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	<title>Rauhfasler &#187; Ceterum censeo</title>
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	<description>Verbrauchende Versuche mit Wörtern</description>
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		<pubDate>Sat, 15 May 2010 10:31:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
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		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
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		<description><![CDATA[Schamlose L&#252;genmaschinen Sind Heizungen: Es sitzt sich dank ihrer angenehm Im Angesicht aller Frierenden Nebenmenschen; Doppelglasige Fenster au&#223;erdem Verstellen den Blick auf die Wirklichkeit: Sie sperren den L&#228;rm, Den die l&#228;rmende Stadt macht, W&#228;hrend sie fri&#223;t und verdaut, Unger&#252;hrt aus; Man befindet sich mitten Im Getriebe als w&#228;r&#8217;s Irgendein schuldloser Ort. Es flie&#223;t ja auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/05/springbrunnen.jpg" class="floatbox" rev="group:7200 caption:`Eine Wasserkunst, mehrfarbig`"><img src="http://www.rauhfasler.de/wp-content/uploads/2010/05/springbrunnen-300x300.jpg" alt="" title="Eine Wasserkunst, mehrfarbig" width="300" height="300" class="rand size-medium wp-image-7266" /></a></p>
<p>Schamlose L&uuml;genmaschinen<br />
Sind Heizungen:<br />
Es sitzt sich dank ihrer angenehm<br />
Im Angesicht aller<br />
Frierenden Nebenmenschen;</p>
<p>Doppelglasige Fenster au&szlig;erdem<br />
Verstellen den Blick auf die Wirklichkeit:<br />
Sie sperren den L&auml;rm,<br />
Den die l&auml;rmende Stadt macht,<br />
W&auml;hrend sie fri&szlig;t und verdaut,<br />
Unger&uuml;hrt aus;<br />
Man befindet sich mitten<br />
Im Getriebe als w&auml;r&#8217;s<br />
Irgendein schuldloser Ort.</p>
<p>Es flie&szlig;t ja auch lediglich Wasser<br />
Aus dem Hahn, oder schwallweise,<br />
Und trotzdem wie zum Baden rein,<br />
&Uuml;ber das Exkrement.<br />
Doch die Hand, die es auf-<br />
Und abdreht, achtlos, allt&auml;glich &#8212;<br />
Die Hand liegt doch eigentlich<br />
An jemandens staubiger<br />
Sprachloser Gurgel,<br />
Jemand den der Zufall<br />
Weit schlechter gestellt hat.</p>
<p>Die festen Mauern,<br />
Die frischen Fassaden<br />
Knirschen heimlich;<br />
Die Zeit wird<br />
Kommen, da&szlig;<br />
Sie unter der Last<br />
Allen Ungleichgewichts &#8212;<br />
Da&szlig; sie fallen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wohlstand</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 09:50:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Überleben]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Fernsehen pr&#228;sentiert abgerissene Notizzettel aus der gro&#223;en, weiten Welt. Zuerst eine Mauer oder ein Zaun, der Schutzwall gegen den kapitalistischen Faschismus &#8211; so hat man wohl gesagt. Ein ausgekl&#252;gelter Schutzwall mit Suchscheinwerfern, Schie&#223;befehl, Stolperdr&#228;hten, Wacht&#252;rmen, Mienen, Selbstschu&#223;anlagen usw. Dann kommt der noch ausgekl&#252;geltere Freiheitsdrang von einigen Menschen zu Wort und es wird gezeigt, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/09/maske-limes.jpg" class="floatbox" rev="group:4995 caption:`Maske eines r&ouml;mischen Soldaten aus dem Limes-Museum Aalen (von Flickr-Benutzer wo.men)`"><img class="rand size-medium wp-image-4997" title="Maske eines r&ouml;mischen Soldaten aus dem Limes-Museum Aalen (von Flickr-Benutzer wo.men)" src="/wp-content/uploads/2009/09/maske-limes-206x300.jpg" alt="Maske eines r&ouml;mischen Soldaten aus dem Limes-Museum Aalen (von Flickr-Benutzer wo.men)" width="206" height="300" /></a></p>
