Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Versuchsaufbau

Eintrag aus Riehtbiels Tagebuch mit der Nr. 15 vom 3. März 1917.

Ich muß den Versuch um einen weiteren Tag verschieben! Das ist sehr ärgerlich, aber ich halte es für notwendig. Ich habe die ganze Nacht damit zugebracht, noch einmal alles zu überdenken. Dabei erschienen mir zwei Faktoren immer beunruhigender.

Erstens: daß ich vor dem Start der Zeitmaschine sehen könnte, daß mein zukünftiges Ich die Maschine bereits erfolgreich in jene Vergangenheit zurückversetzt hat, die meine Gegenwart sein wird, wenn ich den Versuch machen werde. Diese Rückkopplung erzeugt mir schon beim Nachdenken einen gewissen Schwindel. Eine Gedankenschleife, die ich immer wieder durchlaufen habe.

Zweitens: daß die (rämliche) Geschwindigekit der Zeitmaschine durch den Zeitsprung exponentiell zunehmen könnte; die Maschine könnte so zu einem äußerst gefährlichen Geschoß werden. Ich habe einen ausreichend großen Bereich abgesperrt. Ich werde jetzt noch den Schlitten, auf dem die Maschine gleitet, verstärken. So wird sie hoffentlich ausreichend geschützt sein, um nicht beim Aufprall zu zerbrechen. Ich habe den Schlitten so konstruiert, daß er tatsächlich ein wenig wie jene Schlitten aussieht, die Kinder auf verschneiten Hängen benutzen. Die Kufen sind allerdings viel breiter, weil sie ja womöglich mit hoher Geschwindigkeit auf dem Erdreich zu gleiten in der Lage sein müssen. Neben den Kufen befinden sich noch die Rollen, mit denen der Schlitten in der Schienenkonstruktion der Startrampe sitzt.

Ich werde heute nochmals das Gelände auf Unebenheiten untersuchen lassen. Auf einer Länge von 500 Metern ist vor der Rampe auf weichem Mutterboden eine derart ebene Rasenfläche angepflanzt worden, daß man sie mit einigem recht als »englisch« bezeichnen könnte.

Um dem ersten Problem zu begegnen, habe ich gerade Bartolomé beauftragt, an der Rampe eine Sichtsperre zu errichten. Er hat mir versichert, alles daranzusetzen, um bis morgen fertigzuwerden. Der Versuchsablauf wird so, wie ich es für nötig halte, um meine Wahrnehmung und Erinnerung als Einflußfaktoren auszuschalten, fast wie ein religiöses Ritual aussehen:

Ich werde das ganze Gelände räumen lassen. Bartolomé wird am Haupttor Wache halten. Ich werde einen Gehörschutz aufsetzen und mir meine Nase mit einer Klammer verschließen, um auch meinen Gehör- und Geruchssinn auszuschalten.

Dann werde ich die Maschine nehmen und zur Startrampe tragen. Die Wände, die Bartolomé errichtet, werden mir die Sicht auf das Testgelände verperren. Ich steige zügig die Stufen zur Startrampe hinauf und bringe den Prototypen mit seinem in Position. Ich betätige eine Kurbel, um die Feder zu spannen, die den Schlitten abstoßen soll. Dann ziehe ich den Haltehebel, der Schlitten wird abgestoßen und gleitet auf den Schinen der Rampe in einer nicht zu steilen Parabelbahn abwärts. Er nimmt dabei genug Fahrt auf, um die notwendige Geschwindigkeit von 1,5 Meter pro Sekunde zu erreichen. Dann gleitet er noch ein Stück waagerecht, so daß auf- und abwärtsgerichtete Kräfte ausgeglichen werden; er passiert den Auslöser, der an der Schiene angebracht ist; der Feldaufbau wird ausgelöst und dauert 0.95 Sekunden. Währenddessen wird die Maschine noch etwas weniger als anderthalb Meter auf den Schienen weitergleiten. Wahrscheinlich wird ihre Geschwindigkeit zunehmen, während sie in die Zeittransversale übergeht. Das Feld wird bei geringer Stärke 3 Sekunden aufrechterhalten. Dann wird der Energievorrat der Zeitmaschine aufgebraucht sein (die Betriebsdauer so quasi »absolut« zu begrenzen und nicht durch eine vielleicht versagende automatische Abschaltung, erscheint mir sicherer).

Ich werde, nachdem ich den Starthebel gezogen habe und die Maschine durch einen Vorhang aus Gummistreifen geglitten ist, meine Uhr zur Hand nehmen und zur Sicherheit genau 1 Minute abwarten, bis ich hinter der Sichtsperre hervortrete. Was ich dann vorfinden werde, kann ich heute zwar begründet vermuten – aber wissen kann ich es nicht. Aber morgen werde ich es endlich, endlich erfahren.


Die Illustration zeigt eine Potentialgrafik des Tempotronenflusses, wie er beim Aufbau eines ›klimaktischen‹ Zeitfeldes hervorgerufen wird. Diese Art von Feld wurde durch Riehtbiel verwendet, bis es ihm möglich war, die heute noch gebräuchlichen instantanen Felder zu erzeugen. — Der Hrsg.

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  • Kurzum


    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

    »Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau) (6. 5. / 16 Uhr)

    »Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller) (2. 5. / 14 Uhr)

    »One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)(10. 4. / 17 Uhr)

    da seh ich wundernd das erschrockne thier
    zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
    sie aber blickt mit groszen augen flehend
    mich an. so stehn wir schweigend gegen einander (10. 4. / 15 Uhr)

    »Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, (4. 4. / 15 Uhr)

    »der hungir wart also gross dar czu,
    das sy frossin er aldin schu,
    spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« — Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)(2. 4. / 19 Uhr)

    »Es ist eine Zeit für die Muße,
    es ist eine Zeit für den Streit,
    es ist eine Zeit für die Buße,
    für alles die richtige Zeit.(24. 3. / 15 Uhr)

    自動思考 (Jidō shikō) bedeutet »Gedankenautomat« oder »automatische Gedanken«. (23. 3. / 10 Uhr)

    Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist. (22. 3. / 23 Uhr)

    Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik« (21. 3. / 15 Uhr)

    Das eigentliche sind nie die Einzelheiten — sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.(21. 3. / 14 Uhr)

    »Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein. (29. 2. / 20 Uhr)

    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

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