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	<title>Rauhfasler &#187; Auf Empfang</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Erdbeeren</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 10:28:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.gutenberg.org/ebooks/20095"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/fenster.jpg" alt="Illustration aus Charles Brooks, Journeys to Bagdad (via gutenberg.org)" title="Illustration aus Charles Brooks, Journeys to Bagdad (via gutenberg.org)" width="500" height="231" class="rand size-full wp-image-3773" /></a></p>
<p>Im Haus mit den blauen Fensterrahmen und blauen T&uuml;ren, ein Neubau, die Klinkersteine sind glasiert, davor stehen in regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden H&uuml;fthohe Bronzeskulpturen, die nur halbe Gesichter haben, in dem Neubauhaus, vor dem morgens immer zur gleichen Zeit ein Kleinbus parkt, hinten eine Doppelt&uuml;r, dort kann eine Hebeb&uuml;hne ausgeklappt werden, wie ich gelegentlich mit einigem Interesse beobachtet habe, dort, wo ich morgens immer zur gleichen Zeit vorbeigehe und im Vor&uuml;bergehen den Kleinbus wiedererkenne, der immer, wenn ich vorbeigehe, in einer komplziert wirkenden Prozedur in der engen Stra&szlig;e in eine Parkbucht man&ouml;vriert wird &#8211; meistens sammeln sich die blaugrauen Abgase aus dem seitlich gelegenen Auspuff zu einer dichten Atmosph&auml;re von Schwerindustrie &#8211;, dort h&ouml;re ich jetzt, am glei&szlig;end hitzigen Nachmittag, aus einem der verschatteten blauen Fenster: immer wieder denselben Schrei. Er ist nicht &auml;ngstlich. Nicht aggressiv oder irgendwie von einer nachvollziehbaren Stimmung gepr&auml;gt; er ist rein artifiziell, ein n&uuml;chtern betriebener Selbstversuch mit Kehle und Stimmb&auml;ndern, ein distanziertes Bellen, ein kompromittiertes Gebr&uuml;ll, aus dem sich der Br&uuml;llende vollkommen heraush&auml;lt. Vor der T&uuml;r aber steht ein &auml;lterer Herr und fragt alle, die an ihm vor&uuml;bergehen ebenso wie andere, die nie diese enge Stra&szlig;e betreten haben und sie auch nie betreten k&ouml;nnten, nach einer Zigarette. Mich fragt er, pl&ouml;tzlich gedankenverloren, nicht &#8211; und ich gebe ihm eine Zigarette. Pl&ouml;tzlich frischt der Wind auf und rei&szlig;t von einem Spielplatz, der gleich neben der Stra&szlig;e liegt, eine dichte Sandwolke los, die auf mich zukommt und mich einh&uuml;llt, ohne da&szlig; ich es begreife. Die Welt ist fort. Ich habe gerade, f&auml;llt mir ein, oder ich wiederhole es mir mit fremder Stimme selbst, gerade habe ich einen Menschenforscher sagen h&ouml;ren: der Untergang kommt; n&uuml;chterne Menschen, sagte er, reden davon. Der Sandsturm legt sich und noch bevor ich an der Stra&szlig;enecke angelangt bin, habe ich meine Tr&auml;nen mit dem Hemds&auml;rmel abgewischt, es bleibt eine sandige, rote Spur. Die Schreie sind &uuml;ber den Verkehr hinweg nicht mehr zu h&ouml;ren; aber das bemerke ich nicht: Es werden Erdbeeren zu g&uuml;nstigem Preis angeboten.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gl&#252;cksbaum</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 10:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Triptychon, dessen Mitteltafel und beide Fl&#252;gel wiederum zusammengesetzt sind, jeweils aus vier v&#246;llig gleichen Rechtecken, ebenm&#228;&#223;ig mit einem grauen Schleier &#252;berzogen, ist mein Fenster. Der rechte Fl&#252;gel ist schr&#228;g nach vorne gekippt (das w&#228;re f&#252;r ein wahres Triptychon sehr bedauerlich) und durch den so entstandenen Spalt dringt der noch eben blaue Himmel herein. Au&#223;erdem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/tree.jpg" class="floatbox" rev="group:3701 caption:`Ein Baum. Illustration aus: John Evelyn, Sylva. Or A Discourse of Forest Trees (Projekt Gutenberg)`"><img class="rand size-medium wp-image-3703" title="Ein Baum. Illustration aus: John Evelyn, Sylva. Or A Discourse of Forest Trees (Projekt Gutenberg)" src="/wp-content/uploads/2009/05/tree-258x300.jpg" alt="Ein Baum. Illustration aus: John Evelyn, Sylva. Or A Discourse of Forest Trees (Projekt Gutenberg)" width="258" height="300" /></a></p>
<p>Ein Triptychon, dessen Mitteltafel und beide Fl&uuml;gel wiederum zusammengesetzt sind, jeweils aus vier v&ouml;llig gleichen Rechtecken, ebenm&auml;&szlig;ig mit einem grauen Schleier &uuml;berzogen, ist mein Fenster. Der rechte Fl&uuml;gel ist schr&auml;g nach vorne gekippt (das w&auml;re f&uuml;r ein wahres Triptychon sehr bedauerlich) und durch den so entstandenen Spalt dringt der noch eben blaue Himmel herein. Au&szlig;erdem der schl&auml;frige Gesang der V&ouml;gel.</p>
<p>Und ein Ger&auml;usch, das quer durch alle Jahreszeiten immer gleich bleibt, nur durch das schlimmste Unwetter verschlungen oder durch v&ouml;llige Windstille zum Schweigen gebracht wird: ein metallisches Pochen, das ich eigentlich jeden Tag, aber lange nicht mehr wirklich geh&ouml;rt habe. Es ist ein solches Pochen, wie man es gemeinhin in einem Hafen erwarten w&uuml;rde, obwohl es zu weit bis zum n&auml;chsten Hafen ist, als da&szlig; man ihn h&ouml;ren k&ouml;nnte (au&szlig;er wenn ein wirklich gewaltiges Schiff sein Nebelhorn bis zum Rand mit Druckluft f&uuml;llen w&uuml;rde; aber solcher Nebel ist wahrhaft selten).</p>
<p>Ein metallisches Pochen, das mir, wenn ich das Triptychon in dieser rotgef&auml;rbten Fensterh&ouml;hle zur&uuml;ckgelassen haben werde, als Inbegriff f&uuml;r Heimat gelten wird, zusammen mit jenen anderen, fr&uuml;heren Inbegriffen: mit einer Transformator-Station aus Waschbeton, die den Strom meiner Kindheit umgespannt hat; mit der merkw&uuml;rdigen Rauhigkeit, mit der die t&ouml;nerne Oberfl&auml;che eines Schraubdeckels unter den Fingern liegt, den ich auf den Schlund schrauben mu&szlig;te, worin eine Sicherung zu versenken war (w&auml;hrend eine unklare Furcht vor der t&ouml;dlichen Elektrizit&auml;t am Boden dieses Schlundes den Nacken streichelte); zusammen mit dem Erstaunen dar&uuml;ber, da&szlig; die Gegensprechanlage am T&uuml;rrahmen zehn verschiedene Klingelt&ouml;ne anbot und mit dem Geruch des Treppenhauses, mit der vollendeten, schutzlosen Weichheit des Lichtes, das durch die matte, gemusterte Scheibe der Haust&uuml;r drang.</p>
