»...durch dein Gnade hilf mir, das in mir mein Name abgehe und ich zu nichte werde.« (Luther)
»Die meisten Luxusgüter und viele der sogenannten Bedürfnisse des täglichen Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern sogar Hindernisse für die Entwicklung des Menschen. Ein Mensch ist so reich wie die Anzahl der Dinge, auf die er verzichten kann.« (Henry David Thoreau)
»Gebärden und äußerer Anstand verkündigen einen Mann, den die Welt ausgebildet hat.« (Schiller)
»One’s destination is never a place, but a new way of seeing things.« (Henry Miller)
Nämlich aus Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch. Wikiquote merkt an, daß im Originalzitat »looking at things« steht; aber man zitiert zu Recht fehlerhaft, denn so klingt es schöner.
da seh ich wundernd das erschrockne thier
zu einer nonne füszen zitternd liegen [...]
sie aber blickt mit groszen augen flehend
mich an. so stehn wir schweigend gegen einander —
Schiller, Die Braut von Messina, 702, zit. n. Grimms Wörterbuch, s.v. »gegen«
»Tissot erzählt von einem Kranken, der im Anfang der Krankheit schwarze Galle brach, und noch einige Stunden vor seinem Tode faselnd und mit Heftigkeit eine Aderläß verlangte, die ihm ein Bartscheerer machte. Gleich darauf verfiel er in die heftigste Hirnwuth, welcher bald ein gäher Tod folgte. Die Klara Sied verlangte auf der höchsten Stufe der Krankheit, wo sie ganz ausser sich war, nicht nur ein Messer, um den Magen aufzureissen, sondern auch dringend und hartnäckig eine Aderläße, die ihr gewiß den Tod gebracht hätte.«
Franz Joseph Gall, Philosophisch=Medicinische Untersuchungen über Natur und Kunst im kranken und gesunden Zustande des Menschen, 1. Band, Wien: Rudolph Grässer und Comp. 1791, §. 114., S. 672.
»der hungir wart also gross dar czu,
das sy frossin er aldin schu,
spru, trebir, unde waz sy mochtin gehan.«
Aus Johann Christoph Rothes Matthäuspassion, zit. nach Grimms Wörterbuch, s.v. »Treber«
»wer sein selbst kan seyn, der diene kaim.« Aber die Sprichwortsphäre scheint sich dieser Unbeugsamkeit nicht ganz sicher zu sein, denn: »wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht.«
Quelle: Grimms Wörterbuch, s.v. »sein« (Pronomen)
»...dass der Mensch an sich als universell kriminelles Wesen auf die Welt kommt, aber durch die Erziehung sozialisiert wird und dann sich in der Regel normal verhält. « (Reinhard Haller)
»Es ist eine Zeit für die Muße,
es ist eine Zeit für den Streit,
es ist eine Zeit für die Buße,
für alles die richtige Zeit.
Und wer um sie weiß, der ist weise
und eins mit dem, was ihm geschah,
wie keiner in unserem Kreise;
sonst säßen wir alle nicht da,
ihr Freunde, um einen zu heben,
und hätten geprahlt nicht, geträumt,
und hätten nicht alle zu leben
und mancher zu sterben versäumt.«
Die Wasseraffen-Theorie (oder die »Litoraltheorie der Hominisation«), die evolutionäre Psychologie (die »Modularität des Geistes«) und daß die Angst vor Krokodilen vielleicht die älteste ist.
Identitätsmanagement, die Work-Life-Balance, rollende Soundpanzer, Finanzvehikel und die »Hydra-Logik«
Das eigentliche sind nie die Einzelheiten sondern das, wie sich alles Einzelne zu einer großen Gestimmtheit verwebt.
(Wahrscheinlich ist die Wirklichkeit hinter allem was man magisch nennen könnte gerade die alles konstituierende Wirkung, die das Geflecht aus Stimmung auf das menschliche Innenleben hat, ohne daß wir davon allzuviel wissen; -- und die Fähigkeit, die manch einer vielleicht haben kann, daran einzelne Knoten festzumachen.)
»Klötßze« scheint mir, auch wenn es lediglich das homunkulöse Ergebnis eines Computerlesefehlers ist, ein urteutonisches Wort zu sein.
