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	<title>Rauhfasler &#187; Blendungen</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<title>Morgenkaffee</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Nov 2010 11:36:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als sie, mit dem Kaffeebecher an den Lippen, jedoch ohne zu trinken, dem restlichen Geschirr eine Weile beim Trocknen zusah, dessen Formen für einen Sekundenbruchteil hinter dem Dampf, der aus dem Kaffeebecher stieg, sonderbar halbwirklich wirkten, als sie ganz reglos dasaß, mitten in einem Strahlenbündel starker Herbstsonne, die jetzt, am Morgen, noch so stand, daß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/09/Bonnie-and-Clyde.jpg" class="floatbox" rev="group:9012 caption:`I don't want to do you in. Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/09/Bonnie-and-Clyde-207x300.jpg" alt="" title="I don't want to do you in. Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow" width="207" height="300" class="rand"  /></a></p>
<p>Als sie, mit dem Kaffeebecher an den Lippen, jedoch ohne zu trinken, dem restlichen Geschirr eine Weile beim Trocknen zusah, dessen Formen für einen Sekundenbruchteil hinter dem Dampf, der aus dem Kaffeebecher stieg, sonderbar halbwirklich wirkten, als sie ganz reglos dasaß, mitten in einem Strahlenbündel starker Herbstsonne, die jetzt, am Morgen, noch so stand, daß sie blendete (auf der Tischplatte brannte vor ihren Augen das Sonnenlicht, und mitten in der Lichtfläche spielten dunkle Flecken), als sie staunend die Ruhe bemerkte, die nicht nur um sie war, die sich auch in ihr ausgebreitet hatte, war sie &#8211; allem Anschein nach &#8211; glücklich. </p>
<p style="text-indent:3em;">Im Blumenkasten war ein Unkraut gewachsen, wohl aus einem Samen, der sich in der Erde aus dem Supermarkt befunden hatte, oder in der Hinterlassenschaft von einem jener Vögel, die im Frühjahr an den Meisenknödeln gepickt und dabei den Balkon mit schwer tilgbaren Flecken überzogen hatten. <span id="more-9012"></span>Eine einzelne, sehr gerade Pflanze mit Blättern, die an Pfeilspitzen erinnerten, und oben auf dem Stengel eine, wie nannte man es: eine Dolde aus kleinen Knoten, die, so vermutete sie vom Küchentisch aus, die Samen der Pflanze enthalten mussten; die Sonne jedenfalls durchleuchtete dieses eine, sehr unbeugsam stehende, unerwartet und auch sehr hoch aufgewachsene Unkraut: Und die Blätter strahlten grün und wirkten seidenfein. </p>
<p style="text-indent:3em;">Jetzt kam Wind auf, im Radio ein altes Stück Musik, zwei nicht schöne aber eindringliche Stimmen im Duett: Now I don&#8217;t want to m&#618;&#720;tj&#650;a&#633;k&#688;&#618;n / m&aelig;&#618;kj&#650;sp&#688;&#618;n or do you in / Or select you or dissect you / Or inspect you or reject you. Ihr Kopf ist angefüllt mit zerbrechlichem grünen Licht, im Mund Kaffeebitter wie eine dunkle Intarsie &#8211; und sie denkt: select you / dissect you / inspect you. Und die beiden Stimmen singen: All I really want to do / Is baby, be friends with you / Baby, be friends with you. Und sie runzelt ein wenig die Stirn, in den Fältchen fließt das schwächer werdende Sonnenlicht zusammen; Wolken treiben hinter einem sehr großen Baum hervor und fließen oben über den Innenhof. Sie fragt sich: Wie hängen diese Wörter zusammen: dissectinspectreject? Lauter harte Ces, die ganz chirurgisch klingen. Be friends with you. Noch ein letzes Strahlenbündel, das ihr durch die zum Schutz geschlossenen Lider hindurch die Augäpfel wärmt. Und sie fühlt, wie schön die naiven Stimmen geklungen haben: Be friends with you.<br />
<span style="margin-left:3em;">Etwas Kaffee ist noch</span><br />