<p>Vor dem halb aus den Angeln geratenen Triptychonsfl&uuml;gel steht in einem breiten Terakottatopf &uuml;brigens eine merkw&uuml;rdige Pflanze. Ich habe sie irgendwann gekauft, weil ihre zwei mageren, spitzen Bl&auml;tter vor dem Hintergrund des &uuml;pprigen Gr&uuml;ns im Pflanzengesch&auml;ft mein Mitleid erregten. Und &uuml;ber die Jahre hat dieser Baum, mein still und rauh geliebter k&uuml;mmerlicher Freund, immer alle seine Bl&auml;tter verloren, bis auf zwei oder drei, die doch &uuml;brig blieben; zwei oder drei Bl&auml;tter, die immer nur am Ende des mit der Zeit l&auml;nger, kr&uuml;mmer und kahler werdenden Stammes wuchsen. </p>
<p>Ich habe in einem Botanischen Garten die Bl&auml;tter meines stummen, z&auml;hen Freundes wiedererkannt: An einem pr&auml;chtigen kleinen Baum hingen sie, mit einem lebensvollen Stamm, gerade gewachsen. Brachychiton rupestris &#8211; Gl&uuml;cksbaum. Ich habe daraufhin meinem mageren, verkr&uuml;ppelten Gl&uuml;cksbaum einen neuen Topf auf die Fensterbank gestellt und auch frische Erde gegeben &#8211; er hatte bislang mit mir nur wenig Gl&uuml;ck. Aber jetzt sitzt am Ende seines einzigen, d&uuml;rren Zweiges eine hellgr&uuml;ne Krone aus frisch gesprossenen Bl&auml;ttern: das ist ein Anfang.</p>


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		<title>Die Wirklichkeit der Fliegen</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 10:23:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt eine einfache Erkl&#228;rung daf&#252;r, da&#223; es einem nie gelingt, mit der blo&#223;en Hand eine Fliege zu erschlagen: Eine Fliege befindet sich eigentlich nicht an dem Fleck, an dem man sie mit Menschenweisheit vermuten mu&#223;. Sie ist nur scheinbar, nur aufgrund einer unangemessenen Vereinfachung dort. Das ist jedenfalls der Schlu&#223;, den man aus einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/fliegefliegend.jpg" class="floatbox" rev="group:3664 caption:`Fliegende Fliege (Bild:  Steven N. Fry/via ETH Live)`"><img src="/wp-content/uploads/2009/05/fliegefliegend-300x228.jpg" alt="Fliegende Fliege (Bild:  Steven N. Fry/via ETH Live)" title="Fliegende Fliege (Bild:  Steven N. Fry/via ETH Live)" width="300" height="228" class="rand size-medium wp-image-3666" /></a></p>
<p>Es gibt eine einfache Erkl&auml;rung daf&uuml;r, da&szlig; es einem nie gelingt, mit der blo&szlig;en Hand eine Fliege zu erschlagen: Eine Fliege befindet sich eigentlich nicht an dem Fleck, an dem man sie mit Menschenweisheit vermuten mu&szlig;. Sie ist nur scheinbar, nur aufgrund einer unangemessenen Vereinfachung dort.</p>
<p>Das ist jedenfalls der Schlu&szlig;, den man aus einer Mitteilung der Biologie ziehen mu&szlig;. Eine jener Erkenntnisse ist es, vor denen der unbedarfte Laie staunend stehenbleibt, weil er pl&ouml;tzlich eine klaffende L&uuml;cke in seiner Weltsicht vorfindet.</p>
<p>Man wei&szlig; n&auml;mlich &uuml;ber Fliegen, da&szlig; sie mit ihren Facettenaugen 200 Bilder in der Sekunde wahrnehmen k&ouml;nnen (das kleinere Wunder ist dagegen noch, da&szlig; sie Oben, Unten, Vorne und Hinten immer auf einen Blick erfassen, weil ihre Augen bekanntlich zwei Hemisph&auml;ren am Kopf sind, also immer schlichtweg alles sehen, was es &uuml;berhaupt zu sehen gibt).</p>
<p>200 Bilder in der Sekunde sind ungef&auml;hr das Zehnfache des menschlichen Wahrnehmungsverm&ouml;gens. Aber was bedeutet das? Das auf einen Augenblick nach Menschenma&szlig; zehn Fliegenaugenblicke kommen? Das zwischen Jetzt und Gleich, Hier und Dort, Vorher und Nachher immer der zehnfache Abstand besteht, sofern ein Mensch eine Fliege fragen w&uuml;rde? Das einer Fliege ein unzug&auml;nglicher Zwischenraum offensteht, in dem sie sich von ihrem vermeintlichen Ort (auf meinem Oberschenkel zum Beispiel) ohne mein Wissen an einen anderen Ort bewegen kann?</p>
<p>Das ist der Moment, in dem der Unbedarfte vor einem Loch, einem kaum auszulotenden Abgrund steht. Es stellen sich ungeheure Fragen: Wo wird die Zeit, die Fliegen ins voraus haben, aufbewahrt? Was geschieht, wenn ich mit der Hand oder eher noch mit einer Zeitung nach einer Fliege schlage? F&uuml;r mich ist die Strecke, die von der Zeitung zur&uuml;ckgelegt wird, klar bemessen: von irgendwo hinter meiner Schulter bis zu dem Punkt, wo die st&ouml;rende Fliege auf meinem Oberschenkel sitzt. Auch Anfang und Ende der Bewegung sind ordentlich getrennt durch ein Rauschen des aufgerollten Papiers in der Luft. Was aber sieht die Fliege? F&uuml;r sie geschieht w&auml;hrenddessen das Zehnfache! Aber wo kommen diese neun Zehntel Ereignis her, die einfach unbemerkt an mir vor&uuml;bergehen? Wie geschieht es, da&szlig; in den Bewegungsablauf ein betr&auml;chliches St&uuml;ck hineingeflickt wird, damit die Fliege es wahrnehmen kann? (Ganz zu schweigen von jenem Oben, Unten und Hinten, da&szlig; sich f&uuml;r die Fliege zu dem vergleichsweise beschr&auml;nkten Vorne addiert, da&szlig; unser Gesichtsfeld ausf&uuml;llt.)</p>
