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	<title>Rauhfasler &#187; Auf Empfang</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>factum est autem in diebus illis</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Dec 2010 12:40:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#0187;&#8230;und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.&#0171; Ähnliche Texte:Nach innen Die Anachoreten hatten unrecht: Der Weg nach Innen bringt keinen... Herrlich entfernt Ich verspürte keinen Schmerz, mein Hunger hatte ihn abgestumpft; statt... Tokitarō Tokitarō wurde plötzlich von einer ganz unsinnigen Freude ergriffen. Als...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/12/futtertrog.jpg" class="floatbox" rev="group:11202 caption:`Futtertrog. Zubehörteil für eine Geburtenbox von Schauer`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/12/futtertrog-269x300.jpg" alt="" title="Futtertrog. Zubehörteil für eine Geburtenbox von Schauer" width="269" height="300" class="rand size-medium wp-image-11203" /></a></p>
<p>&#0187;&#8230;und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.&#0171;</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Erdbeeren</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 10:28:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Haus mit den blauen Fensterrahmen und blauen Türen, ein Neubau, die Klinkersteine sind glasiert, davor stehen in regelmäßigen Abständen Hüfthohe Bronzeskulpturen, die nur halbe Gesichter haben, in dem Neubauhaus, vor dem morgens immer zur gleichen Zeit ein Kleinbus parkt, hinten eine Doppeltür, dort kann eine Hebebühne ausgeklappt werden, wie ich gelegentlich mit einigem Interesse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.gutenberg.org/ebooks/20095"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/fenster.jpg" alt="Illustration aus Charles Brooks, Journeys to Bagdad (via gutenberg.org)" title="Illustration aus Charles Brooks, Journeys to Bagdad (via gutenberg.org)" width="500" height="231" class="rand size-full wp-image-3773" /></a></p>
<p>Im Haus mit den blauen Fensterrahmen und blauen Türen, ein Neubau, die Klinkersteine sind glasiert, davor stehen in regelmäßigen Abständen Hüfthohe Bronzeskulpturen, die nur halbe Gesichter haben, in dem Neubauhaus, vor dem morgens immer zur gleichen Zeit ein Kleinbus parkt, hinten eine Doppeltür, dort kann eine Hebebühne ausgeklappt werden, wie ich gelegentlich mit einigem Interesse beobachtet habe, dort, wo ich morgens immer zur gleichen Zeit vorbeigehe und im Vorübergehen den Kleinbus wiedererkenne, der immer, wenn ich vorbeigehe, in einer komplziert wirkenden Prozedur in der engen Straße in eine Parkbucht manövriert wird &#8211; meistens sammeln sich die blaugrauen Abgase aus dem seitlich gelegenen Auspuff zu einer dichten Atmosphäre von Schwerindustrie &#8211;, dort höre ich jetzt, am gleißend hitzigen Nachmittag, aus einem der verschatteten blauen Fenster: immer wieder denselben Schrei. Er ist nicht ängstlich. Nicht aggressiv oder irgendwie von einer nachvollziehbaren Stimmung geprägt; er ist rein artifiziell, ein nüchtern betriebener Selbstversuch mit Kehle und Stimmbändern, ein distanziertes Bellen, ein kompromittiertes Gebrüll, aus dem sich der Brüllende vollkommen heraushält. Vor der Tür aber steht ein älterer Herr und fragt alle, die an ihm vorübergehen ebenso wie andere, die nie diese enge Straße betreten haben und sie auch nie betreten könnten, nach einer Zigarette. Mich fragt er, plötzlich gedankenverloren, nicht &#8211; und ich gebe ihm eine Zigarette. Plötzlich frischt der Wind auf und reißt von einem Spielplatz, der gleich neben der Straße liegt, eine dichte Sandwolke los, die auf mich zukommt und mich einhüllt, ohne daß ich es begreife. Die Welt ist fort. Ich habe gerade, fällt mir ein, oder ich wiederhole es mir mit fremder Stimme selbst, gerade habe ich einen Menschenforscher sagen hören: der Untergang kommt; nüchterne Menschen, sagte er, reden davon. Der Sandsturm legt sich und noch bevor ich an der Straßenecke angelangt bin, habe ich meine Tränen mit dem Hemdsärmel abgewischt, es bleibt eine sandige, rote Spur. Die Schreie sind über den Verkehr hinweg nicht mehr zu hören; aber das bemerke ich nicht: Es werden Erdbeeren zu günstigem Preis angeboten.