»I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions...«
Der Ausspruch stammt von Metthew Herbert, der in einem Interview über sein Album »One Pig« befragt wurde:
»Recorded over the lifetime of one animal from birth (rustling straw and grunts), through life (the sounds of a farm and the English weather) and eventual eating (the album ends with the sound of cutlery on crockery), One Pig is a thoughtful meditation on what Herbert describes as "the drama and the melancholy of nurturing animals to slaughter them to eat."
Herbert himself is a meat-eater. "My intention was to understand the consequences of that decision and to witness the whole process, and in doing so I wanted to amplify that quite explicit but often entirely invisible friction that's constantly surrounding us between things that we do and the consequences of our actions," he says. "It's a very important part of my work generally — pushing my microphone into these darkened holes."«
»Was heißt es anders als der Vernunft entsagen, wenn iemand ein höchstes Wesen läugnet, das alle Dinge erhält, regirt, und was ewig im Begrif ist, aus einander zu fallen...« Der hier nicht zitierte Fortgang des Satzes dreht die Verhältnisse freilig wieder einmal herum (nicht Gott fällt auseinander, sondern alles übrige ist in Gefahr, dieses Schicksal zu erleiden), allerdings ist der erste Satzteil erstaunlich in seiner ungewollten Kühnheit.
»Was ist für ein fixer Punkt meines unveränderlichen Daseyns in mir, vermöge dessen ich trotz alles Abreibens und Wegdünstens der Materie doch immer der Nämliche bin? [...] eine Hülle, die aus ähnlichen Bestandtheilen nach dem Plan und Gesetz gebildet ist, wenn auch gleich nicht die nämlichen Erdtheilchen, die die Natur diesen Sommer in der Organisation einer Bohne vereinigte, und die heute, als ich sie aß, in einen pars mei animalisirt wurde, wieder an dem nämlichen Ort werden zu finden seyn, wo die Natur sie jetzt zur Erhaltung des Körpers anbringt.«
J.P. Hebel, »Auferstehung«
»Im Schlaf empfand er Schmerz. Gern und oft, u. geschickt bringt die Phantasirende Seele im Traum ihr bilderreiches Spiel mit der Disposition u. den Empfindungen des Körpers in Verbindung. Der Mann, mit dem J[akob] kämpfte, stoßt ihn iezt in die Hüfte. Am Morgen ist Jak. steif, u. hinkt, wie natürlich.«
Johann Peter Hebel in einer Notiz zum »Kampf am Jabbok« des Patriarchen Jakob (Gen. 32).
»Je befriedigender die Gegenwart ist, desto zufridener Ruht auf ihr das Auge; wozu alsdann der Blick in die Zukunft, der mehr zehrt als sättigt?« (J.P. Hebel, Notiz zu Ps. 45)
Und weiterhin der Ichneumon, von dem Plinius zu berichten wusste, daß er schlafenden Krokodilen in den Leib kriecht, um deren Herz an Ort und Stelle zu fressen.
Philander von Sittewalt — ein Name, der ohne alles weitere auskommt; ohne seinen Träger wüssten wir nicht, daß das Dunkle notwendige Zutat für gutes Munkeln ist.
Der deutliche, gutturale Widerwille beim Gedanken an wirkliche Spezialisierung (ein Gefühl, wie als Kind allein im Fahrstuhl, wenn es im sechsten Stock ein Knarren in der Kabine gab) .
Und die subtile, nuancenreiche Schönheit jener Bewegung, die eine unbekannte Frau im Großraumlabor jenseits des Innenhofs im leuchtenden Fenster mitten im Wintermorgen gemacht hat, als sie sich in den Raum hinter ihr zurückgewandt und dabei beinahe über die Schulter geblickt hat, um zu sehen, ob ihr ihr zuschaue; das Katzenhafte, unwillkürlich muskulöse in der dabei entstandenen Linie vom weißen Hals bis hinab auf die Hüfte.