<span style="margin-left:3em;">In der Kanne vorhanden</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Und im Radio wird jetzt</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Und was war es gleich</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Das ich gestern dachte</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Vor dreizehn Jahren</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Und im Kopf steht</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Kopfschmerz jetzt und &#8211;</span><br />
<span style="margin-left:3em;">Was?</span></p>
<hr />
<div style="margin-top:3em;text-align:center;"><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/ad_2Lh8VlUU?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="false"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/ad_2Lh8VlUU?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="false" width="425" height="344"></embed></object></div>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Grauweiß</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 10:42:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich beiläufig aus dem Fenster sehe, wird mir nach Sekunden die Erstaunlichkeit des Panoramas bewußt, das sich vor diesem mir noch reichlich unbekannten Fenster ausbreitet: Es ist hier nicht ein einziges Blatt zu sehen, kein Grashalm, nicht einmal Moos &#8212; überhaupt kein Grün. Nur eine Vielfalt von Grautönen, dazwischen gealtertes Weiß. Gekachelte und nackte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/08/shades-of-gray.gif" class="floatbox" rev="group:8573 caption:`Graue Farbkarte`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/08/shades-of-gray-300x225.gif" alt="" title="Graue Farbkarte" width="300" height="225" class="rand size-medium wp-image-8574" /></a></p>
<p>Als ich beiläufig aus dem Fenster sehe, wird mir nach Sekunden die Erstaunlichkeit des Panoramas bewußt, das sich vor diesem mir noch reichlich unbekannten Fenster ausbreitet: Es ist hier nicht ein einziges Blatt zu sehen, kein Grashalm, nicht einmal Moos &#8212; überhaupt kein Grün. Nur eine Vielfalt von Grautönen, dazwischen gealtertes Weiß. Gekachelte und nackte Betonbauten wachsen in mehreren Reihen auf, die hinteren immer noch höher als die vornestehenden. Ganz im Hintergrund ein Turm, ein Fernsehturm, der wie ein Speer hellgrau auf den herabhängenden, weichen, dunklen Bauch einer sehr großen Wolke zielt. Über allem liegt das riesenhafte Schnaufen, mit dem die Belüftungsanlage des vis à vis liegenden chemischen Instituts sich an der Luft abarbeitet. Es sind genau zwei lebendige Menschen zu sehen: die aber sind bis zum Hals in Kittel gehüllt: Auch sie sind kalkweiß. Ein Motor heult, aus weiter Ferne tönen die Rufe eines Kindes an den kahlen Wänden entlang. Ich spüre weit oben hinter dem Brustbein eine schwer meßbare Unruhe.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tauchgang</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 09:37:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Afrikanerin wählt auf ihrem Mobiltelefon eine lange Nummer. Sie spricht laut, freundlich, aufgeregt. Sie nimmt in einem beeindruckenden Strom aus komplizierten rollenden und gurrenden Konsonanten Anteil an irgendetwas, das mir verschlossen bleibt. Den Synkopen ihres Sprachflusses ist aber ein Gefühl unterlegt, das ich verstehen kann: Sorge, Aufregung, Freude, die Hilflosigkeit von jemandem, der hört, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/10/733px-Bathyscaphe_Trieste2_1.jpg" class="floatbox" rev="group:5014 caption:`Der Bathyscaph &quot;Trieste II&quot; (Quelle: wikipedia)`"><img src="/wp-content/uploads/2009/10/733px-Bathyscaphe_Trieste2_1-300x245.jpg" alt="Der Bathyscaph &quot;Trieste II&quot; (Quelle: wikipedia)" title="Der Bathyscaph &quot;Trieste II&quot; (Quelle: wikipedia)" width="300" height="245" class="rand size-medium wp-image-5016" /></a></p>
