Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Wurstwärts (II)

Boje von FallerMiethStuessiWeck (fmsw.net)

>> Zum ersten Teil >>

Er muß nicht weit gehen. Bloß wenige Schritte über den Vorplatz des Bahnhofs, eine Rampe hinunter in den Rachen einer Fußgängerunterführung hinein. Dann noch ein Stück weiter, bis die schmale Röhre sich zu einer Höhle weitet von der Seitengänge abzweigen. Hier steht, mitten auf dem geräumigen unterirdischen Platz ein Tisch, der ihm kaum je streitig gemacht wird, als wäre er eigens für ihn aufgestellt worden. Er taucht durch einen letzten Fußgängerstrom hindurch, blicklos, weil seine ganze Aufmerksamkeit auf die dampfende Kostbarkeit gerichtet ist, die er behutsam vor sich trägt. Dann ist er an seinem Ziel angelangt: ein metallener großer Abfallbehälter. Zwischen den Löchern für den Müll war einmal ein Aschenbecher wie ein Vogelnest ausgespart. Diese Mulde hatte man irgendwann mit einem Blech abgedeckt. Und als er zum ersten Mal daran vorbeigegangen war, hatte er sofort bemerkt, daß dieses Blech genau den Ausmaßen einer jener gewellten Pappschalen entsprach, worin man Köstliches, Saftiges mit sich tragen kann.

Über dem versperrten Vogelnest stellt er also seine Mahlzeit ab. Er postiert sich ganz nach seiner Gewohnheit vor dem Loch, das an dem Müllbehälter für Altpapier vorgesehen ist. So kann er in zwei breiten Strömen hastende Menschen auf sich zukommen sehen, die regelmäßig schwallweise von je einer Treppe in die Höhle gespuckt werden um dann hinter seinem Rücken in einem Schacht zu verschwinden.

Er greift in die Innentasche seiner Jacke. Dort steckt eine silberne Gabel, die er von zu Hause mitgebracht hat. Mit der freien Hand kratzt er sich am Hintern, betrachtet andachtsvoll den noch unangetasteten Fleischberg, der sich ihm schutzlos darbietet, schließt schaudernd kurz die Augen – und spießt seine Gabel mitten hinein in die Herrlichkeit. Er achtet dabei nicht auf den rauhen Laut aus seiner Kehre oder auf irgendetwas. Eilig fährt die Gabel zum Mund, der weit aufgesperrt mit geschürzten Lippen wartet. Er vergisst sich für lange Augenblicke ganz, während die Zähne mahlen, während instinktvoll die Gabel immer neue Brocken heranschafft, der Mund sich füllt mit süßem, leicht scharfem Brei und zwischen den Zähnen das Fleisch auseinandergeht, der vim Grill gehärtete Saitling lustvoll zerspringt. Ganz Mund ist er, die Nahrung drückt zärtlich von innen an die Wangen und das ist Reichtum und Frieden.

Dann schlägt er die Augen wieder auf und sieht den doppelten Strom. Sieht wie die dürren Leiber vorbeiziehen, sieht die mageren Schultern mit Taschen und Säcken behangen und hört die vielen, rastlosen Schritte, wie sie sich zu einer einzigen nervösen Brandung vereinigen. Aus den Strömen blitzt dann und wann, zwischen zwei Bissen, ein grämlicher Blick auf – und er weiß: er ist ein König; er hat Frieden und steht mit beiden Füßen auf festem Boden, während die dort sich aufreiben und immer kümmerlicher werden müssen.

Unter solchen Betrachtungen leert sich vor ihm die Pappschale. Am Ende zieht er das Brötchen aus der Hosentasche, bohrt ihm die Daumen in den schartigen Rücken und zerreißt es. Er schöpft mit dem weißen Inneren die braunrötliche Soße vom Boden der Schale und verlängert seine Freude so noch ein wenig.

Die Brötchenkrümel berieseln sein prall gespanntes Hemd, dann ist die Pappschale schier und weiß. Er muß nun bloß noch mit meinem gestreckten Zeigefinger die Pappschale in das Loch ziehen, daß vor seinem Bauch in die Mülltonne hinabführt. Dann steckt er sich eine Zigarrette an und wandelt nachdenklich zum Ausgang der Unterführung. Der Fußgängerstrom teilt sich vor seinem Bauch so, wie unweigerlich die Wellen vor dem Wulstbug eines Schiffes auseinandergehen müssen.

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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