<p>Das Fernsehen pr&auml;sentiert abgerissene Notizzettel aus der gro&szlig;en, weiten Welt. Zuerst eine Mauer oder ein Zaun, der Schutzwall gegen den kapitalistischen Faschismus &#8211; so hat man wohl gesagt. Ein ausgekl&uuml;gelter Schutzwall mit Suchscheinwerfern, Schie&szlig;befehl, Stolperdr&auml;hten, Wacht&uuml;rmen, Mienen, Selbstschu&szlig;anlagen usw. Dann kommt der noch ausgekl&uuml;geltere Freiheitsdrang von einigen Menschen zu Wort und es wird gezeigt, wie man dem selbstgerechten Totalitarismus des antifaschistischen und antikapitalistischen Regimes entkommen konnte: Selbstgen&auml;hte Hei&szlig;luftballons, selbstgeschreinerte Hochleistungssurfbretter, ein Stahlseil zwischen einem antikapitalistischen Haus und einem in aller Freiheit dastehenden Haus gespannt, sogar eine Grenz&uuml;berquerung mit Ultraleichtflugzeugen, wie sie in einem Agententhriller h&auml;tte stattfinden k&ouml;nnen. Und dann, in der Freiheit: Staunen &uuml;ber das Einkaufszentrum, erstmal ein Bier zur Feier des Abends. Ende der Sendung.</p>
<p>N&auml;chster Schutzwall: der Limes. Ein Spezialist f&uuml;r Milit&auml;rgeschichte redet &uuml;ber das Hinterland, das Vorfeld, die Zangenbewegung. Trachtengruppen rudern ein nachgebautes Binnenkriegsschiff, das Navis lusoria, ein &#0187;t&auml;nzelndes Schiff&#0171;. Geod&auml;ten wundern sich &uuml;ber die Pr&auml;zision der R&ouml;mer, die ihren Wall wie eine abstrakte Linie durch die Landschaft gebaut haben. Berittene Legion&auml;re in der Winterlandschaft. Sie tragen versilberte Masken und sehen aus wie unber&uuml;hrbare G&ouml;tter. Und hinter dem Limes der germanische Urwald, die Kamera f&auml;ngt einen B&auml;ren ein, einen Wolf und einen Luchs. Wie sind die Filmemacher wohl an diese Tiere gekommen? Hat man sie in einem Zoo ausgeliehen? Eine freie, weite Landschaft wird gezeigt, eine Welt, in der man Platz hatte. Dann kam aber, sagt der sonore Sprecher, ein K&auml;lteeinbruch, die Germanen leiden Hunger und &uuml;berrennen den Schutzwall. V&ouml;lkerwanderung. <span id="more-4995"></span></p>
<p>Ende der Sendung. Zum Abschlu&szlig; Nachrichten: Politiker im Interview, die so glatte Formulierungen finden, da&szlig; man, sollte man den Versuch unternehmen, darauf einen zweiten Gedanken zu richten, feststellen m&uuml;&szlig;te, da&szlig; die Verlautbarungen unverst&auml;ndlich sind wie das Gemurmel eines Orakels. Aber von irgendeiner Zukunft war doch gar nicht die Rede? N&auml;chster Bericht: In Spanien versinken Ortschaften im Regen, die Stra&szlig;en sind zu Flu&szlig;betten geworden, Autos pfl&uuml;gen sich durch das Wasser. Am Wochenende soll das Wetter auch in Spanien wieder besser werden. War das scherzhaft gemeint? Wann wird der Pegelstand der Stra&szlig;enfl&uuml;sse zum Wetterbericht geh&ouml;ren? Themenwechsel: Auf den Philippinen ertrinken Menschen im Regen. Ein Mann berichtet, wie sein Haus fortgesp&uuml;lt wurde &#8211; er verschwendet keine Kraft darauf, hoffnungslos auszusehen. Auf einem Schutthaufen steht ein Hund und blickt dem Schiff hinterher, auf dem die Kamera herumgefahren wird. Er ist so mager, da&szlig; sich sein Fell straff &uuml;ber die Rippen spannt wie eine gerahmte Leinwand. Ein magerer Hund und au&szlig;erdem eine alte Frau, die mitten im Weltuntergang ihren vor kurzem geborenen Enkel in einen Reisebus hebt.</p>
