Friß mich, schwarzer Schatten, der
Du dort auf meinem Nacken mir
Sitzt, und nach mir lange schon
Hungerst, wie ich sicher weiß.
Der du an meinen Haaren reißt,
Zu billigem Vergnügen,
Mir Teer auf meine Lippen streichst,
Mir Scherben in die Augen reibst,
Um mir den Schritt zu trüben.
Mit deinen Langen Armen zwei,
Legst du mir meine Blöße frei
So daß ich rasch bedecken muß,
Was ich bloß not- und dürftig bin:
Mit abgewetzten Lügen.
Ich reiße Sehnenstränge aus
Der Welt, sie wachsen nah
Bei ihren weißen Muskeln.
Ich knote dreißig Reimen draus
Und schlage rückwärts hoffend
Dich, Schatten, dort zu treffen
Wo du in meinem Nacken sitzt
Dich einmal hart zu treffen
Aber nicht dein Schreien gällt
Von den vielen Häuserzeilen
Ich vielmehr trage Striemen
Von meinen dreißig Riemen
Und meine Augen klaffen
So arg, das jene Käfer aus
Der Hundertmenschen Nasen
Nun meine Lungen nagen,
Und mich mit Schwindel schlagen.
Also friß mich, schwarzer Schatten, der
Du fest auf meinem Nacken thronst
Friß mich jetzt und friß mich ganz
Nur, daß du meine Leber schonst,
Und darein eine Distel pflanzt
Die soll dann
Viele stechen.
Inhalt der Reihe »Krypto|patho|graphie« [+]
- An einem Abend kein Einfall
- Rauhfaserlesen
- Das Denken, das schwimmt
- Denklahmen
- Hemdbrust
- An der Pforte
- Schaumgeboren
- Lendenseims Abentheuerungen
- Gastfrei
- Unterm Pflug
- Ein Warten
- Abschürfung
- Superlativ
- Klamm / Bei Lichte besehn
- Erscheinung
- Zwischenraum
- Ist leer
- Absinken
- man müßte hinab
- Reim auf einen sonderbaren Schatten
- Tersilochus obscurator
- das sägblatt abendlich / bei frischer morgensonne
- an seinem zopf erhängn soller sich
- Zwergseidenäffchenkompott
- De Tellurio




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2 Kommentare
So gefällt es mir ;) Jeder Absatz ein Genuss zum Lesen – ich mag es, wenn Worte wachsen. Vor allem der zweite Absatz hat es mir angetan – fragt sich nur, welche Haare gemeint sind ;) Scherz beiseite: wirklich gelungen!
Der Autor neigt sein kahles Haupt erleichtert und zum Dank.