maler, sein Overall ist vielfarbig bunt, ist aschgrau im Gesicht. Ein anderer, grobknochiger Mann riecht süßlich nach Malz. Er schiebt die Unterlippe ein wenig vor, als hätte man ihn, ein kleines Kind eigentlich, ungerecht, schrecklich ungerecht behandelt. Zwei Adoleszenten hingegen ist alles gleichgültig. Ihre Unterhaltung geht zischend zwischen ihnen, ein Lichtbogen mühsam gezügelter Wut, der ihnen auch die raschen, harten Armbewegungen auflädt. Sie stehen an einer Bank, dort sitzt ein dicker Mensch. Der sieht ängstlich und mißgünstig zu, wie der eine zornige, junge Mann seinen Fuß auf den Sitz neben ihm stellt, um zärtlich seinen Schuh mit einem Taschentuch von Schneeresten zu befreien. Ein weiterer Wartender beobachtet, wie der Sitz mit Schnee besudelt wird aus der Ferne, und aus ihm lodert Verachtung, um die sich niemand, er selbst auch nicht, schert.

In dem Bus, der endlich kommt, sitzt ein würdiger Alter, den Gehstock zwischen den Beinen. Nun bricht eine Schulklasse herein, womöglich die obere Klasse einer Grundschule, lärmend und mit ihren wilden Kinderspielen beschäftigt. Da sind drei, vier kleine Jungs, die im Wettstreit versuchen, einander die Hosen herunterzuziehen. Sie rufen dabei im Triumph »Männerstrip« und »Peepshow«. Zwei Mädchen, am anderen Ende des Wagens, drücken zart ihre Nasen aneinander.

Jetzt weitet sich der Kreis, in dem die vier Jungen spielen und umschließt auch noch den Sitzplatz des würdigen Alten. Er faßt seinen Stock fester und macht – still, zweifelnd – eine kurze Geste in die Luft. Er hat sich entschieden, es zu ertragen. Seine Augen sind dunkel von irgendeiner Trauer und die Lippen zeigen selbstverständliche Würde. Unser Blick trifft sich und ich bemühe mich, durch drei Falten, die ich mühsam durch Anspannung der Gesichtsmuskeln zustande bringe, ihm meine Anerkennung auszudrücken.

Draußen die Landschaft liegt unter Schnee. Sie ist still, reglos, friedlich. Und mitten im Schnee steigt zwischen uns zusammengedrängten Menschen die Müdigkeit als ein unsichtbarer Dunst in den froststarren Himmel. In der Ferne steht unbewegt ein hoher Kran, erhaben über alles.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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