<p>Eine Afrikanerin wählt auf ihrem Mobiltelefon eine lange Nummer. Sie spricht laut, freundlich, aufgeregt. Sie nimmt in einem beeindruckenden Strom aus komplizierten rollenden und gurrenden Konsonanten Anteil an irgendetwas, das mir verschlossen bleibt. Den Synkopen ihres Sprachflusses ist aber ein Gefühl unterlegt, das ich verstehen kann: Sorge, Aufregung, Freude, die Hilflosigkeit von jemandem, der hört, was geschieht, und keinen Einfluß darauf hat. </p>
<p>Die S-Bahn fährt an, sie greift geistesabwesend nach einer Stange. Ich rücke auf der Bank zur Seite, um ihr Platz zu machen. Sie setzt sich ohne von mir Notiz zu nehmen. Dann hat sie aufgelegt, sucht auf einem sehr abgegriffenen Zettel nach einer weiteren Telefonnummer. Aus einer plötzlichen Eingebung heraus wendet sie mir ihr offenes Gesicht zu, Herzlichkeit flackert darin auf, sie sagt sehr artikuliert und ehrlich &#0187;Danke&#0171;, sieht mich dabei aber eigentlich nicht. Sie ist weit entfernt, ihre Augen sind auf irgendetwas wichtiges gerichtet, sie hat von sich nur die letzte, allernotwendigste Repräsentanz in diesem Waggon zurückgelassen. Ihr Finger tippt jetzt wieder eine lange Nummer.</p>
<p>Auf dem Bahnsteig sitzt ein junger Mann. Er steigt nicht ein, obwohl es kalt ist. Hände und Gesicht sind bläulich eingefärbt. Er wippt mit dem Fuß. Wir würden uns wortlos verstehen, er gibt meinem Kopfschmerz, meiner aus heiterem Himmel gekommenen Übelkeit eine Gestalt. Er hält scheel zur Seite hin Ausschau. Dann sinkt er in sich zurück. Die blaue Färbung, die Ringe unter den Augen, seine Fahrigkeit: er wirkt sehr alt.</p>
<p>Zwei Studentinnen stehen im Waggon dicht bei der Tür und stecken kichernd die Köpfe zusammen. Sie reden &#8211; über den Stundenplan, die nächsten Prüfungen. Sie planen sich selbst in großen, generalstabsmäßigen Zügen. Sie werden aus ihrer Battaille siegreich zurückkehren. Sie freuen sich an der eigenen Effizienz, sie tuscheln über ihr Vorgehen, als wäre es der Frühling, als wären sie verliebt. Verliebt in was?</p>
<p>Im Bahnhof hängt Zigarettenrauch über der abwärtsführenden Rolltreppe. Der Rauch steht deutlich ab von der makellos weißen Decke, von den glänzend polierten Holzeinfassungen der Schaufenster. Da vorne hält eine knotige Hand die Zigarette, die Hand einer leicht zusammengeduckten Frau im Trenchcoat. Ihre Haare sind etwas fettig, das linke Bein zieht sie nach. Erstaunlich, daß Sonderlinge, die den Mut haben, ohne größeres Aufhebens jedes Alltagsverbot zu übertreten, meistens dieselben Merkmale an sich tragen, wie im Märchen die Hexen, Zauberer, Teufel und Köhler.</p>
<p>Ich stehe letztenendes an der Bushaltestelle. Im Kopf knirscht der Rumpf des Bathyscaphen, aus dem das Denken seine Funkmeldungen absetzt, er knirscht unter dem immer noch zunehmenden Druck, der schmerzlich hinter der Stirn zunimmt. Die Eindrücke treten aus ihren Zusammenhängen heraus: Eine Uhr, ein Mädchen, das wie ein Fisch dasitzt, eine mißmutige Frau, Musik, eine große, altertümliche Uhr an der Bahnhofsfassade, ihr Minutenzeiger ist gerade umgesprungen wie ein Fallbeil. Ich habe gehört, daß eine Vorliebe für das Beobachten mit bestimmten Veränderungen in der Feinabstimmung des Gehirns zusammenhängen könnte. Wieder knirscht der Bathyscaph unter einer Kopfschmerzwelle. Mir fällt das Muster in der Frisur eines jungen Gecken auf. Wahrscheinlich stimmt es.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wolkenschau</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 15:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine zerfurchte Landschaft aus dunkel-blaustichigen Wolken: wie das Negativabbild der sumpfigen Felder dieser Gegend breitet sich die Wolkendecke über den Feldern und Rainen aus. Der Regen wartet schon ungeduldig darauf, daß seine angeschwollenen Gefäße brechen &#8211; man hört es deutlich im rauschenden Laub, es ist nur eine Frage der Zeit. Mitten auf einem Stück Brachland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/08/constable.jpg" class="floatbox" rev="group:4701 caption:`John Constable, Cloud Study, 1822`"><img src="/wp-content/uploads/2009/08/constable-300x181.jpg" alt="John Constable, Cloud Study, 1822" title="John Constable, Cloud Study, 1822" width="300" height="181" class="rand size-medium wp-image-4705" /></a></p>