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Glücksbaum</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 10:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Triptychon, dessen Mitteltafel und beide Flügel wiederum zusammengesetzt sind, jeweils aus vier völlig gleichen Rechtecken, ebenmäßig mit einem grauen Schleier überzogen, ist mein Fenster. Der rechte Flügel ist schräg nach vorne gekippt (das wäre für ein wahres Triptychon sehr bedauerlich) und durch den so entstandenen Spalt dringt der noch eben blaue Himmel herein. Außerdem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/tree.jpg" class="floatbox" rev="group:3701 caption:`Ein Baum. Illustration aus: John Evelyn, Sylva. Or A Discourse of Forest Trees (Projekt Gutenberg)`"><img class="rand size-medium wp-image-3703" title="Ein Baum. Illustration aus: John Evelyn, Sylva. Or A Discourse of Forest Trees (Projekt Gutenberg)" src="/wp-content/uploads/2009/05/tree-258x300.jpg" alt="Ein Baum. Illustration aus: John Evelyn, Sylva. Or A Discourse of Forest Trees (Projekt Gutenberg)" width="258" height="300" /></a></p>
<p>Ein Triptychon, dessen Mitteltafel und beide Flügel wiederum zusammengesetzt sind, jeweils aus vier völlig gleichen Rechtecken, ebenmäßig mit einem grauen Schleier überzogen, ist mein Fenster. Der rechte Flügel ist schräg nach vorne gekippt (das wäre für ein wahres Triptychon sehr bedauerlich) und durch den so entstandenen Spalt dringt der noch eben blaue Himmel herein. Außerdem der schläfrige Gesang der Vögel.</p>
<p>Und ein Geräusch, das quer durch alle Jahreszeiten immer gleich bleibt, nur durch das schlimmste Unwetter verschlungen oder durch völlige Windstille zum Schweigen gebracht wird: ein metallisches Pochen, das ich eigentlich jeden Tag, aber lange nicht mehr wirklich gehört habe. Es ist ein solches Pochen, wie man es gemeinhin in einem Hafen erwarten würde, obwohl es zu weit bis zum nächsten Hafen ist, als daß man ihn hören könnte (außer wenn ein wirklich gewaltiges Schiff sein Nebelhorn bis zum Rand mit Druckluft füllen würde; aber solcher Nebel ist wahrhaft selten).</p>
<p>Ein metallisches Pochen, das mir, wenn ich das Triptychon in dieser rotgefärbten Fensterhöhle zurückgelassen haben werde, als Inbegriff für Heimat gelten wird, zusammen mit jenen anderen, früheren Inbegriffen: mit einer Transformator-Station aus Waschbeton, die den Strom meiner Kindheit umgespannt hat; mit der merkwürdigen Rauhigkeit, mit der die tönerne Oberfläche eines Schraubdeckels unter den Fingern liegt, den ich auf den Schlund schrauben mußte, worin eine Sicherung zu versenken war (während eine unklare Furcht vor der tödlichen Elektrizität am Boden dieses Schlundes den Nacken streichelte); zusammen mit dem Erstaunen darüber, daß die Gegensprechanlage am Türrahmen zehn verschiedene Klingeltöne anbot und mit dem Geruch des Treppenhauses, mit der vollendeten, schutzlosen Weichheit des Lichtes, das durch die matte, gemusterte Scheibe der Haustür drang.</p>
<p>Vor dem halb aus den Angeln geratenen Triptychonsflügel steht in einem breiten Terakottatopf übrigens eine merkwürdige Pflanze. Ich habe sie irgendwann gekauft, weil ihre zwei mageren, spitzen Blätter vor dem Hintergrund des üpprigen Grüns im Pflanzengeschäft mein Mitleid erregten. Und über die Jahre hat dieser Baum, mein still und rauh geliebter kümmerlicher Freund, immer alle seine Blätter verloren, bis auf zwei oder drei, die doch übrig blieben; zwei oder drei Blätter, die immer nur am Ende des mit der Zeit länger, krümmer und kahler werdenden Stammes wuchsen. </p>
<p>Ich habe in einem Botanischen Garten die Blätter meines stummen, zähen Freundes wiedererkannt: An einem prächtigen kleinen Baum hingen sie, mit einem lebensvollen Stamm, gerade gewachsen. Brachychiton rupestris &#8211; Glücksbaum. Ich habe daraufhin meinem mageren, verkrüppelten Glücksbaum einen neuen Topf auf die Fensterbank gestellt und auch frische Erde gegeben &#8211; er hatte bislang mit mir nur wenig Glück. Aber jetzt sitzt am Ende seines einzigen, dürren Zweiges eine hellgrüne Krone aus frisch gesprossenen Blättern: das ist ein Anfang.