die flöte an den mund, den topf ans feuer, den stul an die wand, die feder an das papier, den pinsel an die leinwand, die axt an den baum, den ermel an den rock, die klaue an das fleisch, die leiter der mauer ansetzen, die lanze gegen den feind, das pferd gegen den ritter ansetzen; dem rock die knöpfe ansetzen. wo die eisige luft mir den athem an den haaren zu reif ansetzte. erz, salz, rost setzt an. land setzt an; der brei im topf, der schimmel setzt an; die rinde setzt an; das korn setzt an. das fieber, die krankheit setzt an; die schmerzen setzten heftiger an. es war ein ziemlich naher tag zur ausführung dieser schönen heldenthat angesetzt. und jeder floh / setzt an die braut sich an. &madsh; er het ein laute, starke stimm, die im nit erlag; mir ist die pfeif erlegen; mir wird erligen der gesang als der nachtigallen; mir erliegen die gedanken: im kampf mit diesem paradoxenheer / erlieget ihm die kraft der überlegung. er erlag der entzückung; damit nicht etwan der subtilste theil verschwinden, der grob und dicke aber erligen und sitzen bleibe. das pferd erlag seiner last; das heer erlag dem feinde.
Gebr. Grimm, Deutsches Wörterbuch, s.v. »ansetzen« und »unterliegen«
»Everyone is beautiful, traffic like a funeral
And everybody tries to keep in touch«
The Weepies, Not Dead Yet
Das merkwürdige Erscheinungsbild der Auflösung, die den Mond befallen hat, an einem Abend, der den Herbst mit wenig letztem Licht auf die Häuser streicht, weil es jetzt nämlich sonderbar fiedrige Wolken gibt, in denen der Mond ertrunken ist; und weil die Sonne, wie einen einzelnen Tropfen Blut in einer Wanne, im Untergehen etwas Rosa am Himmel zurückgelassen hat; das Triumpfstöhnen der Nachbarn; die zwei jungen Fliegen an der Scheibe, die wohl von einem vergessenen Stück Obst herrühren -- sie laufen den randlosen Umriß jenes Mondes ab, der schon, ganz eine geschäftige Wasserleiche, ein spürbares Stück weitergetrieben ist dort oben. Jetzt ist er fort. Ich stelle mir ein Geschwader Hubschrauber vor, ich höre die Funksprüche, Delta-Lima-Foxtrott-Fiv-er. Von von irgendwo breiig einige Akkorde Musik. Und da ist die Zeit, daß alles zu beobachten, um.
»... — nur ein Weiser, der die Sehnen und Fasern des menschlichen Herzens oft und mit Glück entwickelt, und die Einbildungskraft bis in ihre feinsten Blutgänge zergliedert hat — ... «
A. M. von Thümmel, Sämmtliche Werke, 4. Bd., Leipzig 1839, S. 229.
(Überhaupt ist es reizvoll, sich die zusammengesetzten Wörter mit »Blut∼« anzusehen, die bemerkenswerte Bildworte abgeben; so z.B. das »Blutgeld«, nämlich die Gebühr für den Aderlass.)
»Von dem hochgelegenen französischen Viertel schob sich langsam wie ein Lavastrom eine Masse von Schmutz, Abfall, geronnenem Blut, Gedärmen, Tier- und Menschenkadavern. In diesem in allen Farben der Verwesung schillernden Gemenge stapften die letzten Träumer herum. Sie lallten nur noch, konnten sich nicht mehr verständigen, sie hatten das Vermögen der Sprache verloren. Fast alle waren nackt, die robusteren Männer stiessen die schwächeren Weiber in die Aasflut, wo sie, von den Ausdünstungen betäubt, untergingen. Der grosse Platz glich einer gigantischen Kloake, in welcher man mit letzter Kraft einander würgte und biss und schließlich verendete.« (Alfred Kubin, Die andere Seite, München 1990=1909, S. 304)
Protohorror: Und der Mensch, in dem der böse Geist war, stürzte sich auf sie und überwältigte sie alle und richtete sie so zu, daß sie nackt und verwundet aus dem Haus flohen. (Apg. 19,16)
»A snake can shed its skin but never change. « (I Like Trains)

Incensol ist ein Anxiolytikum und zwar der Wirkstoff im Harz der Boswellia sacra. Das sollte man nicht außer Acht lassen.
Man könnte einiges daraus ableiten, daß wir heute nicht mehr wie früher vom »Lüfteplan«, sondern vom »Luftraum« sprechen.
