Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Qualm

Verglichen mit dem Fernzug,
Der zittert und bereitsteht
Und mit Diesel gurgelt,
Klingt die Musik dünn,
Klingt sie fadenscheinig
An meinen Ohren.

Man drängt sich um Plätze
Im Bauch des Schienenwurms,
Der Luftraum ist nämlich
Weiträumig abgesperrt zur Zeit,
Weil Asche fliegt —
So wenig braucht es,
Damit die Verhältnisse
Sich unbequem verengen.

Cremefarbene Frauen
Ringen dort drinnen
Ihre tatsächlich
In Gold gefassten Hände:
Ein Raubtier hätte
Leichte Beute jetzt, die Wölfe
Bleiben aber leider aus,
Sie halten sich bedeckt,
Im angstvollen Brandenburg
Zum Beispiel.

Neben dem Gleis, sieh doch,
Laufen Rohre —
Und ich vermisse dich.

Auf den Rohren wiederum
Steht ihr Inhalt angegeben,
Nämlich: „Fett“.Fette sind sind Ester des Glycerins mit drei aliphatischen Monocarbonsäuren, den Fettsäuren.
  Die molekulare Struktur der Fette bewirkt, daß sie nicht in Wasser löslich sind. Das wiederum ist der Grund dafür, daß Fette die osmotischen Verhältnisse in einem Gewebe nicht verändern. Deswegen eignen sich die Fette für Lebewesen hervorragend als neutraler Speicherstoff für Energie (das Depotfett).
  Fett hat im Körper daneben noch eine Bedeutung als Isolator für Nerven, als Dämmstoff in der Haut, als Lösungsmittel für Vitamine und als Grundsubstanz der Zellmembran (sie ist aus einem doppellagigen Fettfilm gebaut).

Und auch die Richtung —
Abwärts und links —
In der das Fett fließt,
Durch die Gleishalle,
In den Untergrund.
Warum aber Fett und woher,
Bleibt ganz unbegreiflich
Bis zum Schluß.

Ich denke mir QualmQualm, d.i. dichter Rauch, d.i. ein Aerosol…
In blauschwarzen Wolken,
Er dringt durch die Fugen
Des Bahnsteigs, er dringt
In Augen und Nase und Mund.
Er färbt das Frühstück am Gaumen
Und legt sich in schmierigen Schlieren
Auf die Kuppen der Finger und schließt
Beizend die Augen, man hört
Noch vereinzeltes Würgen
Aus der qualmenden Dunkelheit.

Ich entkomme noch eben
Mit letzter Not.
Und vor deiner Tür dann:
Sinke ich
Friedlich zusammen.

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2 Kommentare

  1. Die Linni
    Erstellt am 20. Juli 2010 um 17:28 | Permanent-Link

    Wie unwahrhaftig banal die Liebe eingebettet wird von Nichtigkeiten.

  2. Janus
    Erstellt am 21. Juli 2010 um 22:45 | Permanent-Link

    Aber ist das nicht vor allem der profunden ›Unwahrhaftigkeit‹ der Alltagswelt geschuldet?

    Das dichterische Ich da oben im Gedicht hätte sich ja auch damit begnügen können, sich über die Rohrleitung des Fettabscheiders zu verwundern. Aber er (oder sie?) begiebt sich zu den Wölfen in Brandenburg, zu einem schmerzlich vermissten Nicht-Gegenwärtigen und mitten in eine imaginierte Feuerkatastrophe – nur um dann in Frieden auf einer Fußmatte kollabieren zu können. Da spielt die Liebe doch eine wichtige Rolle, will ich meinen.

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  • Rauhfaseln?

    Zum Beispiel so:

    So saß er lange, nicht wach und nicht müde, wurde uralt und schlief. Im Schlaf waren da Sorge, Schwindel, trockener Durst. Mit unhörbarem Knirschen verschoben sich Wahn und Wirklichkeit in ihm, drehten sich gegeneinander und schliffen voneinander die Oberfläche.

    Hier gibt es mehr davon, Worte auf Worte, dem geneigten Leser präsentiert in mehreren Versuchsanordnungen.

  • Zufällig…

  • Kurzum

    Durch Nägelkürzen, Zähneputzen, die Reinigung der Duschwanne vom eklen mumifizierten Belag, das zusammenfegen von Krumen und Stäuben, vor allem durch den Abwasch, (6. 9. / 21 Uhr)

    Ein Wohnungsgesuch an einer Laterne: Ruhig, seriös, alleinstehend. Das sind anscheinend die drei Kardinaltugenden der Biederkeit, das non plus ultra der Bonität. (6. 9. / 21 Uhr)

    »Durch Theilhaben an der Idee, behaupten wir, ist das diesseitige schön. (2. 9. / 20 Uhr)

    In eimnem Lexikon, in der Lebensbeschreibung einer bedeutenden antiken Persönlichkeit, lese ich vom »Aberwillen« jenes Menschen gegen die Schule. (2. 9. / 14 Uhr)

    »In Bibliotheken ist Makulierung die finale Form der Deakzession. (1. 9. / 13 Uhr)

    Höllischer Morpheus Welcher kund wird Durch Die geschehene Erscheinungen Derer Gespenster und Polter=Geister So bishero zum theil von keinen eintzigen Scribenten angeführet und bemercket worden sind. (1. 9. / 12 Uhr)

    »…solle im Prinzip immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden — nur wenn das Opfer dies wünsche.« (31. 8. / 22 Uhr)

    Eine Utopie ist eine Erwartung, die stichhaltig bleibt, auch wenn alle Wahrscheinlichkeit gegen sie spricht. Sie ist durch Hoffnung bewiesen. Und der eine Ort, frei von allen Utopien, ist — die Wüste. (31. 8. / 21 Uhr)

    »Das Unwahre überführt sich seiner selbst im Geschwollenen.« (29. 8. / 19 Uhr)

    »Wenn wir mit irgendeinem Gefühl von Zufriedenheit sterben wollen, (29. 8. / 19 Uhr)

    Groß das Leben
    Schön die Tiefe (29. 8. / 18 Uhr)

    An den Außengrenzen des Wohlstands, wie beispielsweise an den Grenzen der Europäischen Union, materialisiert sich das Unrecht, das die Weltwirtschaft antreibt, in Form offenbarer, unmittebarer Menschenschinderei. (28. 8. / 11 Uhr)

    »Unsre Zukunft wird davon abhängen, ob (26. 8. / 12 Uhr)

    »du abgott niederträchtger sinnen, (25. 8. / 19 Uhr)

    »…man muß darüber reden, wie jemand bei einem Diebstahl seine Identiät sperren kann« (25. 8. / 10 Uhr)

    Es gibt ja eigentlich keinen Unterschied zwischen einer zutreffenden Annahme und einer Annahme, von der einer nicht anders denken kann, als daß sie zutreffend sei (24. 8. / 19 Uhr)

    »Sogar in seinen Schlußsätzen wahrt er die majestätisch-verkopfte Pose.« (Im Radio über die Musik von Bach) (24. 8. / 19 Uhr)

    Bin auf den Begriff der »theoretischen Farben« gestoßen. (22. 8. / 10 Uhr)

    »…da dich das Wetter überfiel, und versuchte dich am Haderwasser.« (20. 8. / 20 Uhr)

    »Mein blinde Seele komt zum Liecht,
    bey dir sie suchet ihr Gesicht: (18. 8. / 12 Uhr)

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