<p>Ausschalten. Die Bilder wiederholen sich. Die idyllische Winterlandschaft, davor der dampfende Atem des Pferdes, ein Legion&auml;r hinter einer gl&auml;nzenden Eisenmaske, die Maske l&auml;chelt siegesgewiss, die Augen liegen hinter zwei kreisrunden, schwarzen L&ouml;chern. Die glitzernden Einkaufszentren im Reich der freien Kapitalbewegungen sind das Fluchtziel. Phrasendreschende Staatsm&auml;nner: Die Atomkraft als Br&uuml;ckentechnologie. Aber wohin spannt sich diese Br&uuml;cke? Wir leben l&auml;ngst nicht mehr, hat ein politischer Vordenker neulich gesagt, in einer Mangelwirtschaft. Es gehe darum, den &Uuml;berfluss zu verteilen. Wie lange wird es noch darum gehen, den &Uuml;berfluss zu verteilen? Wer sitzt dabei mit am Tisch? Wem sind wir gleich, mit wem sollen wir uns vergleichen? Mit einem S&auml;ufer? Er hat getrunken, seit er denken kann, und an einem Abend versetzt ihn der Rausch in klarsichtige Wehmut. Er gelobt, es jetzt besser zu machen, die Probleme anzugehen und sich zu &auml;ndern. Er bemerkt nicht, da&szlig; es l&auml;ngst zu sp&auml;t ist und das sich an ihm vollziehen wird, was er vor Jahren in Kauf genommen hat. Er bemerkt nicht, da&szlig; man nicht einfach einen Knopf dr&uuml;cken kann. Wir leben nicht mehr in einer Mangelgesellschaft, es gibt Br&uuml;ckentechnologien, bald wird das Wetter wieder besser, der Hund ist geimpft.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf der Titanic</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 10:17:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Überleben]]></category>
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		<description><![CDATA[Was ist Ver&#228;nderung? Ein verd&#228;chtiger Begriff. W&#228;hrend des &#252;berwiegenden Teils der Geschichte unserer Art auf diesem Planeten wurde Ver&#228;nderung von Menschen jedenfalls als bedrohlich und entschieden vermeidenswert angesehen. Ver&#228;nderung ist Abweichung vom Urzustand, von dem Erbe der Ahnen und dem Willen der G&#246;tter, von dem in der Vergangenheit verankerten grunds&#228;tzlichen Anfangszustand, der besser ist als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/08/InconvTruth.jpg" class="floatbox" rev="group:4418 caption:`Bild aus dem Film &quot;An Inconvenient Truth&quot;`"><img class="rand size-medium wp-image-4419" title="Bild aus dem Film &quot;An Inconvenient Truth&quot;" src="/wp-content/uploads/2009/08/InconvTruth-300x173.jpg" alt="Bild aus dem Film &quot;An Inconvenient Truth&quot;" width="300" height="173" /></a></p>
<p>Was ist Ver&auml;nderung? Ein verd&auml;chtiger Begriff. W&auml;hrend des &uuml;berwiegenden Teils der Geschichte unserer Art auf diesem Planeten wurde Ver&auml;nderung von Menschen jedenfalls als bedrohlich und entschieden vermeidenswert angesehen. Ver&auml;nderung ist Abweichung vom Urzustand, von dem Erbe der Ahnen und dem Willen der G&ouml;tter, von dem in der Vergangenheit verankerten grunds&auml;tzlichen Anfangszustand, der besser ist als alles, was sich irgendjemand heute ausdenken k&ouml;nnte – und deshalb ist Ver&auml;nderung verd&auml;chtig. Wenn sich etwas &auml;ndert, dann nur zum schlechten