Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Reim auf einen sonderbaren Schatten

Friß mich, schwarzer Schatten, der
Du dort auf meinem Nacken mir
Sitzt, und nach mir lange schon
Hungerst, wie ich sicher weiß.

Der du an meinen Haaren reißt,
Zu billigem Vergnügen,
Mir Teer auf meine Lippen streichst,
Mir Scherben in die Augen reibst,
Um mir den Schritt zu trüben.

Mit deinen Langen Armen zwei,
Legst du mir meine Blöße frei
So daß ich rasch bedecken muß,
Was ich bloß not- und dürftig bin:
Mit abgewetzten Lügen.

Ich reiße Sehnenstränge aus
Der Welt, sie wachsen nah
Bei ihren weißen Muskeln.
Ich knote dreißig Reimen draus

Und schlage rückwärts hoffend
Dich, Schatten, dort zu treffen
Wo du in meinem Nacken sitzt
Dich einmal hart zu treffen

Aber nicht dein Schreien gällt
Von den vielen Häuserzeilen
Ich vielmehr trage Striemen
Von meinen dreißig Riemen
Und meine Augen klaffen

So arg, das jene Käfer aus
Der Hundertmenschen Nasen
Nun meine Lungen nagen,
Und mich mit Schwindel schlagen.

Also friß mich, schwarzer Schatten, der
Du fest auf meinem Nacken thronst
Friß mich jetzt und friß mich ganz

Nur, daß du meine Leber schonst,
Und darein eine Distel pflanzt

Die soll dann
Viele stechen.

Reim auf einen sonderbaren Schatten, 5.0 out of 5 based on 1 rating
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2 Kommentare

  1. Die Linni
    Erstellt am 30. Juli 2010 um 13:16 | Permanent-Link

    So gefällt es mir ;) Jeder Absatz ein Genuss zum Lesen – ich mag es, wenn Worte wachsen. Vor allem der zweite Absatz hat es mir angetan – fragt sich nur, welche Haare gemeint sind ;) Scherz beiseite: wirklich gelungen!

    VA:F [1.9.13_1145]
    Wertung: + 0 | - 0

  2. Janus
    Erstellt am 30. Juli 2010 um 14:15 | Permanent-Link

    Der Autor neigt sein kahles Haupt erleichtert und zum Dank.

    VN:F [1.9.13_1145]
    Wertung: + 0 | - 0

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  • Kurzum


    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

    Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen. (13. 12. / 14 Uhr)

    Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist. (13. 12. / 14 Uhr)

    Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung(7. 12. / 13 Uhr)

    die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, (15. 11. / 22 Uhr)

    »Everyone is beautiful, traffic like a funeral
    And everybody tries to keep in touch«(24. 10. / 8 Uhr)

    Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, (10. 9. / 20 Uhr)

    »... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... « (6. 9. / 12 Uhr)

    »Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. (2. 9. / 22 Uhr)

    Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16) (2. 9. / 21 Uhr)

    »A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains) (2. 9. / 21 Uhr)

    Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen. (31. 8. / 14 Uhr)

    Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.(30. 8. / 12 Uhr)

    »I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking) (29. 8. / 13 Uhr)

    »In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen(25. 8. / 11 Uhr)

    »Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, (20. 8. / 20 Uhr)

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