Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Theophils Abgleiten (I)

In der Reihe: »Anfänge«

Sigmar Polke, Hohere Wesen befahlen: rechte obere Ecke Schwarz malen!, 1969

Als Jan Theophil Nebenstamm später, nachdem schon vieles geschehen war und sich alles entschieden hatte, vor die Frage gestellt wurde, wann es den eigentlich angefangen habe, erschien nach einer langen Anstrengung, die er auf sein Inneres richtete, ein Bild: Er sah eine Frau. Er hörte, wie diese Frau einen Satz sagte, der nichts ungewöhnliches an sich hatte, den er schon häufig genauso oder in einer der unzähligen Abwandlungen gehört hatte. Dieser Satz war es, stellte Theophil mit einiger Überraschung aber ohne eine Spur von Zweifel fest, der die Dinge ins Rollen gebracht hatte. Aber warum es ausgerechnet dieser Satz gewesen war, der gar nichts ungewöhnliches an sich hatte, warum der Anblick gerade dieser Frau, enttäuscht und niedergeschlagen zweifelsohne, aber gerade darin durchschnittlich, der Anblick einer Frau, die er hätte mit vielen verwechseln können – warum gerade der Anblick dieser Frau wie Gift in ihn eingedrungen war: er konnte es sich nicht erklären, bei aller Anstrengung nicht und obwohl er nichts mehr zu verlieren hatte.

Am Abend des betreffenden Tages hatte er seine Bürotür abgeschlossen. Und dann hatte er plötzlich und ohne Vorzeichen Lust bekommen, seinen Kopf gegen das satinierte gläserne Türblatt zu schlagen. Er hatte sich vorgestellt, wie es wäre, seine Stirn so lange gegen die schwere, harte Glasfläche prallen zu lassen, bis die Haut aufplatzen und sein Blut rot und zäh an der Tür hinabrinnen würde.
Er hatte es nicht getan. Er wünschte sich, er hätte seinem Wunsch nachgegeben, nachdem vieles Geschehen war und sich alles entschieden hatte. Aber er hatte es nicht getan.
Er stand bloß dort, am Ende eines Arbeitstages, mit geballten Fäusten, mit straff gespannten Nackenmuskeln, geschlossenen Augen und versuchte sich die Farbe seines Blutes vorzustellen. Seine Konsistenz, die Eigenart des Schmerzes – es gelang ihm nur schlecht. Da wurde Jan Theophil Nebenstamm allmählich ungeduldig und sein ungestilltes Begehren stieg wie schäumende Galle in ihm auf.
Schließlich öffnete er seine Augen und ging mit zitternden Knien den leeren, stillen Krankenhausflur entlang. Derart schlingernd und unsicher waren seine ersten Schritte, daß ein Beobachter gedacht hätte, Theophil Nebenstamm sei betrunken oder habe sich, wie es in Krankenhäusern gelegentlich vorkommt, an einem Medikamentenschrank vergriffen.
Allerdings war niemand da, der ihn beobachtet hätte, und auch der Schwindel verging allmählich. Die Muskeln im Nacken lockerten sich auch und als Theophil den Fahrstuhl verließ, hatte er seine Selbstbeherrschung wiedergewonnen. Er brachte sogar einen unverdächtigen Gruß zustande, als er den Pförtner passierte. Aber das Entscheidende war, daß jene Veränderung, die sich in ihm vollzogen hatte, daß Es blieb.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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