<p>Eine zerfurchte Landschaft aus dunkel-blaustichigen Wolken: wie das Negativabbild der sumpfigen Felder dieser Gegend breitet sich die Wolkendecke über den Feldern und Rainen aus. Der Regen wartet schon ungeduldig darauf, daß seine angeschwollenen Gefäße brechen &#8211; man hört es deutlich im rauschenden Laub, es ist nur eine Frage der Zeit.</p>
<p>Mitten auf einem Stück Brachland steht, umgeben von trockener Quecke und verschiedenen, hartfasrigen Gräsern, ein kranker, niedrig gewachsener Ahorn. Er hat längst gelbe Blätter, obwohl der Herbst gerade erst auf der Zungenspritze zu schmecken ist und im Gegensatz zu allen anderen Bäumen ringsum, deren Blätter unter dem Himmel finster, fast schwarz sind. Die gelben Blätter des Ahorns haben kümmerlich eingetrocknete, dunkelbraune Ränder. Mit jedem Windstoß knistern sie und ein schütteres Zittern geht durch den kleinen Baum. </p>
<p>Das Farbspiel seiner Blätter unterscheidet sich aber doch sehr eindrucksvoll von dem Hintergrund der Wolkenlandschaft und der dunklen Kulisse der übrigen Bäume. Wie ein dienstmüder Wächter steht er da, am Eingang zu der bleiernen Ebene über den Köpfen. </p>
<p>Hier und dort sind die schweren Schiefer- und Metalltöne der Wolkenlandschaft unterbrochen: nur eine durchscheinende Schicht aus Dunst spannt sich an solchen Stellen und ein hellblauer, stratosphärischer Schimmer lässt einen übriggebliebenen Rest des Himmels erahnen. </p>
<p>Beunruhigende Gebilde schweben zwischen Feldmark und Wolken: Sie sind geronnenes Gas, wie aus hohen Schloten geflossen, insgesamt weiß und bauschig. An den Rändern zerfließen sie allmählich, es bilden sich fiedrige Ausstülpungen. Sie sind der oberen wie der unteren Landschaft gleichermaßen fremd: sind körperlos, metaphysisch in die Mitte zwischen die beiden festen, natürlichen und faßbaren Größen gerückt. </p>
<p>Eigentlich sollten sie auf der Wolkendecke zerrieben werden, auf der sie wie Eierschalen auf einem Amboß liegen. Aber die fiedrigen Türme behaupten sich und es scheint so, als wären sie eigentlich fester als die regenschwere Decke dort oben &#8211; als wären sie massiver sogar und wirklicher als die eintönig grün eingedeckte Erdscheibe. Sie sind greifbare, notwendige  Einbildungen. Es sind schwebende Türme oder Trutzburgen, durchscheinende Felsmassive, von einer gewaltigen Hand dort hingesetzt. Indem sie zerfließen, scheinen sie sich nicht aufzulösen, sondern vielmehr in den leeren Raum auszugreifen, ihn sich einzuverleiben, ihn in einer grazilen Umarmung allmählich zu fressen.</p>
<p>Dann kommt, trippelnd und kaum spürbar zunächst, und schließlich mit jener alles erfüllenden Kargheit, die nur einer Naturgewalt zusteht &#8211; der Regen. Er behauptet den Raum zwischen beiden Ebenen, der Grünen und der Schiefergrauen, allein für sich. Alles Leben zieht sich unter Blätter, in Löcher und unter Dächer zurück. Währenddessen versinken die Konturen ins Monochromatische. Der Regen, der in einzelne aus Wasser gezogene Fäden geteilte Strom, dringt auf die Umgrenzungen der Dinge ein und unterhöhlt sie langsam, unterminiert sie, bis die Unterschiede einer nach dem anderen fallen.</p>
<p>Aber schließlich, als wäre den Wolken, dem Regen und dem Erdboden durch eine kurze Geste bedeutet worden, sich auf ihre Plätze zurückzubegeben, endet alles. Die fiedrigen, unwahrscheinlichen Auftürmungen sind fort; die eherne Wolkenfläche glänzt wie abgeschliffen; die Erde nimmt hastig auf, was auf sie niedergegangen ist &#8211; beinahe kann man spüren, wie tief sie dabei atmet. In die obere Landschaft kommt allmählich Bewegung. Einzelne, nurnoch hellgraue Schollen treiben ab, silbrige Risse bilden sich, Licht dringt durch unzählige Leckagen. </p>