und h&ouml;chstens scheinbar zum Guten. Quasi nanos sunt gigantum umeris insidentes –<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwerge_auf_den_Schultern_von_Riesen" title="Nachlesen bei Wikipedia" target="_blank"> gleichsam Zwerge sind wir,</a> die auf den Schultern von Riesen sitzen, lautet ein b&uuml;ndiger Audruck f&uuml;r dieses traditionsverbundene Selbstbewu&szlig;tsein</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2009/08/Dampfma_gr.jpg" class="floatbox" rev="group:4418 caption:`Eine von James Watt entworfene, doppelt wirkende Niederdruckdampfmaschine mit Balancier (Wikipedia)`"><img class="size-medium wp-image-4425 alignright" title="Eine von James Watt entworfene, doppelt wirkende Niederdruckdampfmaschine mit Balancier (Wikipedia)" src="/wp-content/uploads/2009/08/Dampfma_gr-204x190-custom.jpg" alt="Eine von James Watt entworfene, doppelt wirkende Niederdruckdampfmaschine mit Balancier (Wikipedia)" width="204" height="190" /></a>Dann kam die Aufkl&auml;rung und alles wurde besser. Die Enge der Tradition wurde erkannt und das Menschengeschlecht ging daran, einen neuen Anfang zu machen. Erfindungen wurden gemacht, der Unternehmergeist der Menschen geweckt, der Aberglaube &uuml;berwunden und die N&uuml;chternheit allgemein eingef&uuml;hrt. Es konnte seitdem nur jeden Tag besser werden. Der Riese konnte sich endlich zur Ruhe setzen und die Zwerge gingen ans Werk, ohne sich von der Schwerf&auml;lligkeit des verrenteten Giganten noch weiter behindern zu lassen.</p>
<p>Heute allerdings ist der Fortschrittsmotor ins klappern und scheppern gekommen. Zwar w&auml;chst unser Wohlstand unentwegt – auch wenn die Bed&uuml;rfnisse immer noch st&auml;rker wachsen und es uns nicht recht sehen lassen. Zwar kommen mit jedem Jahr weitere Annehmlichkeiten hinzu. Aber: auf den goldgepflasterten Weg des Fortschritts in die Zukunft fallen Schatten. Und eine alte literarische Gattung wird wiederentdeckt: Die Apokalypse. <span id="more-4418"></span></p>
<p>Wir gelangen von Jahr zu Jahr immer deutlicher zu der Einsicht, da&szlig; das Ende des Fortschritts irgendwann in absehbarer Zeit erreicht sein wird; da&szlig; dann die Rechnung pr&auml;sentiert werden wird, und: es wird &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gehen, sie zu begleichen. Eine „quasi-geologische Kraft“ ist der Mensch in den knapp dreihundert Jahren seit Erfindung der Dampfmaschine geworden, eine entfesselte und insgesamt ziemlich blinde Kraft, die „die nat&uuml;rliche Arbeitsweise des Erdsystems wesentlich und unwiderruflich ver&auml;ndern wird“.<sup class='footnote'><a href='#fn-4418-1' id='fnref-4418-1'>1</a></sup> Wenn wir auf unsere weit entwickelten Instrumente blicken, die f&uuml;r uns die Zukunft voraussagen, sehen wir: diese Ver&auml;nderung wird reichlich zu unseren Ungunsten ausfallen, wie ein T&uuml;mpel, der &uuml;berd&uuml;ngt wurde und in dem das biologische Gleichgewicht zerst&ouml;rt ist, wird die Biosph&auml;re der Erde umkippen. Und es wird bis dahin weniger Zeit vergehen, als seit der Empfindung der Dampfmaschine vergangen ist.</p>
