Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Ereignisse

Cosmin Eduard:

Es muß nichts geschehen. Es kommt lediglich darauf an, was man sich denkt. Vor allem, wenn man auf die richtige Weise denkt. Wenn man nicht bloß denkt, als würde es gelten, uferlos auf sich selbst einzureden. Wenn man vielmehr so denkt, daß die unheimlichen Regungen und instabilen Empfindungen den Kammerton vorgeben.

Dann aber ist es ja eigentlich ganz unerheblich, ob noch etwas geschieht: es geht nur um die Gedanken, also den Inhalt – nicht die zufälligen, willkürlichen und launischen, verwirrenden und verwickelnden, rasch verschwundenen Geschehnisse und Taten – also die Form.

Daß wir nach Ereignissen Ausschau halten, ist sowieso bloß eine Schwäche, aber sie ist entscheidend. Wir erhoffen uns von den Ereignissen Ablenkung, ob wir es uns eingestehen oder nicht. Aber die Ereignisse sind ja nur eine fade Ablenkung, und sie können ohnehin gar nichts enthalten, was man sich nicht genauso gut ohne sie, gleichermaßen ereignis- wie vollends tatenlos denken könnte, sofern man nur auf die richtige Weise zu denken versteht.

Wenn man sich einen einigermaßen zum Stillhalten fähigen Menschen vorstellt, sagen wir, während er sich einen Sonnenuntergang besieht (den er nicht pompöserweise irgendwo auf der Welt herausgekramt hat, in der Südsee oder auf einem Berg oder sonstwo), einen Sonnenuntergang, den dieser Mensch rein zufällig vorfindet, sagen wir: während er auf einen Zug wartet. – Sogar dann noch, wenn man sich einen solchen zum Stillhalten einigermaßen fähigen Menschen vorstellt, wird man bemerken, daß er den Sonnenuntergang nicht lange ertragen kann, es sei denn, daß mindestens zwei Vögel den Himmel überqueren, auf einem kahlen Baum landen, sich wieder in die Luft erheben und so weiter; wenn nicht wenigstens drei oder vier Wolken am Himmel sind, die langsam weiterziehen und dabei ihre Form ändern oder die Farbe sich ändert, die ihnen die sinkende Sonne verleiht. – Ein karger Himmel, eine reglose Landschaft, ein bis zum Stillstand in die Länge gezogener Sonnenuntergang käme jedem, noch dem Geschicktesten, langweilig vor.

Dabei geht es bei Sonnenuntergängen gar nicht darum, daß sich Vögel wie Scherenschnitte vor dem loheroten Hintergrund bewegen oder dergleichen – es geht nur darum, was man sich denkt. Es geht um den Punkt am Horizont, den man mit dem Blick festhält, weil man sich angesichts seiner vorstellen kann, wie irgendwo ein Übergang zu finden ist, wenn man nur lange genug einer graden Linie folgt. Es geht um den Wiederhall im Innern, um alles, was sich im Gedankenapparat löst und abfließt, wenn das äußere Klima zuträglich ist.

Es geht nicht um den Sonnenuntergang. Es geht nie darum, was geschieht. Die Geschehnisse sind vom Standpunkt der Gedanken aus betrachtet, die man auf die richtige Weise denkt, austauschbar, beliebig und am Ende entbehrlich. Es geht darum, den Übergang zu finden, den Punkt, an dem aus einer bloßen Ansammlung von Eigenschaften, Entscheidungen, Taten und vor allem: von Ereignissen, die schneller kommen und gehen, als man sie überhaupt verstehen kann – etwas wird, das notwendig ist; den Punkt zu finden, an dem man bloß noch ist, darum geht es.

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 25. Februar 2012 um 15:10 | Permanent-Link

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    »Allein im Walde weilen einzeln einsam wir,
    Gestutzten Stämmen ähnlich im Gehölz:
    Gar mancher neidet mir so glaues Glück,
    Wie Höllengauch dem Himmelgänger giert.«(20. 11. / 14 Uhr)

    Dem Jüngling aber, welcher frühe
    Durch's Beispiel angesteckt, den rechten Pfad verlor,
    Sein unerfahrnes Herz bethören ließ, sein Ohr...(20. 11. / 14 Uhr)

    »Der Silberblick des Himmels läuft mit zertragenen dunkeln Flocken an.« (Jean Paul) (13. 11. / 10 Uhr)

    ...the concomitant of filthy and impure actions, and proceeded to such a degree of voluptousness and sordid uncleanness,(31. 10. / 13 Uhr)

    Kein Gräslein aller Menschen Fleiß
    nicht aus der Erd zu bringen weiß.(31. 10. / 12 Uhr)

    »Ein müssiger Kopf, ist des Teufels Dopf, in welchem er seine Bosheiten kochet, und denselben mit den Begierdammen ümschieret.« (Siegmund von Birken) (30. 10. / 10 Uhr)

    »Auf solche Weiße gebraucht sich des Redens, allein der Pöbel, welcher nichts bässers noch nützlichers, als der Kunstlehre ermanglend, vorbringen, inzwischen aber nit schweigen, kan.« (1. 10. / 14 Uhr)

    »So passionirt er fürs gute und rechte ist, so wirds ihm doch weniger darinne wohl als im unschicklichen«. (Goethe)(4. 9. / 14 Uhr)

    Jedenfalls solange man es nicht versteht, eignet sich das Gotische und Althochdeutsche gut, um Zaubersprüche auszudenken: »aiva ubilin, ubilê birut, akrana ubila, ubilê gidancha.«(22. 8. / 11 Uhr)

    »sie eileten dem schif zu, jetzund wolt ein jeder mit gewalt hinein, Pelorus liesz nicht zu, schlug viel zu boden, sie erwürgeten einander wie die hund.« (Zitiert nach Grimms Wörterbuch) (15. 8. / 10 Uhr)

    »Ists nicht ein wunderding voran,
    Das die Warheit nirgend bleiben kan?«(14. 8. / 14 Uhr)

    »Pfahl / Mörsel / Spiß / Bley / Beil vnd Stangen /
    Rohr / Säge / Flamm / zuschlitzte Wangen /(14. 8. / 14 Uhr)

    »iebaʒ iebaʒ erkandte sie
    in leide unde ouch in pînen,
    daʒ si ein pilgerînen
    in dirre unstêden werlde was.«(2. 8. / 14 Uhr)

    »Die Geschichte aller Religionen und Philosophien lehrt uns, (2. 7. / 11 Uhr)

    »Bob blutet auf Gary beim Rausschleifen« — die poetischen Höhen abendlicher Fernsehunterhaltung. Auf der Mitte des Satzes »Schluß mit Basteln und Werken« wird leider ausgeschaltet. (29. 6. / 20 Uhr)

    »Allein/ wie viel verführt das Jrrlicht schnöder Lüste?
    Nichts ist/ womit ihr Sinn sich zu vergnügen wüste/
    Sie sagen: Jmmer her.   Man gibt/ so viel man hat; ...« Hans Assmann von Abschatz, Poetische Übersetzungen, »Unvergüngung/ aus dem Horatius.« (18. 6. / 14 Uhr)

    er schaut von oben länder hufen gleichen,
    und städte löchern; in den engen reichen (11. 6. / 14 Uhr)

    Grimms Wörterbuch: »einem den leib mittheilen, in fleischlichem sinne:« (11. 6. / 12 Uhr)

    »Wo viel ist, ist der Teufel, wo nix ist, ist er zweimal.« (Sprichwort) (22. 5. / 10 Uhr)

    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

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