Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Spinnentod

Weberknecht (Rilaena triangularis)

Kann sich einer, der nicht dabeigewesen ist, das sonderbare Aufblitzen vorstellen, das ich in den Augen meines Gesprächspartners gesehen habe? Es war ein weitläufiger Bekannter, der mir von einem Rückvergrößerungsgerät erzählte. Ich kann mich nicht mehr entsinnen, wie ein solches Gerät zu unserem Gesprächsthema wurde – aber dergleichen kommt bei weitläufigen Bekannten ja häufiger vor.

Er berichtete von dem Rückvergrößerungsgerät, mit dessen Hilfe man von Mikrofilmen Abzüge auf Papier herstellen kann. Von dem immer deutlicher werdenden Ozongeruch in der kleinen Kammer und dem bedrückenden Ausblick auf einen engen, dunklen Hof. Die Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes weiß gekachelt und selten Menschen zu sehen. Das Surren des Gerätes und die gleichzeitig einschläfernde und quälende Monotonie der Handgriffe, mit denen er den Film an die richtige Stelle bewegte, eine Taste drückte, darauf wartete, daß das bedruckte Blatt aus der Maschine kam. Und dann war da etwas auf einer Seite, daß das Ebenmaß der Zeilen unterbrach. Es war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Er vergrößerte den fraglichen Ausschnitt und da war: eine Spinne. Die Spinne war bloß ein weißer Umriß, wie auf einem Röntgenbild. Mein weitläufiger Bekannter hat auf dem Mikrofilm nachgesehen: eine Spinnenleiche war zu sehen, die irgendwann auf den Film gepresst worden war.

Als mein Gegenüber mir das berichtete, veränderte sich sein Gesichtsausdruck um ein leichtes. In den Mundwinkeln war eine nach unten gerichtete Falte aufgetaucht. Er setzte mir auseinander, daß die Spinne unmittelbar oberhalb der Worte »geistliche Weisheit« ihr Ende gefunden habe. Es sei Frakturschrift gewesen und die Spinnenbeine in ihrer absurden Langgestrecktheit hätten gut zu den Buchstaben gepasst. Da schwieg er eine Weile und ich schwieg auch. Und in seinen Augen war jenes sonderbare Aufblitzen zu sehen.

Die Spinne habe er übrigens nicht entfernt, schloß der weitläufige Bekannte seine Erzählung. Eine Weile nach dem Gespräch kam mir die Frage, wie weit die zerquetschte Spinne wohl schon gereist ist auf dem Mikrofilm, von Bibliothek zu Bibliothek. Und wer die Spinne wohl, als er die Worte »geistliche Weisheit« rückvergrößerte, zwischen Film und Maschine zerquetscht zu Tode gebracht hat? Und wie merkwürdig es ist, solche Vermutungen über das Ende einer Spinne anstellen zu können.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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