Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Sequenzierte Saubermänner

DNA Chip für das "genotyping" in einer keimfreien Hand

Venter: »Ich ziehe vor Watson den Hut dafür, daß er seine Genomsequenz ins Internet stellte.1 Damit ist er ein gutes Vorbild. Viel mehr Menschen sollten ihre Erbinformation offenlegen – und zeigen, dass wir vor unseren Genen keine Angst zu haben brauchen.«

Zeit: »Sie wollen den vollständig gläsernen Menschen.«

Venter: Ein digitales Abbild des Menschen. Wir haben das Genom im Computer erfasst, jetzt versuchen wir eben dasselbe für den ganzen Organismus.«2

James D. Watson, Ph. D. kann man öffentlich nachlesen. Er ist offen und verbirgt von sich kaum etwas, ein rückhaltloser Pionier der Selbstenthüllung. Jedenfalls für den kleinen Kreis von Technokraten, die aus GTTA-CATGA-AACT etwas interessantes herauslesen können. Er hat sich dem globalen Informationsnetz anvertraut, denn ehrliche Leute haben ja nichts zu verbergen. Er hat offenbar bloß diejenigen intimsten Teile seines Erbgutes ausgespart, die über Erbkrankheiten Aufschluss geben könnten. Nun ja, das ist ein verzeihlicher, noch etwas unmoderner und rückständiger Makel. Aber man dankt ihm die Pioniertat. Ehrliche Leute haben schließlich nichts zu verbergen.

Als vollständig sequenziertes Lebewesen reiht sich J. D. Watson in eine illustre Reihe ein, in der auch klangvolle Namen wie Mycoplasma genitalium oder Homo neanderthalensis stehen. Sämtliche in dieser Reihe zu findende Namen gehören selbstverständlich ehrlichen Leuten, die nichts zu verbergen haben. Allein der Homo n. gibt vielleicht zu denken auf, denn von ihm ist ruchbar geworden, daß er sich als erster Kleidung anfertigte. Kleidung, nun ja. Hoffentlich aus rein praktischen Gründen, als Schutz gegen die Kälte nämlich – und nicht etwa, um etwas zu verbergen, seine Blöße zum Beispiel.

Und nun Mycoplasma: Es wird dringend verdächtigt, Urethritis zu verursachen, mithin sein übles Spiel gerade mit jenem Mittelpunkt der Blöße zu treiben, die Homo n. durch Kleidung zu verbergen suchte, hoffentlich nur aus praktischen Gründen. Mycoplasma genitalium ist also, wenn man es recht besieht, ein noch ein viel besseres Beispiel für eine moderne Einstellung: Obwohl es befürchten muß, seine Lebensgrundlage zu verlieren, wenn sein Genom hinlänglich bekannt ist, weil dann die Schleimhäute der Harnwege effektiv vor ihm geschützt werden könnten, trotz solcher Gefahr verbirgt es sein Genom nicht vor der interessierten Öffentlichkeit.

Daran sollte Herr Watson sich ein Beispiel nehmen, den letzten Schritt in die neue Zeit tun und auch darüber noch uns informieren, ob er bestimmte erbliche Krankheiten in sich trägt. Ehrliche Leute haben nichts zu verbergen, überhaupt nichts.

  1. James Watson ist Biochemiker und der Mitentdecker der Molekularstruktur der DNS. Sein Genom hat er im Internet gemeinfrei zugänglich gemacht. Mittlerweile ist die Seite jimwatsonsequence.cshl.edu aus mir unbekannten Gründen nicht mehr zu erreichen. Als Entschädigung dafür der Hinweis auf einen öffentlichen Vortrag des DNA-Pioniers:

  2. Interview mit Craig Venter im ZEITmagazin Nr. 3 2009
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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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