Früher wurde der Himmel z.B. so beschrieben:
»So durch blauer Lüfte Plan
Ziehet das Gewölk die Bahn,
Himmelstrauer, Himmelsfrieden
Strahlt es in die Thale nieden.«
(Aus dem Gedicht "Strom und Wolke" A. Stöbers)
Seit der Erfindung der Luftfahrt ist die Luft kein »Plan«, keine ebene Fläche mehr, die man aus weiter, unüberbrückbarer Entfernung betrachtet, sondern ein Raum, in dem man sich bewegen kann.
Das eigentlich Interessante an dieser Marginalie ist, was man daraus ableiten kann. Wenn die Luftfahrt den Lüfteplan zum Luftraum gemacht hat und sich heute niemand mehr die Luft wie eine Leinwand vorstellen würde, auf der merkwürdige Geschehnisse zu sehen sind -- wie viele unserer heute unumstößlichen Begriffe werden irgendwann durch eine technische Erfindung obsolet und durch ganz andere Begriffe ersetzt werden, hinter denen Wahrnehmungen stehen, die uns heute ganz unvorstellbar sind?
»I don't think the human race will survive the next thousand years, unless we spread into space. There are too many accidents that can befall life on a single planet.« (Stephen Hawking)
»[We] believe that the majority of people today are too focused on their everyday life and do not have enough time to talk about the outer space. A person who understands the ways of the Universe will see the Earth through different eyes. ... The Universe is enormous, and people are incredibly insignificant in the infinite space, full of unknown dangers.
...[We] would like to believe that by presenting the Universe to people, it is possible to change their attitudes towards our planet, life itself and each other. The authors are confident that the understanding of a person's own place in the Universe gives people internal freedom, the ability to appreciate oneself and to focus on the real problems, rather than on the vain ones.«
(Editorial auf wikisky.org)»In diseme versinket de geluterte verklerte geist in daz götteliche vinsternisse, in ein stille swigen und in ein unbegriffenlicheme und unsprechenlicheme vereinen, und in diseme insinkende wurt verlorn alles gelich und ungelich, und in diseme abegrunde verlúret der geist sich selber und enweis von Gotte noch von ime selber noch gelich noch ungelich noch von núte nút, wan er ist gesuncken in Gottes einikeit und hat verlorn alle underscheide. Lieben kinder, so welich mensche dis bevinden wil, der můs allen creaturen und ime selber sterben und Gotte alleine luterlichen leben, und nút in den sinnen enmůs er leben und nút uzlouffen nu har nu dar, nu sus nu so, in manigvaltige manigvaltikeit und unssewendikeit; alleine es gůte werg schinent, so ist es diseme ein gros hindernisse danne alleine Gotte leben luterlichen in allen dingen und Gott in allen dingen nemen und alle ding in ime.«
Johannes Tauler: Predigt 28
»Übergroße Lichtmengen (Blitz) oder überraschende Schatten im Gesichtsfeld, die Gefahren signalisieren, können Panikattacken mit heftigen Flucht, und Abwehrreaktionen auslösen, völlig unabhängig und nicht korrigierbar seitens unseres Bewusstseins.«
Fritz Gorzny in: Der Augenoptiker. Das Magazin für Sehen und Aussehen, 7/2010
»Da bin ich zu Chemoprusak geworden und habe den Rohrreiniger angeheult, der oben auf dem Küchenschrank steht. Ich dachte, das kannst Du Dir denken.« (Quelle unbekannt)
»A hat dem B mit einem Schlag ins Gesicht eine Körperverletzung zugefügt. Fragt man nur anhand der Äquivalenztheorie, welches Ereignis man nicht hinwegdenken kann, ohne dass die Körperverletzung entfällt, so kommt zunächst der Schlag des A in Betracht. Denkt man weiter, kommt auch die Geburt des A, seine Zeugung, das Kennenlernen der Eltern des A usw. in Betracht. «
Ein (sprachlich etwas geglätteter) Eintrag aus diesem Lexikon zum Begriff "regressus ad infinitum".
»I'm just proud to be on the right side of the dirt ...
I leave the hard stuff up to God
Try not to worry 'bout a whole lot«
Trace Adkins, Proud To Be Here
Ernst Friedrich Schumacher die 10,000 Year Clock, das Tagebucharchiv, schließlich Samuel Pepys und das »Metaphor Program« der Geheimdienstbehörde »Intelligence Advanced Research Projects Activity«