Ein junger Mann steigt in den Fahrstuhl. Er trägt sehr einfache, schlecht sitzende und sichtbar abgetragene Kleidung. Er lehnt sich mit ärgerlich verschränkten Armen in eine Ecke und starrt vor sich hin auf den Boden. So fährt er einige Stockwerke und spricht zittrig zu sich selbst.
Der Junge: Und das bleibt einem… das hat man dann. Formulare ausfüllen. Irgendwelchen Mist für ein paar Kröten machen. Für nix. Nichts zählt man.
Zwei Männer steigen ein. Der erste ist in mittlerem Alter und wirken wie ein Hausmeister. Der andere ist jünger und sehr smart. Er wirkt müde und abgespannt. Sie sind mitten im Gespräch.
Der Ältere: …und weißt du, was er dann gesagt hat?
Der Jüngere: Dein Sohnemann jetzt?
Der Ältere: Mhh.
Der Jüngere: Na?
Der Ältere: Er hat gesagt: Mami hab ich viel lieber als dich.
Der Mann beißt sich auf die Handknöchel, um plötzlich aufschießende Tränen zurückzuhalten.
Der Jüngere (bestürzt): Na komm schon. Das hat doch nichts zu bedeuten. (Er klopft ihm unbeholfen auf den Rücken.) So sind die Kinder nun mal. Die meinen das nicht so.
Der Ältere (heftig): Ja! Ich weiß ja! Aber… ich geb mir so mühe. Und dann…
Der Jüngere: Na immerhin hast du das alles. Weißt du, wie’s bei mir war?
Der ältere Mann hört nicht zu, er kaut weiter auf seinen Knöcheln herum. Der Jüngere proklamiert in den leeren Raum.
Der Jüngere: Aber ich. Ich bin allein. Sie habe ich getroffen. Und sie? Sie liest ihre Broschüren und telefoniert und dann ist sie müde. Müde. Und ich stehe dann im Treppenhaus, allein. Und sie sagt mir zum Abschied bloß: es ist wichtig, daß man sich bei sich selbst zu Hause fühlt. Wie kann man denn bei sich selbst zu Hause sein, frage ich?
Der Junge hat inzwischen in seiner Ecke stehend einen sehr dicken Filzstift aus der Jackentasche gezogen. Er schreibt damit etwas auf die Blechverkleidung der Aufzugkabine. Nämlich das Wort »Zumutbar«. Da erreicht der Fahrstuhl seine Etage und er steigt aus. Der ältere Mann bemerkt das Graffiti.
Der Ältere (empört): Was soll denn das jetzt? (Er bedenkt sich einen Augenblick, dann, resigniert:) Ach, was soll's auch?
Der Jüngere: Ich weiß nicht…
Der Ältere: Was?
Der Jüngere: Danach fragt ja eigentlich nie einer – was einem überhaupt zugemutet werden dürfte…
Der Ältere: …wenn's eine Gerechtigkeit gäbe.
Der Jüngere: Tja.
Die beiden steigen aus. Der Fahrstuhl ist leer.





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Unmut
Unzumutbar
bar
Wut