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Wirklichkeit der Fliegen</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 10:23:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt eine einfache Erklärung dafür, daß es einem nie gelingt, mit der bloßen Hand eine Fliege zu erschlagen: Eine Fliege befindet sich eigentlich nicht an dem Fleck, an dem man sie mit Menschenweisheit vermuten muß. Sie ist nur scheinbar, nur aufgrund einer unangemessenen Vereinfachung dort. Das ist jedenfalls der Schluß, den man aus einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/fliegefliegend.jpg" class="floatbox" rev="group:3664 caption:`Fliegende Fliege (Bild:  Steven N. Fry/via ETH Live)`"><img src="/wp-content/uploads/2009/05/fliegefliegend-300x228.jpg" alt="Fliegende Fliege (Bild:  Steven N. Fry/via ETH Live)" title="Fliegende Fliege (Bild:  Steven N. Fry/via ETH Live)" width="300" height="228" class="rand size-medium wp-image-3666" /></a></p>
<p>Es gibt eine einfache Erklärung dafür, daß es einem nie gelingt, mit der bloßen Hand eine Fliege zu erschlagen: Eine Fliege befindet sich eigentlich nicht an dem Fleck, an dem man sie mit Menschenweisheit vermuten muß. Sie ist nur scheinbar, nur aufgrund einer unangemessenen Vereinfachung dort.</p>
<p>Das ist jedenfalls der Schluß, den man aus einer Mitteilung der Biologie ziehen muß. Eine jener Erkenntnisse ist es, vor denen der unbedarfte Laie staunend stehenbleibt, weil er plötzlich eine klaffende Lücke in seiner Weltsicht vorfindet.</p>
<p>Man weiß nämlich über Fliegen, daß sie mit ihren Facettenaugen 200 Bilder in der Sekunde wahrnehmen können (das kleinere Wunder ist dagegen noch, daß sie Oben, Unten, Vorne und Hinten immer auf einen Blick erfassen, weil ihre Augen bekanntlich zwei Hemisphären am Kopf sind, also immer schlichtweg alles sehen, was es überhaupt zu sehen gibt).</p>
<p>200 Bilder in der Sekunde sind ungefähr das Zehnfache des menschlichen Wahrnehmungsvermögens. Aber was bedeutet das? Das auf einen Augenblick nach Menschenmaß zehn Fliegenaugenblicke kommen? Das zwischen Jetzt und Gleich, Hier und Dort, Vorher und Nachher immer der zehnfache Abstand besteht, sofern ein Mensch eine Fliege fragen würde? Das einer Fliege ein unzugänglicher Zwischenraum offensteht, in dem sie sich von ihrem vermeintlichen Ort (auf meinem Oberschenkel zum Beispiel) ohne mein Wissen an einen anderen Ort bewegen kann?</p>
<p>Das ist der Moment, in dem der Unbedarfte vor einem Loch, einem kaum auszulotenden Abgrund steht. Es stellen sich ungeheure Fragen: Wo wird die Zeit, die Fliegen ins voraus haben, aufbewahrt? Was geschieht, wenn ich mit der Hand oder eher noch mit einer Zeitung nach einer Fliege schlage? Für mich ist die Strecke, die von der Zeitung zurückgelegt wird, klar bemessen: von irgendwo hinter meiner Schulter bis zu dem Punkt, wo die störende Fliege auf meinem Oberschenkel sitzt. Auch Anfang und Ende der Bewegung sind ordentlich getrennt durch ein Rauschen des aufgerollten Papiers in der Luft. Was aber sieht die Fliege? Für sie geschieht währenddessen das Zehnfache! Aber wo kommen diese neun Zehntel Ereignis her, die einfach unbemerkt an mir vorübergehen? Wie geschieht es, daß in den Bewegungsablauf ein beträchliches Stück hineingeflickt wird, damit die Fliege es wahrnehmen kann? (Ganz zu schweigen von jenem Oben, Unten und Hinten, daß sich für die Fliege zu dem vergleichsweise beschränkten Vorne addiert, daß unser Gesichtsfeld ausfüllt.)</p>
<p>Für die Fliegen wird irgendwo ein besonderer Vorrat an Wirklichkeit aufbewahrt, um die löchrige Realität aufzufüllen, in der Menschen leben. Und dieser Vorrat muß angezapft werden, sobald nur eine Fliege den Raum betritt oder befliegt. &#8211; Oder ist es gar andersherum (und das wäre, richtig besehen, noch viel beunruhigender): Ich bin teilweise &#8211; nein größtenteils! blind, sehe nur ein mageres Zehntel von allem, was geschieht. Die Fliegen aber sehen alles. Da könnte ja wer weiß was geschehen, allein den Augen von Fliegen (und wenigen anderen, z.B. Libellen) zugänglich. Hundertachtzig Bilder in jeder Sekunde, die keines Menschen Auge jemals sieht. Neun Zehntel der Wirklichkeit sind uns entzogen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wird eine Fliegenklatsche zu einer besorgniserregenden Waffe: Sie ist ja offenbar im Stande, auf der Wirklichkeitsebene der Fliegen zu agieren. Richtig gehandhabt ist sie tatsächlich schnell genug , um das Wahrnehmungsvermögen der Fliegen zu übertrumpfen. Die Fliegenklatsche kann die unsichtbare Grenze zwischen dem Raum-Zeit-Kontinuum der Fliegen und dem unseren durchbrechen. Was macht das scheinbar simple Instrument in unserer Hand, wenn wir damit zuschlagen? Es steht immerhin eines fest: Daß wir den größten Teil davon nicht zu Gesicht bekommen!