Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Raptus solis

Frau Sonne liegt mir auf der Brust,
Mit beiden Händen presst sie
Meine Stirn, so daß sie langsam trocknet.

Sie haucht mir auf die Augen, die
Ich schließen muß, vor ihr, die
Gänzlich unbekleidet glänzt.
Wasserstofffeuer gießt sie
Eimerweise über mich,
Das bis zu den Knochen dringt.

Meine Augen schwärzen sich
Hinter ihren Lidern wie
Papier sich auf dem Ofen färbt.
Seitwärts blickend suche ich
Ein letztes Mal noch im
Schatten einer nahen Tanne
Nach einer Ausflucht und mir ist
Vor Augen alles blau gefärbt,
Davor tanzt überall und
Fröhlich Scherzend: sie.

So schreibt Frau Sonne sich mir,
Dem nämlich, der am falschen Fleck
Sich zu ihr legte, sich selbst ein
In den Sehpurpur im
Augenhintergrund —
Ich füge mich.

Über die Schulter streift
Kalter Atem, als der Wind
Sich schamhaft von uns kehrt –
Mir jedoch genügt,
Daß meine Beine längst
Zu schwer zum gehen sind.
Ich bleibe auf dem Liegestuhl,
Dem Altar, dem Opferbett, und warte,

Daß die Sonne mich
Zu Asche brennt, und hoffentlich
Zuerst die Stirn vertrocknet, dann
Läge ich für kurze Frist
Noch glücklich
Wortlos unter ihr.

(Und später dann,
Halbblind im Schatten,
Unverbrannt und schwankend:
Friere ich.)

Raptus solis, 5.0 out of 5 based on 1 rating
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3 Kommentare

  1. Annegret
    Erstellt am 29. Juli 2010 um 17:10 | Permanent-Link

    Deine Gedanken zur Sonne haben mir gut gefallen. Zum Glück hat die Sonne gerade eine Pause eingelegt und man kann durchatmen und wird nicht durchgegrillt. Mir ist die Hitze zu viel geworden.

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  2. Janus
    Erstellt am 30. Juli 2010 um 11:59 | Permanent-Link

    Der Dichter sollte antworten: Nur im Zuviel oder Zuwenig liegt poetische Kraft, freut sich aber, daß er jetzt wieder mehr Kleidung tragen kann als vordem.

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  3. Annegret
    Erstellt am 30. Juli 2010 um 14:32 | Permanent-Link

    Hallo Janus,

    nicht nur im Zuviel oder Zuwenig liegt poetische Kraft. Diese kann in jedem Augenblick liegen, in allen Dingen. Ich glaube, sie will nur gefunden und aufgehoben werden. Schönes Wochenende.

    Annegret

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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