<p>F&uuml;r die Fliegen wird irgendwo ein besonderer Vorrat an Wirklichkeit aufbewahrt, um die l&ouml;chrige Realit&auml;t aufzuf&uuml;llen, in der Menschen leben. Und dieser Vorrat mu&szlig; angezapft werden, sobald nur eine Fliege den Raum betritt oder befliegt. &#8211; Oder ist es gar andersherum (und das w&auml;re, richtig besehen, noch viel beunruhigender): Ich bin teilweise &#8211; nein gr&ouml;&szlig;tenteils! blind, sehe nur ein mageres Zehntel von allem, was geschieht. Die Fliegen aber sehen alles. Da k&ouml;nnte ja wer wei&szlig; was geschehen, allein den Augen von Fliegen (und wenigen anderen, z.B. Libellen) zug&auml;nglich. Hundertachtzig Bilder in jeder Sekunde, die keines Menschen Auge jemals sieht. Neun Zehntel der Wirklichkeit sind uns entzogen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wird eine Fliegenklatsche zu einer besorgniserregenden Waffe: Sie ist ja offenbar im Stande, auf der Wirklichkeitsebene der Fliegen zu agieren. Richtig gehandhabt ist sie tats&auml;chlich schnell genug , um das Wahrnehmungsverm&ouml;gen der Fliegen zu &uuml;bertrumpfen. Die Fliegenklatsche kann die unsichtbare Grenze zwischen dem Raum-Zeit-Kontinuum der Fliegen und dem unseren durchbrechen. Was macht das scheinbar simple Instrument in unserer Hand, wenn wir damit zuschlagen? Es steht immerhin eines fest: Da&szlig; wir den gr&ouml;&szlig;ten Teil davon nicht zu Gesicht bekommen!</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Samstagmorgen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 11:46:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Stimme, die mir in meinem Kopf vorliest, h&#246;re ich von dort, von mir gegen&#252;ber, sei manchmal durch die Art ihres Vortrags Urheber von Mi&#223;verst&#228;ndnissen. Es entsteht in jeder daran anschlie&#223;enden Unterredung allm&#228;hlich die Frage, ob es wohl im Kopf neben der Vorlesenden noch andere Stimmen gibt, die Denkende zum Beispiel, meistens sehr leise und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="/wp-content/uploads/2009/02/kopflaus-nisse.jpg" class="floatbox" rev="group:2907 caption:`Kopflaus mit Ei (Nisse), das an ein Kopfhaar geheftet wurde unter dem Elektronenmikroskop`"><img class="rand size-medium wp-image-2914" title="Kopflaus mit Ei (Nisse), das an ein Kopfhaar geheftet wurde unter dem Elektronenmikroskop" src="/wp-content/uploads/2009/02/kopflaus-nisse-238x300.jpg" alt="Kopflaus mit Ei (Nisse), das an ein Kopfhaar geheftet wurde unter dem Elektronenmikroskop" width="238" height="300" /></a></em></p>
<p><em>Die Stimme, die mir in meinem Kopf vorliest,</em> h&ouml;re ich von dort, von mir gegen&uuml;ber, sei manchmal durch die Art ihres Vortrags Urheber von Mi&szlig;verst&auml;ndnissen. Es entsteht in jeder daran anschlie&szlig;enden Unterredung allm&auml;hlich die Frage, ob es wohl im Kopf neben der Vorlesenden noch andere Stimmen gibt, die Denkende zum Beispiel, meistens sehr leise und &#8211; bed&auml;chtig; die F&uuml;rchtende in einer hohen, immer fast schon brechenden Lage; oder die begehrliche Stimme, die, w&auml;hrend sie warm fl&uuml;stert, immer gerade noch mit ihren metaphorischen Lippen das Ohrl&auml;ppchen verfehlt. Und da werden sich die Redner, die mit unterschiedlichen Vorschl&auml;gen zur Auslegung des Satzes beigetragen haben, bewu&szlig;t, da&szlig; sie allesamt in <em>meinem Kopf </em>wohnen.</p>
<p>Bestimmte Parasiten sind, wie ich durch Mitteilung aus dem &Auml;ther erfahre, derart se&szlig;haft, da&szlig; sie das Blut eines Menschen zeitlebens aus demselben Bi&szlig; saugen. Dadurch entst&uuml;nden winzige blaue Flecken. Mit sonderbar deutlicher Beklommenheit stelle ich mir das Leben einer solchen Laus vor, <em>die von kurzer, aber breiter Gestalt ist,</em> wie der &Auml;ther weiterhin mitteilt, <em>mit einem grauen K&ouml;rper ausgestattet </em>und die <em>sechs paarige, zapfenartige Ausw&uuml;chse</em> als Beine hat. Wohin auch sollte man auf sechs Stummelzapfen gehen? Wie eng, sagt jemand, ist die Welt einer Laus. Was wei&szlig; sie von B&auml;umen, Kr&auml;nen und Tanklastz&uuml;gen? Na und, sagt kalt ein anderer, und ich antworte ihm: Du warst noch nirgendwo au&szlig;er in meinem Kopf.</p>
<p>Nach einem Moment betretener Stille kommt eine Frage zur&uuml;ck. Ob ich denn jemals woanders gewesen sei, als in meinem Kopf, fragt die kalte Stimme, und ich brauche einige Zeit, um das zu verstehen. Mir wird klar, da&szlig; es noch nicht das schlimmste ist, wenn der innere Vorleser ins Murmeln ger&auml;t und Mi&szlig;verst&auml;ndnisse verschuldet. Die Stimmen schweigen und es scheint feindselig zu sein. Verunsichert z&ouml;gere ich den n&auml;chsten Gedanken, um nicht einen Angriffspunkt zu bieten, lange hinaus.</p>
<p>Ich denke an das beschauliche Leben einer Laus, die am unersch&ouml;pflich sprudelnden Brunnen sitzt. Die Laus hat den geeigneten Ort in einer Wanderung auf Leben und Tod gefunden. Hat den Brunnen in einer einzigen, geballten Anstrengung hat gegraben und damit ihre Jugend hinter sich gelassen. Jetzt hat sie alles notwendige erf&uuml;llt und eine weitere Regung, &uuml;ber saugen und verdauen hinaus, ist nicht mehr n&ouml;tig. Die Laus ist ein Quietist und in der Laus schweigt es gewi&szlig;.</p>
<p>Da, in mir, wird das Schweigen gebrochen: Jemand hat, peinlich ber&uuml;hrt offenbar, gelacht. Ein H&uuml;steln aber auch vorsichtige Zustimmung. So denn: Ich ziehe meinen Saugstachel aus dem &Auml;ther zur&uuml;ck, die sprachlose H&auml;lfte des Tages wartet.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heldengeschichte</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 10:19:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der blonde Fliegerheld durchstreift die Karpaten. Oder so, jedenfalls viele B&#228;ume, dunkel, und Schnee darunter. Vorn an der Nase eine Rille. Sehr eigent&#252;mlich und dazu noch ein Mund wie aus Silikon. In den Augen leuchtet es, wie man ja vorauszusetzen sollte f&#252;r den Statthalter der freien Welt. Stattlich und mannhaft noch nach dem Absturz (er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/01/f18comp.gif" class="floatbox" rev="group:2449 caption:`Die Bastelanleitung f&uuml;r eine kampfbereite F-18`"><img class="rand size-medium wp-image-2450" title="Die Bastelanleitung f&uuml;r eine kampfbereite F-18" src="/wp-content/uploads/2009/01/f18comp-300x215.gif" alt="Die Bastelanleitung f&uuml;r eine kampfbereite F-18" width="300" height="215" /></a></p>
<p>Der blonde Fliegerheld durchstreift die Karpaten. Oder so, jedenfalls viele B&auml;ume, dunkel, und Schnee darunter. Vorn an der Nase eine Rille. Sehr eigent&uuml;mlich und dazu noch ein Mund wie aus Silikon. In den Augen leuchtet es, wie man ja vorauszusetzen sollte f&uuml;r den Statthalter der freien Welt. Stattlich und mannhaft noch nach dem Absturz (er trinkt sein Wasser aus einer Flasche f&uuml;r N&auml;hmaschinen&ouml;l und braucht keinen Schlaf; er mu&szlig; selbstverst&auml;ndlich niemals und schn&uuml;rt sich die Stiefel nicht nach; er ist dem Kommandanten ein ungezogner Sohn; er rennt, die Freiheit springt freudig hinter ihm, vorzustellen wohl wie ein Golden Retriever).</p>
