Als sie, mit dem Kaffeebecher an den Lippen, jedoch ohne zu trinken, dem restlichen Geschirr eine Weile beim Trocknen zusah, dessen Formen für einen Sekundenbruchteil hinter dem Dampf, der aus dem Kaffeebecher stieg, sonderbar halbwirklich wirkten, als sie ganz reglos dasaß, mitten in einem Strahlenbündel starker Herbstsonne, die jetzt, am Morgen, noch so stand, daß sie blendete (auf der Tischplatte brannte vor ihren Augen das Sonnenlicht, und mitten in der Lichtfläche spielten dunkle Flecken), als sie staunend die Ruhe bemerkte, die nicht nur um sie war, die sich auch in ihr ausgebreitet hatte, war sie – allem Anschein nach – glücklich.
Im Blumenkasten war ein Unkraut gewachsen, wohl aus einem Samen, der sich in der Erde aus dem Supermarkt befunden hatte, oder in der Hinterlassenschaft von einem jener Vögel, die im Frühjahr an den Meisenknödeln gepickt und dabei den Balkon mit schwer tilgbaren Flecken überzogen hatten. Eine einzelne, sehr gerade Pflanze mit Blättern, die an Pfeilspitzen erinnerten, und oben auf dem Stengel eine, wie nannte man es: eine Dolde aus kleinen Knoten, die, so vermutete sie vom Küchentisch aus, die Samen der Pflanze enthalten mussten; die Sonne jedenfalls durchleuchtete dieses eine, sehr unbeugsam stehende, unerwartet und auch sehr hoch aufgewachsene Unkraut: Und die Blätter strahlten grün und wirkten seidenfein.
Jetzt kam Wind auf, im Radio ein altes Stück Musik, zwei nicht schöne aber eindringliche Stimmen im Duett: Now I don’t want to mɪːtjʊaɹkʰɪn / mæɪkjʊspʰɪn or do you in / Or select you or dissect you / Or inspect you or reject you. Ihr Kopf ist angefüllt mit zerbrechlichem grünen Licht, im Mund Kaffeebitter wie eine dunkle Intarsie – und sie denkt: select you / dissect you / inspect you. Und die beiden Stimmen singen: All I really want to do / Is baby, be friends with you / Baby, be friends with you. Und sie runzelt ein wenig die Stirn, in den Fältchen fließt das schwächer werdende Sonnenlicht zusammen; Wolken treiben hinter einem sehr großen Baum hervor und fließen oben über den Innenhof. Sie fragt sich: Wie hängen diese Wörter zusammen: dissectinspectreject? Lauter harte Ces, die ganz chirurgisch klingen. Be friends with you. Noch ein letzes Strahlenbündel, das ihr durch die zum Schutz geschlossenen Lider hindurch die Augäpfel wärmt. Und sie fühlt, wie schön die naiven Stimmen geklungen haben: Be friends with you.
Etwas Kaffee ist noch
In der Kanne vorhanden
Und im Radio wird jetzt
Und was war es gleich
Das ich gestern dachte
Vor dreizehn Jahren
Und im Kopf steht
Kopfschmerz jetzt und –
Was?




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3 Kommentare
gloria tecum, tecumse…du alter indianeranführer…sorge weiter für den erhalt deines stammes…tecumse suchte nach jagdgründen…du suchst nach form…für die gilde der blattschneider…du bist auf einem guten weg…bedenke: den leser herauszufordern mit einer vielschichtigkeit der darstellung ist ein weg, der schon begangen worden ist…..ach ja und…phonetische rätsel einzubauen…sie gleich darauf mit einem popzitat aufzulösen…genau das, was ich meinte mit meiner gemahnung an die zugangsbereitschaft deiner leser…gute richtung…weiter…
eine mitteilung in eigener sache:..annegret, wo bist du?..
Lieber Grimassenschneider, Dein Lob erwärmt mir den eigenen kaltgewordenen Kaffee auf der lichtgrauen Schreibtischplatte deutlich!
Und ja, wo bist Du, Annegret? Deine Meinung fehlt auch dem Autor.