Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Beschleunigung

Eintrag aus Riehtbiels Tagebuch mit der Nr. 16 vom 4. März 1917.

Habe nun also den ersten Versuchslauf mit der Zeitmaschine abgeschlossen. – Wie durchaus Merkwürdig die Zeit ist.

Als physikalische Größe wird sie für mich demnächst vielleicht annähernd berechenbar sein; aber als wahrnehmbares Phänomen ist die Zeit ziemlich rätselhaft. Normalerweise nimmt man ja kaum kaum Notiz davon, daß (und auf welche Weise) Zeit vergeht. Darin ist die Zeit dem anderen großen Umgebungsphänomen ähnlich: dem Wetter. – Nur, wenn etwas außergewöhnliches den ruhigen Fortgang der Dinge stört, nimmt man Zeit und Wetter wahr.

Ich mußte das von der zurückliegenden schlaflosen Nacht bis jetzt erleben. Die Dehnung und Kontraktion von Zeitspannen. In zahllosen Durchgängen habe ich das Experiment bis in die kleinsten Details in Gedanken durchgespielt, inklusive aller möglichen schrecklichen Ausgänge. Stunden habe ich immer wieder die Halle, die Rampe, die Aufbauten und Armaturen vior mir gesehen. Ein schlafloser Kopf zerdehnt die Zeit weit über ihr Normalmaß hinaus – Gedanken sind sozusagen ein Zeitakkumulator. Und wie flüchtig schnell dagegen alles in Wirklichkeit vorbeigegangen ist. Aber dann doch wieder: wie voller Zittern und Bangen jene eine Minute war, nachdem ich die Zeitmaschine auf ihren Weg die Startrampe hinunter geschickt hatte.

Im Vergleich mit meinen wüsten Erwartungen war das, was ich, als ich hinter dem Sichtschirm hervortrat, vorgefunden habe, beinahe enttäuschend. Die Maschine stand ganz friedlich und unscheinbar da, sogar noch auf dem Betonboden der Halle, ein Stück weit hinter dem Ende der Startrampe. Sie ist nicht beschädigt, steckte auch nicht im Boden oder irgendetwas derartiges. Aber so bieder gehört es sich wohl für einen anständigen Versuchsaufbau.1

Ich habe nachgemessen: die Maschine ist acht Meter hinter den Schienen der Rampe zum Stehen gekommen. Auf der Rampe konnte sie nach ihrer Aktivierung noch vier Meter abrollen – sie hat sich während des Versuchs also ingesamt rund 8 Meter bewegt. Die Zeitversetzung hatte dabei eine Dauer von 3,95 Sekunden.

Nach diesen Ergebnissen war eine Gegenprobe erforderlich; dazu habe ich den Schlitten mit einem Sandsack bestückt, der genauso viel wiegt wie die Zeitmaschine. Die Gummirollen bewegen sich auf den Schienen der Startrampe sehr gut, sobald der Schlitten aber auf den Hallenboden gerät, bremsen sie schnell ab. Der Sandsack hat es nur auf 2 Meter gebracht. Die Zeitversetzung hat also tatsächlich die Bewegungsenergie des Schlittens erhöht, was sich in den zusätzlichen 6 Metern ausdrückt. 6 Meter! Das ist angesichts der ziemlich geringen Ausgangskräfte ein doch recht erstaunlicher Zuwachs.

Während ich über meinem Bericht gesessen habe, ist mir eine Idee für einen Versuchsaufbau mit mehr Potential gekommen. Ich werde ein Katapult bauen lassen. Die Zeitmaschine werde ich in eine Stahlkugel einbauen, man könnte Flüssigkeit als Dämpfer nehmen, wie zum Beispiel in den Schädeln von Spechten (so habe ich irgendwo gehört, wahrscheinlich in der Akademie).2 Das Katapult wird die Maschine in eine ballistische Kurve schießen; man könnte zwei sehr starke Federn mit einem Lederriemen dazwischen benutzen, oder irgendetwas dergleichen. Das Zeitfeld wird automatisch im Flug ausgelöst. Dann könnte man an der Flugbahn sehr einfach die entstandenen Kräfte ablesen. Ich werde Bartolomé sofort instruieren. Es reicht, wenn während der Bauarbeiten die Einzelheiten festgelegt werden.

P.S. Bartolomé hat mir versprochen, die Arbeiten in einer Woche zum Abschluß zu bringen. Er soll Hilfskräfte heuern, so viele er braucht!


  1. Man wird diesen Satz als einen ersten Hinweis auf jene Ungeduld ansehen dürfen, mit der Riehtbiel seine Versuche später in immer entschlossenerer, unerschrockenerer Form vorangetrieben hat. Kritiker werfen Riehtbiel vor, er sei tollkühn verfahren; es war dies allerdings jene Tollkühnheit, die einen Entdecker erst zum Entdecker macht. – Der Hrsg.
  2. Es ist unwahrscheinlich, daß Riehtbiel diese Information auf einer Sitzung der Asociación de Ingenieros del Uruguay erlangt haben sollte. Für 1911 ist ein längerer Aufenthalt in Deutschland belegt. Vielleicht wurde der junge Riehtbiel von Max Born während dieser Zeit in einer Wissenschaftsakademie eingeführt.
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    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

    »Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau) (6. 5. / 16 Uhr)

    »Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller) (2. 5. / 14 Uhr)

    »One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)(10. 4. / 17 Uhr)

    da seh ich wundernd das erschrockne thier
    zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
    sie aber blickt mit groszen augen flehend
    mich an. so stehn wir schweigend gegen einander (10. 4. / 15 Uhr)

    »Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, (4. 4. / 15 Uhr)

    »der hungir wart also gross dar czu,
    das sy frossin er aldin schu,
    spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« — Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)(2. 4. / 19 Uhr)

    »Es ist eine Zeit für die Muße,
    es ist eine Zeit für den Streit,
    es ist eine Zeit für die Buße,
    für alles die richtige Zeit.(24. 3. / 15 Uhr)

    自動思考 (Jidō shikō) bedeutet »Gedankenautomat« oder »automatische Gedanken«. (23. 3. / 10 Uhr)

    Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist. (22. 3. / 23 Uhr)

    Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik« (21. 3. / 15 Uhr)

    Das eigentliche sind nie die Einzelheiten — sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.(21. 3. / 14 Uhr)

    »Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein. (29. 2. / 20 Uhr)

    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

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