<p>Wenige Tote an diesem Abend im Wohnzimmer: &#8211; Ein Dutzend schlammverh&uuml;llte Leichen, kaum zu erkennen, eigentlich nur eine Hand und ein Backenknochen. &#8211; Vier bis f&uuml;nf Opfer von Minen, die in Aufl&ouml;sung &uuml;bergehen wie Tischfeuerwerk. Bei ihnen das eindringlichste Bild, da&szlig; die Maschinenpistole, die der (so mu&szlig; man ableiten) frisch zerfetzten Hand entrissen wurde, da&szlig; sogar sie verbogen ist. Ein stummes Opfer ist (so soll man wohl denken) vor allem sie. &#8211; Drei bis vier gescho&szlig;get&ouml;tete Freiheitsk&auml;mpfer, im Schutt versteckt. &#8211; Der Kamerad des rillennasigen Blonden nun vor allem, r&uuml;cklings erschossen, das aber sah man nicht. Die Sanftmut des Rechtsstaates mit ihm gestorben; nun aber gilts. Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig wenige Tote.</p>
<p>Und im Schlaf fliege ich noch immer mit dem D&uuml;senj&auml;ger und dr&uuml;cke funkelnde Kn&ouml;pfe. Der Krieg ist ein scherzhafter Riese, er besitzt ein gewaltiges Spielzeugparadies. (Sonderbar: Im Radio wieder die Erz&auml;hlung von Waffen und Kampf. Ist der blonde Held ausgeflogen, um die Freiheit mit Phosphor zu sch&uuml;tzen? Der Mensch h&uuml;te seine Tr&auml;ume &#8211; sie werden wahr.)</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sp&#252;lpoem</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 14:12:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Empfang]]></category>
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		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>
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		<description><![CDATA[Habe das Abenteuer unternommen, abzuwaschen und radiozuh&#246;ren dabei. Das zu hohem Mittag und leicht nerv&#246;s von mehr oder weniger ma&#223;los getrunkenem Kaffee. Im Magen ein Anflug von &#220;belkeit, der Grund unbekannt und auch weitgehend unwichtig. Im Radio: Der Bau von Atomkraftwerken und die Aussicht auf russisch-deutsch-japanische Kooperation gegen franz&#246;sisch-amerikanischen Marktbeherrscher &#8211; oder &#228;hnlich. Von etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/01/spuelbuerste.jpg" class="floatbox" rev="group:2403 caption:`Sp&uuml;lsch&uuml;ssel und -b&uuml;rste von Normann Copenhagen`"><img class="rand size-medium wp-image-2406" title="Sp&uuml;lsch&uuml;ssel und -b&uuml;rste von Normann Copenhagen" src="/wp-content/uploads/2009/01/spuelbuerste-300x300.jpg" alt="Sp&uuml;lsch&uuml;ssel und -b&uuml;rste von Normann Copenhagen" width="300" height="300" /></a></p>
<p>Habe das Abenteuer unternommen, abzuwaschen und radiozuh&ouml;ren dabei. Das zu hohem Mittag und leicht nerv&ouml;s von mehr oder weniger ma&szlig;los getrunkenem Kaffee. Im Magen ein Anflug von &Uuml;belkeit, der Grund unbekannt und auch weitgehend unwichtig.</p>
<p>Im Radio: Der Bau von Atomkraftwerken und die Aussicht auf russisch-deutsch-japanische Kooperation gegen franz&ouml;sisch-amerikanischen Marktbeherrscher &#8211; oder &auml;hnlich. Von etwas wie Dampfdruck war die Rede und so weiter. Um ein kleines sp&auml;ter dann aktuelle Meldungen zu Steuerhinterziehung und Bew&auml;hrungsstrafe. Und unausgesprochen aber mitgemeint das Wort &#0187;Deal&#0171; (das klingt nach &#0187;Dealer&#0171; und nach gezinkten Karten und entlastet Gerichte und Steuerzahler).</p>
<p>Das also um ein kleines sp&auml;ter, ein Spatium war noch dazwischen. Und in diesen Zwischenraum wurde rasch Besinnlichkeit hineingestrichen, dick und z&auml;h. Das ging so: Erst gravit&auml;tische Geige, sum-di-sum, dann <a title="Das Gedicht nachlesen (Rauhfasern von Norbert Lange)" href="http://www.spritz.de/index.php?module=Pagesetter&amp;func=viewpub&amp;tid=3&amp;pid=44" target="_blank">neun Zeilen Gedicht,</a> dann noch eine Lage Geigent&ouml;ne obendrauf, di-sum-di. Die neun Zeilen aber wurden sparsam verlesen, mit reichlich Schmalz jedoch, damit es leicht hinunterrutscht.</p>
<p>Das Spatium war dann, ein sauberes Trinkglas sp&auml;ter, vorbei. Schnell wieder Vern&uuml;nftiges: Bericht vom Gericht. Die Reimworte, glitschig vom Schmalz, kommen gleichzeitig mit dem voher und nachher bis in den Verstand: Atomsiedewasser &#8211; <em>mit gl&uuml;hweinwarmen Tassen</em>. Bew&auml;hrung &#8211; <em>Ich steckte meinen Mund in deine Haar</em>. Forderung der Verteidigung erheblich geringer &#8211; <em>nackte R&uuml;cken</em>.<span class="text_italic"> Und es vermischt sich der ganze Brei, w&auml;hrend die Geige immerzu ihr schw&uuml;lstiges sum-di-sum wiederholt. So macht zur Stunde um Mittag die G&ouml;ttin der Tr&auml;nens&auml;cke ihre Gedichte.<br />
</span></p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Und wie er grinst</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 21:37:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Empfang]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Film »Gesichter« von Ingmar Bergmann dreht sich alles um das »Magnetische Heiltheater des Dr. Albert Emanuel Vogler«. Die Mitglieder des Heiltheaters sind auf dem Weg nach Stockholm und m&#252;ssen mit ihrer Kutsche einen Wald passieren. Am Wegesrand liegt ein Mann im Morast, der sich, als Vogler aus der Kutsche steigt und zu ihm tritt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/vlcsnap-6608070.png" class="floatbox" rev="group:1854 caption:`Szene aus Ingmar Bergmanns Film &quot;Gesichter&quot;`"><img class="rand size-medium wp-image-2113" title="Szene aus Ingmar Bergmanns Film &quot;Gesichter&quot;" src="/wp-content/uploads/2008/10/vlcsnap-6608070-300x225.png" alt="Szene aus Ingmar Bergmanns Film &quot;Gesichter&quot;" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Im Film »Gesichter« von Ingmar Bergmann dreht sich alles um das »Magnetische Heiltheater des Dr. Albert Emanuel Vogler«. Die Mitglieder des Heiltheaters sind auf dem Weg nach Stockholm und m&uuml;ssen mit ihrer Kutsche einen Wald passieren. Am Wegesrand liegt ein Mann im Morast, der sich, als Vogler aus der Kutsche steigt und zu ihm tritt, als Johannes Begel vorstellt. Er ist ein abgehalfterter Schauspieler. Der Mann ist sehr krank und erwartet den Tod. Er stirbt im Verlauf des Filmes zweimal sehr wortreich:</p>