<p>Und dann entzündet sich etwas in der Nähe des Horizontes: große Mengen des in Aufruhr geratenen Aerosols, ganze Wasserdampfknoten und gedrungene Wolkenrücken strahlen helles und dunkleres Rot ab. Der Himmel verbrennt von seinem westlichen Rand her, die Sonne hat Funken geschlagen, während sie verborgen am Horizont abgeglitten ist.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Erdbeeren</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 10:28:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Empfang]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Haus mit den blauen Fensterrahmen und blauen Türen, ein Neubau, die Klinkersteine sind glasiert, davor stehen in regelmäßigen Abständen Hüfthohe Bronzeskulpturen, die nur halbe Gesichter haben, in dem Neubauhaus, vor dem morgens immer zur gleichen Zeit ein Kleinbus parkt, hinten eine Doppeltür, dort kann eine Hebebühne ausgeklappt werden, wie ich gelegentlich mit einigem Interesse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.gutenberg.org/ebooks/20095"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/fenster.jpg" alt="Illustration aus Charles Brooks, Journeys to Bagdad (via gutenberg.org)" title="Illustration aus Charles Brooks, Journeys to Bagdad (via gutenberg.org)" width="500" height="231" class="rand size-full wp-image-3773" /></a></p>
<p>Im Haus mit den blauen Fensterrahmen und blauen Türen, ein Neubau, die Klinkersteine sind glasiert, davor stehen in regelmäßigen Abständen Hüfthohe Bronzeskulpturen, die nur halbe Gesichter haben, in dem Neubauhaus, vor dem morgens immer zur gleichen Zeit ein Kleinbus parkt, hinten eine Doppeltür, dort kann eine Hebebühne ausgeklappt werden, wie ich gelegentlich mit einigem Interesse beobachtet habe, dort, wo ich morgens immer zur gleichen Zeit vorbeigehe und im Vorübergehen den Kleinbus wiedererkenne, der immer, wenn ich vorbeigehe, in einer komplziert wirkenden Prozedur in der engen Straße in eine Parkbucht manövriert wird &#8211; meistens sammeln sich die blaugrauen Abgase aus dem seitlich gelegenen Auspuff zu einer dichten Atmosphäre von Schwerindustrie &#8211;, dort höre ich jetzt, am gleißend hitzigen Nachmittag, aus einem der verschatteten blauen Fenster: immer wieder denselben Schrei. Er ist nicht ängstlich. Nicht aggressiv oder irgendwie von einer nachvollziehbaren Stimmung geprägt; er ist rein artifiziell, ein nüchtern betriebener Selbstversuch mit Kehle und Stimmbändern, ein distanziertes Bellen, ein kompromittiertes Gebrüll, aus dem sich der Brüllende vollkommen heraushält. Vor der Tür aber steht ein älterer Herr und fragt alle, die an ihm vorübergehen ebenso wie andere, die nie diese enge Straße betreten haben und sie auch nie betreten könnten, nach einer Zigarette. Mich fragt er, plötzlich gedankenverloren, nicht &#8211; und ich gebe ihm eine Zigarette. Plötzlich frischt der Wind auf und reißt von einem Spielplatz, der gleich neben der Straße liegt, eine dichte Sandwolke los, die auf mich zukommt und mich einhüllt, ohne daß ich es begreife. Die Welt ist fort. Ich habe gerade, fällt mir ein, oder ich wiederhole es mir mit fremder Stimme selbst, gerade habe ich einen Menschenforscher sagen hören: der Untergang kommt; nüchterne Menschen, sagte er, reden davon. Der Sandsturm legt sich und noch bevor ich an der Straßenecke angelangt bin, habe ich meine Tränen mit dem Hemdsärmel abgewischt, es bleibt eine sandige, rote Spur. Die Schreie sind über den Verkehr hinweg nicht mehr zu hören; aber das bemerke ich nicht: Es werden Erdbeeren zu günstigem Preis angeboten.</p>


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