Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Windstreich

Skulptur von Andy Goldsworthy

In den Baumwipfeln, in den Blättern malt der Wind eine Landschaft aus Klang. Dann plötzlich, unangekündigt und grundlos: Stille. Durch eine Lücke im Astwerk dringt ein einzelner Sonnenstrahl und zerrt hitzig an der Haut meines Unterarms. Das Lederarmband, die silberne Schnalle am Handgelenk kanalisieren die Wärme, so daß es nahe daran ist, unerträglich zu werden. Aber ich meine zu spüren, wie die Strahlung tief in den Arm, zwischen Elle und Speiche dringt; und die Frage, was dort aus der Wärme werden mag, beschäftigt mich zu sehr: Ich lasse den Arm reglos auf der Lehne.

Dann wieder unangekündigt, grundlos, plötzlich von neuem der Wind, der die Äste gegeneinanderstößt, sich zwischen den Blättern vergräbt und sogar bis zu mir gelangt, mir die Wärme vom Arm wischt und seine trockenen, langen Finger über meine Wangenknochen gleiten läßt. Dann nimmt er den Vogelgesang fort, sogar das tiefe Gurren der beiden Ringeltauben aus einem der Bäume dort über mir. Furchtsame Käfer katapultiert der Wind an meinen Ohren vorbei.

Zweihundert Schritte gen Morgen steht eine hohe Wand aus Laubbäumen. Und während der Wind noch einmal ausholt und sich den ganzen Kreis, die Wiesen, Zaunpfähle und leeren Gartenstühle aneignet, unwidersprochen über das Hüttendach gleitet und sich mit mildem Spott vorläufig in der Brenesselhecke niederläßt:währenddessen sehe ich im harten, gerade erst in den Nachmittag umgeschlagenen Licht jedes einzelne Blatt. Die ganze Wand, die Stadtmauer aus Baukronen ist, während die andrängende Luft in sie fährt, ein Meer aus kleinen Bewegungen. Keine zwei Blätter dürfte man verwechseln, weil jedes für sich seine kreiselnde, taumelnde Bewegung nach eigenem Maß beschreibt, dazu wiegen sich die Äste; und auch die Bäume insgesamt, heftig die jüngeren und ironisch gemessen die alten, neigen sich mit dem ganzen Stamm zur Seite. Dazu singt der Wind seinen Gesang, an jedes einzelne Blatt geklammert, mit vielen Stimmen, mit einer Stimme, der jedes einzelne Hier, jeder Ort zu klein ist, mit einer Stimme, die sich fortsehnt und nur im Vorübergehen mit sich selbst zufrieden ist.

Und dann, während einer besonders starken Böe, neigt sich eine verschrobene, verwachsene Eiche dermaßen gegen den Boden, daß die Vermutung, sie bemühe sich, ihre Wurzeln herauszuziehen, nicht unbegründet erscheint.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

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