<p>1. Im Wald<br />
Begel: »Die Sonne sinkt, zum letzten Male. Ich werde sie nicht wieder aufgehen sehen. Endlich wird sich die Seele befreit f&uuml;hlen. Endlich! Frei von diesem sinnlosen K&ouml;rper. Wie habe ich diesen K&ouml;rper geha&szlig;t. Oft habe ich mich nach einem Messer gesehnt. Einem Messer, das meinen unreinen Leib zerst&uuml;ckelt. Und mein Herz blo&szlig;legt. Um Raum zu geben der Seele denn nur unsere Seele ist rein. Alles andere ist Moder, unsauberer Kadaver.«<br />
Er ist mit Vogler in die Kutsche gestiegen, liegt kraftlos in einer Ecke w&auml;hrend die Reise weitergeht. Er<br />
»Was ich f&uuml;hle? Angst! Angst! Aber auch Beseligung. Der Tot kriecht in meine H&auml;nde, in die Arme, in den Kopf, in das Hirn. Meine Augen brechen, ich sterbe. Ich bin tot. Gestorben, der Tot ist eine… eine…« (sinkt zur Seite)<br />
Tybal (einer der Mitarbeiter): »Zu dumm, ausgerechnet der Schlu&szlig; w&auml;re wichtig.«  f&uuml;hlt den Tod kommen. Vogler starrt ihn an und Begel gibt Auskunft:</p>
<p>2. In Voglers Theater<br />
Den Schlu&szlig; erfahren wir, als der inzwischen wiederauferstandene Begel in den Kulissen des Heiltheaters auf Vogler trifft. Eine Laterna Magica projiziert im Hintergrund ein Knochengesicht auf einen Vorhang.<br />
Begel: »Da ist er ja! Und wie er grinst. Das ist das einzige, was mich ein wenig an ihm st&ouml;rt. Trotzdem wird er mein letzter Partner sein. Er wird — wird mich verpflichten zu dem — zu dem unwiderruflich letztem Auftritt. Aber etwas wird nicht existieren, etwas worauf jeder Schauspieler doch angewiesen ist: das Publikum wird fehlen. Kein Applaus und keine Zuschauer. Wir m&uuml;ssen uns trennen, endg&uuml;ltig. Es ist soweit, ich f&uuml;hle es. Und dieses mal werde ich sie gewi&szlig; nicht, ganz gewi&szlig; nicht entt&auml;uschen.«<br />
Er trinkt aus einer Brandweinflasche, schreit auf, f&auml;llt hinten&uuml;ber in eine Kiste.<br />
»Sein oder nicht Sein, das ist hier die Frage. Hamlet, wissen sie, f&uuml;nfter Aufzug, der Rest ist Schweigen.«<br />
St&ouml;hnt und erschlafft.</p>
<p>Man mag sagen, was man will: Ein packendes Thema. Und Sokrates, mu&szlig; man bedenken, stirbt ganz &auml;hnlich: Allm&auml;hlich und redend. Nur den Schlu&szlig; erf&auml;hrt man leider weder von dem einen noch dem anderen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#220;bersinnlichkeit und Kontrollverlust</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Oct 2008 21:38:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Empfang]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich bin auf einen Bericht gesto&#223;en, in dem es um ein psychologisches Experiment ging. Die Forscher wollten allem Anschein nach der Ursache f&#252;r Verschw&#246;rungstheorien auf die Spur kommen; oder der Ursache f&#252;r die Wahrnehmung von eigentlich Unvorhandenem: Bilder im Nebel — &#220;bersinnliches, hei&#223;t es im Bericht. Die Anordnung in den Versuchen 3 und 4 des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/funk_f08.gif" class="floatbox" rev="group:1856 caption:`Rauschen, grob und fein`"><img class="rand size-medium wp-image-2108" title="Rauschen, grob und fein" src="/wp-content/uploads/2008/10/funk_f08-225x300.gif" alt="Rauschen, grob und fein" width="225" height="300" /></a></p>
<p>Ich bin auf einen Bericht gesto&szlig;en, in dem es um ein psychologisches Experiment ging. Die Forscher wollten allem Anschein nach der Ursache f&uuml;r Verschw&ouml;rungstheorien auf die Spur kommen; oder der Ursache f&uuml;r die Wahrnehmung von eigentlich Unvorhandenem: Bilder im Nebel — &Uuml;bersinnliches, hei&szlig;t es im Bericht.</p>
<p>Die Anordnung in den Versuchen 3 und 4 des Experiments sah wie folgt aus: Zuerst mu&szlig;ten die Probanden eine heikle Situation aus ihrer Vergangenheit aus der Erinnerung heraufbeschw&ouml;ren. Dann wurden ihnen »Szenarien mit &uuml;bersinnlichen Begebenheiten« vorgestellt: Auf Holz klopfen — eine schwierige Situation meistern, zum Beispiel. Im Versuch 4 ging es zus&auml;tzlich noch um Kontrollverlust:</p>
<p>Die Psychologen lie&szlig;en »die Teilnehmer besonders bedrohliche Situationen erinnern – eine Gruppe mit, eine andere ohne Kontrollverlust.« Das Ergebnis: »Obwohl alle Versuchspersonen die Bedrohung beschrieben, stieg nur bei der Gruppe mit Kontrollverlust das Bed&uuml;rfnis, an &Uuml;bersinnliches zu glauben.«</p>
<p>Aha! Die Psychologie hat eine weitere muffige Leiche im Keller unseres Bewu&szlig;tseins aufgesp&uuml;rt: Wenn wir eine Situation erleben, die a) bedrohlich ist und b) von uns nicht kontrolliert werden kann, sind wir bereit, daran zu glauben, da&szlig; es etwas hilft, auf Holz zu klopfen — zum Beispiel. Und vielleicht w&uuml;rden wir in einer solchen Situation auch (darum ging es in einem anderen Versuch) im Rauschen auf einem ausgest&ouml;pselten Fernsehschirm das Gesicht unserer g&uuml;tigen Gro&szlig;mutter wiedererkennen. Oder einen Mann mit langem, wei&szlig;em Bart. Und eh wir uns versehen, sitzen wir mitten im &Uuml;bersinnlichen, man h&uuml;te sich vor bedrohlichen Situationen mit Kontrollverlust, man h&uuml;te sich dann vor allem vor sich selbst, vor dem primitiven Filz im Hirnkasten.</p>
<p>Aber es besteht noch Hoffnung, wie wir h&ouml;ren:</p>
<p>»Muss man sich also mit dieser Eigenschaft des Menschen abfinden? Nein, stellten die Forscher im sechsten Experiment fest. Hier gaben sie in einer Abwandlung von Versuch 4 einem Teil der Probanden die M&ouml;glichkeit, Selbstbest&auml;tigung zu erfahren. Tats&auml;chlich immunisierte diese M&ouml;glichkeit die betreffenden Teilnehmer vor der Tendenz, Muster im Nichts zu erkennen. Das Selbstvertrauen zu verst&auml;rken, wirkt zum Glauben an Verschw&ouml;rungstheorien also kontraproduktiv.«</p>
