Eine konfabulierteKonfabulation ist »die Produktion von objektiv falschen Aussagen« bzw. von Märchen (lat. fabula), wobei der Konfabulierende von der Gültigkeit seiner Aussagen mehr oder weniger fest überzeugt ist. Es kann eine hirn­organische Störung zugrunde­liegen oder auch der bei Gesunden gelegentlich vorkommende Drang, sich an mehr zu erinnern, als tatsächlich der Fall ist (z.B. bei Kindheits­erinnerungen oder bei der Befragung eines Zeugen vor Gericht; es sind sog. provozierte K.).
  Die spontane K. liegt vor, wenn die Fähigkeit gestört ist, eigene Einfälle von realen Sach­verhalten zu unterscheiden. (»Patients with Korsakoff's syndrome characteristically confabulate by guessing an answer or imagining an event and then mistaking their guess or imagination for an actual memory. [Wikipedia]«
Realienkunde, ein Thesaurus, bar jeder Notwendigkeit assoziiert, eine Sammlung von Marginalien, über die im Unklaren zu bleiben, ich nicht auf mich nehmen wollte. Dem geneigten Leser im jeweiligen Kontext unterbreitet, in alphabetischer Ordnung. Anregungen für weitere Stichworte werden gerne entgegengenommen.

Im Lastenaufzug

Und als sich die Tür des Lastenaufzugs vor ihm schloß, er hatte sich gegen die Rückwand der Fahrstuhlkabine gelehnt, einem unwillkürlichen Schwachwerden folgend, aber er zog den Atem tief ein, das merkte er und hob den Blick zur Decke, auf der Suche nach einem Gedanken vielleicht, der eine Erklärung sein könnte, und blickte in das Licht dreier Leuchtstoffröhren in einem matten Kasten aus Kunststoff, Licht, das seine Augen reizte und ihn nicht wärmte –, entstand ein dumpfes Geräusch und er bemerkte die dunklen Schatten auf der Bemalung der Fahrstuhltür, vom Fett der Hände nämlich, die dort angefasst hatten, dazu der Abrieb von Körpern, die ungeduldig an der der Tür gestanden hatten, so daß sie an deren Knien oder Brustkörben entlanggelaufen war, dachte er, die Tür, als sie sich in der Wand versenkte, es waren die Spuren aus Jahren und Jahren des Betriebs, während derer sich diese Tür vor Menschen geöffnet, hinter ihnen geschlossen hatte; eine Tür aus drei Teilen, die sich ineinander- oder auseinanderschoben und den Resonsanzkörper bildeten für das dumpfe Geräusch, das entstand, wenn der Fahrstuhl sich schloß, denn der Türmechanismus war wohl aus der Form geraten, und die Tür prallte mit der langsamen Wucht schwerer Körper gegen die Kabinenwand, und daraus entstand ein hallender Donner und ein unterschwelliges Zittern der Kabine, so daß der Boden wie bei einem sehr leichten Erdbeben schwankte und man für einen Augenblick das Gefühl bekam, den Halt zu verlieren, kurz genug, daß man es nicht als grundlos abtun konnte, dieses Gefühl. Die Tür hatte sich hinter ihm geschlossen, der Boden hatte gezittert, die Körperspuren an der geschlossenen Tür waren zum Vorschein gekommen, derart überzeitlich und endgültig wie Bemalungen an Höhlenwänden, die das Eingreifen numinoser Gottheiten bei der Jagd für oder gegen die Jäger zeigen; das kalte Licht aus dem mattierten Kasten an der Kabinendecke hatte an seine Sehnerven gerührt: das Gefühl der Haltlosigkeit begleitete ihn abwärts, zusammen mit dem schleifen und brummen der Stahltrossen und des großen Motors im Schacht über ihm, und dem Holpern, wenn die verschlissene Kabine in ihren Schienen sprang und leicht gegen die Schachtwände stieß: und er wußte, daß er sich mit allem, was er war, geirrt hatte. So, dachte er, würde sich vielleicht ein Raumschiffkommandeur fühlen, der in einer aussichtslosen Schlacht auf die Brücke gefahren wurde, um den Angriff zu befehlen. Wenn es schon so sein muße, dann, dachte er, sollte es aus den richtigen Gründen so sein.

Im Lastenaufzug, 5.0 out of 5 based on 1 rating
15655
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Bewußtseinssturz und getagged , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. |drucken

Ein Kommentar

  1. Erstellt am 20. Januar 2012 um 11:47 | Permanent-Link

    http://www.youtube.com/watch?v=Kpn2LeoQMtk

    VA:F [1.9.17_1161]
    Wertung: + 0 | - 0

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bild einfügen

Um ein Bild (im jpg-Format) in Ihren Kommentar einzufügen, wählen Sie bitte die entsprechende Datei auf Ihrem Computer aus. Das Bild wird dann automatisch eingesetzt. Sie können die Position nachträglich verändern. Es können auch mehrere Bilder hochgeladen werden.

  • Kurzum


    »...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther) (9. 5. / 14 Uhr)

    »Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau) (6. 5. / 16 Uhr)

    »Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller) (2. 5. / 14 Uhr)

    »One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)(10. 4. / 17 Uhr)

    da seh ich wundernd das erschrockne thier
    zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
    sie aber blickt mit groszen augen flehend
    mich an. so stehn wir schweigend gegen einander (10. 4. / 15 Uhr)

    »Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, (4. 4. / 15 Uhr)

    »der hungir wart also gross dar czu,
    das sy frossin er aldin schu,
    spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« — Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«(3. 4. / 13 Uhr)

    »...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)(2. 4. / 19 Uhr)

    »Es ist eine Zeit für die Muße,
    es ist eine Zeit für den Streit,
    es ist eine Zeit für die Buße,
    für alles die richtige Zeit.(24. 3. / 15 Uhr)

    自動思考 (Jidō shikō) bedeutet »Gedankenautomat« oder »automatische Gedanken«. (23. 3. / 10 Uhr)

    Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist. (22. 3. / 23 Uhr)

    Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik« (21. 3. / 15 Uhr)

    Das eigentliche sind nie die Einzelheiten — sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.(21. 3. / 14 Uhr)

    »Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein. (29. 2. / 20 Uhr)

    »I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...« (3. 2. / 17 Uhr)

    »Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« (24. 1. / 12 Uhr)

    »Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] (18. 1. / 12 Uhr)

    »Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. (17. 1. / 13 Uhr)

    »Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45) (17. 1. / 12 Uhr)

  • Tags

  • Pressalbum

    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog
    Bild vom Tumblr-Photoblog

  • Rubriken

  • Energiestand

    Das Geräusch des Lastenaufzugs

  • Alles in allem…

    • Texte 1.666
    • Wörter 374.889
    • Rubriken 39
  • Statistischer Schlußstrich

    • in 35 Jahre, 4 Monaten, 7 Tagen, 11 Stunden, 51 Minuten, 31 Sekunden