</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Samstagmorgen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 11:46:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Stimme, die mir in meinem Kopf vorliest, höre ich von dort, von mir gegenüber, sei manchmal durch die Art ihres Vortrags Urheber von Mißverständnissen. Es entsteht in jeder daran anschließenden Unterredung allmählich die Frage, ob es wohl im Kopf neben der Vorlesenden noch andere Stimmen gibt, die Denkende zum Beispiel, meistens sehr leise und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="/wp-content/uploads/2009/02/kopflaus-nisse.jpg" class="floatbox" rev="group:2907 caption:`Kopflaus mit Ei (Nisse), das an ein Kopfhaar geheftet wurde unter dem Elektronenmikroskop`"><img class="rand size-medium wp-image-2914" title="Kopflaus mit Ei (Nisse), das an ein Kopfhaar geheftet wurde unter dem Elektronenmikroskop" src="/wp-content/uploads/2009/02/kopflaus-nisse-238x300.jpg" alt="Kopflaus mit Ei (Nisse), das an ein Kopfhaar geheftet wurde unter dem Elektronenmikroskop" width="238" height="300" /></a></em></p>
<p><em>Die Stimme, die mir in meinem Kopf vorliest,</em> höre ich von dort, von mir gegenüber, sei manchmal durch die Art ihres Vortrags Urheber von Mißverständnissen. Es entsteht in jeder daran anschließenden Unterredung allmählich die Frage, ob es wohl im Kopf neben der Vorlesenden noch andere Stimmen gibt, die Denkende zum Beispiel, meistens sehr leise und &#8211; bedächtig; die Fürchtende in einer hohen, immer fast schon brechenden Lage; oder die begehrliche Stimme, die, während sie warm flüstert, immer gerade noch mit ihren metaphorischen Lippen das Ohrläppchen verfehlt. Und da werden sich die Redner, die mit unterschiedlichen Vorschlägen zur Auslegung des Satzes beigetragen haben, bewußt, daß sie allesamt in <em>meinem Kopf </em>wohnen.</p>
<p>Bestimmte Parasiten sind, wie ich durch Mitteilung aus dem Äther erfahre, derart seßhaft, daß sie das Blut eines Menschen zeitlebens aus demselben Biß saugen. Dadurch entstünden winzige blaue Flecken. Mit sonderbar deutlicher Beklommenheit stelle ich mir das Leben einer solchen Laus vor, <em>die von kurzer, aber breiter Gestalt ist,</em> wie der Äther weiterhin mitteilt, <em>mit einem grauen Körper ausgestattet </em>und die <em>sechs paarige, zapfenartige Auswüchse</em> als Beine hat. Wohin auch sollte man auf sechs Stummelzapfen gehen? Wie eng, sagt jemand, ist die Welt einer Laus. Was weiß sie von Bäumen, Kränen und Tanklastzügen? Na und, sagt kalt ein anderer, und ich antworte ihm: Du warst noch nirgendwo außer in meinem Kopf.</p>
<p>Nach einem Moment betretener Stille kommt eine Frage zurück. Ob ich denn jemals woanders gewesen sei, als in meinem Kopf, fragt die kalte Stimme, und ich brauche einige Zeit, um das zu verstehen. Mir wird klar, daß es noch nicht das schlimmste ist, wenn der innere Vorleser ins Murmeln gerät und Mißverständnisse verschuldet. Die Stimmen schweigen und es scheint feindselig zu sein. Verunsichert zögere ich den nächsten Gedanken, um nicht einen Angriffspunkt zu bieten, lange hinaus.</p>
<p>Ich denke an das beschauliche Leben einer Laus, die am unerschöpflich sprudelnden Brunnen sitzt. Die Laus hat den geeigneten Ort in einer Wanderung auf Leben und Tod gefunden. Hat den Brunnen in einer einzigen, geballten Anstrengung hat gegraben und damit ihre Jugend hinter sich gelassen. Jetzt hat sie alles notwendige erfüllt und eine weitere Regung, über saugen und verdauen hinaus, ist nicht mehr nötig. Die Laus ist ein Quietist und in der Laus schweigt es gewiß.</p>
<p>Da, in mir, wird das Schweigen gebrochen: Jemand hat, peinlich berührt offenbar, gelacht. Ein Hüsteln aber auch vorsichtige Zustimmung. So denn: Ich ziehe meinen Saugstachel aus dem Äther zurück, die sprachlose Hälfte des Tages wartet.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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