<p>Selbstbest&auml;tigung ist der Impfstoff gegen zwanghaftes Mustersehen. Wiederum: aha! Ich frage mich, wie die Probanden mit diesem Antidot ausgestattet wurden: Ob der Psychologe im wei&szlig;en Kittel sein gegen&uuml;ber in den Arm genommen hat? Und dann war pl&ouml;tzlich die g&uuml;tige Gro&szlig;mutter aus dem Rauschen auf dem Fernsehschirm verschwunden? Und das Holzklopfen half nun nichts mehr, wegen einer fl&uuml;chtigen (und doch wohl unehrlichen) Umarmung eines Kitteltr&auml;gers? Das ist doch wohl ein schlechter Tausch.</p>
<p>Quelle: <a title="Den Bericht lesen" href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28845/1.html" target="_blank">Telepolis</a>.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>An einem Abend kein Einfall</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Oct 2008 21:42:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erleben sie das neue Geiselnahme ihre sterblichen &#220;berreste die Brandwunden durch den Stromschlag mikroskopisch klein aber t&#246;dlich nur in Salzwasser verwirrend unter den Schuhen wenn er vier Stunden vorher schon tod war versuch schon den ganzen Morgen du kannst wirklich stolz auf dich irgendwas ist nicht in Ordnung nicht so herablassend gef&#228;hrlich nicht nur f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="rand size-medium wp-image-1985" title="Vasen mit Schmauchbrand-Verzierung" src="/wp-content/uploads/2008/10/schmauchbrand-300x214.jpg" alt="Vasen mit Schmauchbrand-Verzierung" width="300" height="214" /></p>
<p>Erleben sie das neue Geiselnahme ihre sterblichen &Uuml;berreste die Brandwunden durch den Stromschlag mikroskopisch klein aber t&ouml;dlich nur in Salzwasser verwirrend unter den Schuhen wenn er vier Stunden vorher schon tod war versuch schon den ganzen Morgen du kannst wirklich stolz auf dich irgendwas ist nicht in Ordnung nicht so herablassend gef&auml;hrlich nicht nur f&uuml;r mich ich helfe ihnen es gibt eben Dinge, die ich selbst machen mu&szlig; eben weniger Geld von oben ein Kratzen wie zivilisierte Menschen es ist geblieben vom Kaninchen nur der Kopf die Z&auml;hne sind Lamellen kein &uuml;berfl&uuml;ssiges Gewicht klingelt das Telefon? es ist nur die Kaffeekanne er ist eine Art Gutachter was tut ein Kurator? und was ist ein Schmauch? Streumuster Fingerabdr&uuml;cke Mord und anschlie&szlig;end Selbstmord ein ausgefranstes Seil Klingelt das Telefon bei mir oder dort? Ein Goya und eine chinesische Vase sie betreten nun die Elektronation es klingt ein Bleistift auf Karton sehr beruhigend eine Nackte, eine Professorin, ein 7mm Kupferjagdgeschoss Impressionisten sind beeindruckend aber die duchgeschwitzten Nackten im n&auml;chsten Raum Tiny Schmauch spielt Kontraba&szlig; und der Schauchbrand 13.000 Jahre flo&szlig; unser Brauwasser durch Gestein »Rauchverf&auml;rbungen als Dekorationselement wurde in &Auml;gypten schon um 3500 v.Chr. verwendet.« Erleben sie das Neue einfach per Knopfdruck 7 Telefone gleichzeitig immer zuverl&auml;ssig was ist Kasko? direkt f&uuml;r sie da du bist sch&ouml;n mein Herz und ist wie du gesammelt bist ein Tor hinaus gef&auml;hrliche Bakterien werden bek&auml;mpft auf jede K&ouml;rperzelle kommen beim Menschen 10 Bakterien die in ihm und auf ihm ihr Leben fristen in der Wissenschaft gibt es genau so viele Mythen, wie in der Religion Monets Violets en Printemps gibt es offenbar gar nicht es flie&szlig;t dein Haar in einer Welle vor dem Ohr und dann den Hals hinab du m&uuml;hst dich und ich m&uuml;he mich Im Schwei&szlig;e deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis da&szlig; du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. Es kommt ein Husten von ungef&auml;hr und der Kopf wird fiebrig im &Uuml;berfall</p>


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		<title>Das gescholtene Kind</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Oct 2008 20:48:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises ist Marcel Reich-Ranicki &#252;ber die Str&#228;nge geschlagen. Er hat den Ablauf der Galaveranstaltung empfindlich gest&#246;rt, die Regie durcheinandergebracht, Thomas Gottschalk als Moderator H&#246;chstleistungen abverlangt. Reich-Ranicki hat die Zeremonie gest&#246;rt, indem er f&#252;r den Ehrenpreis, der ihm zugedacht war, nicht dankte. Vielmehr sah er sich beinahe gen&#246;tigt, den Preis »von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/ranickitotale.jpg" class="floatbox" rev="group:1787 caption:`Marcel Reich-Raniki vor den Ehreng&auml;sten bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises`"><img class="rand size-medium wp-image-2315" title="Marcel Reich-Raniki vor den Ehreng&auml;sten bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises" src="/wp-content/uploads/2008/10/ranickitotale-300x125.jpg" alt="Marcel Reich-Raniki vor den Ehreng&auml;sten bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises" width="300" height="125" /></a></p>
<p>Bei der Verleihung des <a title="Wikipedia zum Deutschen Fernsehpreis" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Fernsehpreis" target="_blank">Deutschen Fernsehpreises</a> ist Marcel Reich-Ranicki <a title="ZDF.de zur Preisverleihung" href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,7391259,00.html" target="_blank">&uuml;ber die Str&auml;nge geschlagen.</a> Er hat den Ablauf der Galaveranstaltung empfindlich gest&ouml;rt, die Regie durcheinandergebracht, Thomas Gottschalk als Moderator H&ouml;chstleistungen abverlangt. Reich-Ranicki hat die Zeremonie gest&ouml;rt, indem er f&uuml;r den Ehrenpreis, der ihm zugedacht war, nicht dankte. Vielmehr sah er sich beinahe gen&ouml;tigt, den Preis »von sich zu werfen«, vielleicht sogar »jemandem vor die F&uuml;&szlig;e« zu werfen, um deutlich zu machen, da&szlig; er diesen Fernsehpreis nicht wolle. Anstatt einer Dankesrede zu halten und so angemessen auf die Bewunderung zu reagieren, die ihm ausgedr&uuml;ckt wurde, hat er harte Kritik ge&uuml;bt.</p>
<div class="textbox">Das Resultat von Reich-Ranickis Entgleisung ist vor allem: Entr&uuml;stung. Vielleicht auch Ratlosigkeit &uuml;ber die harte Kritiik eines alten Menschen an einer Sache, von der, so mu&szlig; man vermuten, nichts mehr versteht.</div>
<p>Er geh&ouml;re »nicht in diese Reihe« derjenigen, die auf der Galaveranstaltung ausgezeichnet wurden. Ein Bruch in der sorgf&auml;ltig auf Hochglanz gebrachten Gala w&auml;re schon allein diese Bemerkung gewesen. Aber Reich-Ranicki ging noch einen Schritt weiter, brachte alles erst recht zum Entgleiten, indem er voller Entr&uuml;stung vom Rednerpult geradewegs in die Gesichter der Anwesenden und in die Kameras bekundete: »Ich finde es auch schlimm, da&szlig; ich hier vier Stunden das erleben mu&szlig;te.« Und er hat, ohne jede M&auml;&szlig;igung, den »Bl&ouml;dsinn« beklagt, »den wir hier zu sehen bekommen haben.«</p>
<p>Der Auftritt des elder statesman des Kulturfernsehens war eine sonderbare Gro&szlig;tat, ein bahnbrechendes Ereignis. Bahnbrechend zun&auml;chst einmal f&uuml;r die Emp&ouml;rung der Fernsehschaffenden. Ein Mitglied der Jury des Fernsehpreises hat sich beispielsweise &uuml;ber die mangelnde Differenzierung in Reich-Ranickis Kritik beklagt, hat zurecht anspruchsvolle Fernsehproduktionen angef&uuml;hrt und dann vermutet, es m&uuml;sse an Reich-Ranickis altersbedingt reduzierter »Aufmerksamkeitsspanne« liegen, wenn er das Geistreiche im Fernsehen nicht mehr wahrnehmen k&ouml;nne. Ein alter Mensch wie er, scheint die Vermutung der Jurorin zu lauten, kann nicht mehr 90 Minuten dem Fernsehen folgen, ohne in Verwirrung zu geraten. — Ein Schauspieler schmollt, er werde auch einmal solchen Bl&ouml;dsinn wie Reich-Ranicki machen, um dann mit einer Sondersendung belohnt zu werden. — <a title="Pastewkas Beitrag im &quot;Fernsehlexikon&quot;" href="http://www.fernsehlexikon.de/3257/bastian-pastewka-keine-sendung-fuer-marcel-reich-ranicki/" target="_blank">Bastian Pastewka kommentert</a>, Ranicki habe sich »offenbar in einem Anfall von &Uuml;berforderung zu etwas hinrei&szlig;en lassen, das ihm selbst schon nach wenigen Minuten aus der Hand glitt«. — In einer Kultursendung sagt die Moderatorin »andere« (also: Reich-Ranicki) w&uuml;rden nur &uuml;ber Kultur im Fernsehen reden: »wir machen sie«.</p>
<div class="textbox">Keiner h&auml;lt es &uuml;berhaupt noch f&uuml;r der M&uuml;he wert, &uuml;ber den Stumpfsinn im Fernsehen zu klagen. Diese Klage ist genau so redensartlich, genauso zur Platit&uuml;de geworden wie die Klage &uuml;ber das Wetter.</div>
<p>Die Fernsehschaffenden sind offenbar pikiert. Und das Resultat von Reich-Ranickis Entgleisung ist vor allem: Entr&uuml;stung. Vielleicht auch Ratlosigkeit &uuml;ber die harte Kritiik eines alten Menschen an einer Sache, von der, so mu&szlig; man vermuten, nichts mehr versteht.</p>
<p>Aber er hat doch Recht. Wenn man zu einer beliebigen Zeit den Fernseher ein- und durch die Kan&auml;le schaltet — man wird kaum etwas anderes finden als den von Reich-Ranicki beklagten »Bl&ouml;dsinn«. In der Tat ist diese Klage, in den Worten Ranickis, eine »Banalit&auml;t, die eigentllich jeder sagen k&ouml;nnte — aber keiner tut es.« Eine Banalit&auml;t — oder aber keiner h&auml;lt es &uuml;berhaupt noch f&uuml;r der M&uuml;he wert, &uuml;ber den Stumpfsinn im Fernsehen zu klagen. Diese Klage ist genau so redensartlich, genauso zur Platit&uuml;de geworden wie die Klage &uuml;ber das Wetter. Und gerade darin liegt das Aufschlussreiche in Reich-Ranickis Klage: Er, der »Literaturpapst«, eine zentrale Figur der deutschen Kultur, hat etwas landl&auml;ufiges so scharf und so &ouml;ffentlich gesagt, da&szlig; nun wieder dar&uuml;ber nachgedacht wird.</p>
<div class="textbox">Wer d&uuml;rfte von sich behaupten, einen absoluten Ma&szlig;stab zu besitzen, um Sinn und Unsinn zu unterscheiden?</div>
<p>Wer denkt &uuml;ber das Fernsehen nach? Doch wahrscheinlich blo&szlig; eine spitzm&uuml;ndige Elite von Fernsehverweigerern, die sich damit gefallen, bei Gelegenheit zu betonen, da&szlig; sie ja noch nicht einmal einen Fernseher besitzen w&uuml;rden? Thomas Gottschalk hat in einer »aus gegebenem Anlass« in das Programm eingestellten <a title="Link zur Sendung auf dem ZDF (mit Video)" href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,7391259,00.html" target="_blank">Diskussion</a> mit dem unwilligen Fernsehehrenb&uuml;rger Reich-Ranicki sehr respektabel die Sache der Fernsehmacher vertreten.</p>
<p>Er hat seinem Gespr&auml;chspartner eine Vorhaltung gemacht, auf die Reich-Ranicki keine Antwort bekommen hat. Sei es nicht, hat Gottschalk wissen wollen, blo&szlig; »Arroganz der Elite zu sagen, es beginnt erst ab einem gewissen Punkt, sinnvoll zu sein.« Er hat Recht mit dieser Frage: Wer d&uuml;rfte von sich behaupten, einen absoluten Ma&szlig;stab zu besitzen, um Sinn und Unsinn zu unterscheiden? Jeder kann das aus dem Fernsehprogramm w&auml;hlen, was sein Interesse weckt. Und es gibt sehr unterschiedliche Angebote.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/ranickia1.jpg" class="floatbox" rev="group:1787 caption:`Eine staunende Zuschauerin, vermutlich ber&uuml;hmt und auf bezaubernde Weise ambivalent`"><img class="size-medium wp-image-2318 alignright" title="Eine staunende Zuschauerin, vermutlich ber&uuml;hmt und auf bezaubernde Weise ambivalent" src="/wp-content/uploads/2008/10/ranickia1-300x225.jpg" alt="Eine staunende Zuschauerin, vermutlich ber&uuml;hmt und auf bezaubernde Weise ambivalent" width="294" height="221" /></a>Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, da&szlig; man bei aller Zur&uuml;ckhaltung leicht an der Sinnhaftigkeit des Fernsehens ins Zweifeln geraten kann. Beispiele sind leicht zu finden: Es werden im Mittagsprogramm »peinliche Sexpleiten« aufgedeckt oder es wird ausgerufen: »Entlarvt! Ich habe deine L&uuml;gen satt.« Ein ewig grinsender altgewordener Schuljunge macht sich &uuml;ber das mangelhafte Talent von Jugendlichen lustig, die auch gerne ein Star w&auml;ren. Halbseidene »Prominente« suhlen sich in einem Urwaldcamp im Schlamm. Und das unausgegorene moralische Empfinden der Fernsehzuschauer wird aufgefordert, etwas »abartig« zu finden, n&auml;mlich bestimmte Partnerschaften, die im Untertitel einer Sendung benannt werden: »Deine Freundin k&ouml;nnte deine Mutter sein«. Daneben steht in der Programmzeitschrift das vielleicht engelsgleiche, vielleicht s&uuml;ffisante Fotomodelll&auml;cheln der Moderatorin der betreffenden Sendung.</p>
<p>Ist das der »Bl&ouml;dsinn, den wir zu sehen bekommen«, der »Schwachsinn, den man nicht liefern mu&szlig;«? Der Eindruck dr&auml;ngt sich auf. Wenngleich es sicherlich Inhalte im Fernsehen gibt, die ganz anders sind und Respekt verdienen. Aber solche Inhalte sind die Ausnahme, nicht die Regel.</p>
<p>Aber: Listen von Bl&ouml;dsinnssendungen zusammenzustellen geht am eigentlichen Problem vorbei. Die schwierige Frage ist doch vielmehr, was man eigentlich vom Fernsehen erwarten kann. Und wer denn die Entscheidung zu treffen hat, was vom Fernsehen zu erwarten ist: Die Einschaltquote oder der Anspruch auf Sinn und Relevanz.</p>
<p>Thomas Gottschalk hat im Gespr&auml;ch mit Reich-Ranicki genau diesen Zwiespalt zwischen Massentauglichkeit und Anspruch in bemerkenswert offenen S&auml;tzen zum Ausdruck gebracht. Ranicki hatte gerade moniert: »Man mu&szlig; nicht den Schwachsinn liefern«. Darauf Gottschalk:</p>
<blockquote><p>»Ich versuche seit zwanzig Jahren einen Kompromiss abzuliefern. … Nun versuche ich, denen alles zu geben, was sie erheitert: Sie d&uuml;rfen zwischendurch in einen Ausschnitt gucken; ich mache dumme Dinge; ich erz&auml;hle Herrenwitze. … Aber: Da sitzt auch mal ein Zisterzienserpater von 30 Jahren, der sagen kann, da&szlig; junge Menschen heute noch soetwas wie eine Berufung versp&uuml;ren k&ouml;nnen. Da sitzen V&auml;ter und S&ouml;hne, die gemeinsam dumme Wetten spielen, aber zeigen, da&szlig; es noch ein Vater-Sohn-Verh&auml;ltnis geben kann in diesem Lande. Da sitzen behinderte Kinder, die eine Leistung erbringen, die ich f&uuml;r integrativ halte. — Was passiert? Am Montag tritt mich das gesamte Feuilleton on die Tonne und die Klofrauen jubeln mir zu. Es ist doch kein Wunder, da&szlig; ich mich fast nurnoch auf dem Klo aufhalte.«</p></blockquote>
<p><a href="/wp-content/uploads/2008/10/ranickiselbst2.jpg" class="floatbox" rev="group:1787 caption:`Reich-Ranicki w&auml;hrend Thomas Gottschalks Laudatio`"><img class="alignleft size-medium wp-image-2320" title="Reich-Ranicki w&auml;hrend Thomas Gottschalks Laudatio" src="/wp-content/uploads/2008/10/ranickiselbst2-300x225.jpg" alt="Reich-Ranicki w&auml;hrend Thomas Gottschalks Laudatio" width="300" height="225" /></a>Ein Kompromiss zwischen den niederen Erwartungen des gaffenden Publikums im Interesse der Einschaltquote (gro&szlig;e Bilder von Auschnitten, dumme Dinge, zotige »Herrenwitze«) und mit eingemischen p&auml;dagogischen Momenten: Der Zisterzienserpater auf dem Sofa, das Vater-Sohn-Verh&auml;ltnis in der eigentlich »dummen« Wette und die Leistungen behinderter Kinder. So backt Gottschalk kleine Br&ouml;tchen, um bei seinem Publikum etwas zu ver&auml;ndern. Und er erleidet die Spaltung zwischen der anspruchvollen Intelligenz (den »Feuilletons«) und den Klofrauen, nach deren Geschmack Gottschalks Show sein soll.</p>
<div class="textbox">Die M&ouml;glichkeiten der Medien scheinen hart beschr&auml;nkt zu sein, weil das Interesse der Zuschauer abschweift, sobald es zu anspruchsvoll, zu schwierig und inhaltsschwer wird. Aber doch sind es gerade die schwereren Inhalte, auf die man wohl kaum ganz verzichten kann.</div>
<p>Es ist doch sehr ern&uuml;chternd, davon ausgehen zu m&uuml;ssen, da&szlig; ein durchschnittlicher Fernsehzuschauer sich f&uuml;r Aussagen, die ihn in Anspruch nehmen k&ouml;nnten, nur dann interessiert, wenn er vorher in einen »Auschnitt gucken« darf und nachher ausreichend »dumme Sachen« geboten bekommt. Reich-Ranicki scheint diese n&uuml;chterne Wahrheit, die in der Welt des Fernsehens gilt, nicht zu verstehen. Er ist offenbar nicht mehr auf dem Laufenden und hat auf Gottschalks offene Klage nicht reagiert. Au&szlig;er durch ausdr&uuml;ckliches Unverst&auml;ndnis: »Ist das, was da geboten wird«, im marginalen »anspruchsvollen Fernsehen« n&auml;mlich, »zu schwierig f&uuml;r die Leute? Ich verstehe das nicht.« Und das klang beinahe schon ratlos.</p>
<p>Das Problem liegt auf der Hand. Die M&ouml;glichkeiten der Medien scheinen hart beschr&auml;nkt zu sein, weil das Interesse der Zuschauer abschweift, sobald es zu anspruchsvoll, zu schwierig und inhaltsschwer wird. Aber doch sind es gerade die schwereren Inhalte, auf die man wohl kaum ganz verzichten kann. Der Wind weht zwischen Sitcoms und Comedyshows doch zu kalt, als da&szlig; es in den K&ouml;pfen dabei nicht zugig werden m&uuml;sste. Und von den Rationen, die man mitbekommt, wenn jemand seine untreue und obendrein transsexuelle Exfreundin anklagt, oder wenn von lispelnden Clowns alles und jeder ins l&auml;cherliche gezogen wird — von solchen Rationen kann man ein Dasein nur notd&uuml;rftig fristen.</p>
<p>Es liegt in der Kritik, die der w&uuml;rdevoll greise Marcel Reich-Ranicki ge&auml;u&szlig;ert hat, eine Chance. Trotz aller Unangemessenheit und trotzdem Reich-Ranicki wie aus einer l&auml;ngst vergangenen Zeit spricht. Die Chance liegt darin, da&szlig; er ganz ausdr&uuml;cklich nicht versteht, warum ein bestimmter Anspruch »zu schwierig f&uuml;r die Leute« sein sollte. Die Produzenten blicken furchtsam oder gierig auf die Einschaltquote, die Konsumenten sind satt und immer satter und am Ende zu bequem, sich noch selbst zu r&uuml;hren. Das ist eine verh&auml;ngnisvolle R&uuml;ckkopplung, die man nicht hinnehmen sollte. Da k&ouml;nnte eine grandiose Entgleisung hilfreich sein.</p>


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