<p>Warum? Weil ein Irrtum war, was die ersten begeisterten Vordenker der Idee von Fortschritt und Entwicklung sich ausgemalt hatten: da&szlig; der Mensch, wenn man ihn nur lie&szlig;e und nicht unterdr&uuml;cke, sich selbst veredeln w&uuml;rde, &auml;u&szlig;erlich und innerlich; da&szlig; wir einen Hang dazu h&auml;tten, immer erwachsener, vern&uuml;nftiger und freiheitsliebender zu werden; da&szlig; es in unserer Natur liege, freundliche G&auml;rtner in bl&uuml;henden Landschaften eines endlich wiedererrichteten Paradieses sein zu wollen. Anscheinend ist das eine nur unvollst&auml;ndige Charakterisierung des Menschengeschlechtes. Wir haben einen Hang dazu, unser Scherflein ins Trockene zu bringen, auch wenn wir daf&uuml;r den ganzen Rest im Regen stehen lassen m&uuml;ssen. Unsere technischen M&ouml;glichkeiten erheben uns in den Rang einer quasi-geologischen Kraft, einer so umfassenden Kraft, wie es die Meeresstr&ouml;mungen sind oder die Bodenerosion. Nicht allzu umfassend ist demgegen&uuml;ber unsere F&auml;higkeit zu planen und unser Verhalten zu steuern: wir haben uns machtvolle Werkzeuge geschaffen, um die Welt nach unseren W&uuml;nschen umzubauen. Aber wir haben uns keine Zeit genommen, auf den Bauplan mehr als einen fl&uuml;chtigen Blick zu richten.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-4426" title="Exponentialfunktion" src="/wp-content/uploads/2009/08/exponential-206x195-custom.jpg" alt="Exponentialfunktion" width="206" height="195" />Insgesamt entsteht, wenn man diese Konturen verfolgt, ein recht verwirrendes Bild: Einerseits machen wir immer weitere Fortschritte. Wir k&ouml;nnen gewi&szlig; sein, da&szlig; der Fernseher, den wir in zwei Jahren kaufen k&ouml;nnten oder das Handy, das unser momentanes ersetzen wird alles in den Schatten stellt, was zur Zeit verf&uuml;gbar ist. Niemals w&uuml;rde ein Politiker W&auml;hlerstimmen erhalten, der wirtschaftliches Wachstum rundheraus ablehnt. Andererseits aber greift eine Ahnung um sich, das es nicht mehr lange gut gehen kann. Trotzdem scheinen die neuen, mit wissenschaftlicher Akribie erarbeiteten Weltuntergangsszenarien weit hergeholt zu sein. Denn es geht uns gut – warum sollte es uns auch nicht gut gehen, wenn wir flei&szlig;ig arbeiten?</p>
<p>Einer jener akribischen Wissenschaftler zum Beispiel gelangt zu der Einsch&auml;tzung, man k&ouml;nne heute den „kollektiven Selbstbetrug einer Gesellschaft, die auf der Titanic tanzt“ beobachten.<sup class='footnote'><a href='#fn-4418-2' id='fnref-4418-2'>2</a></sup> Die „Fakten“, die daf&uuml;r sprechen, da&szlig; uns ein gro&szlig;er Umbruch bevorsteht, sind nach Bekunden dieses Klimaforschers „so klar, da&szlig; man sich eigentlich nicht mehr verstecken kann“. Eigentlich nicht – aber tats&auml;chlich gelingt das Versteckspiel doch. Was uns zu Hilfe kommt ist offenbar die Unf&auml;higkeit, auf eine Bedrohung zu reagieren, die weit entfernt ist. Wir verhalten uns gem&auml;&szlig; einer Sammlung sehr einfacher Instinkte, entsprechend unserer Natur. Die Maschinen, die wir in Gang gesetzt haben, sind aber weitaus komplexer – sie haben uns, w&auml;hrend sie unseren wirtschaftlichen Fortschritt antrieben, allm&auml;hlich abgeh&auml;ngt. Soda&szlig; wir nun eigentlich nur noch Beobachter eines Prozesses sind, den wir einmal nichtsahnend und mit den besten Absichten in Gang gesetzt haben. Ein Proze&szlig;, der von uns getragen wird, aber den wir nicht steuern k&ouml;nnen: ein Proze&szlig;, der den Planeten und das Leben auf ihm ver&auml;ndert, der wie eine Naturgewalt wirkt, die das &Uuml;berleben unserer Spezies wie aller anderen gef&auml;hrden wird. Ein Proze&szlig;, den wir absehen, den wir aber nicht stoppen k&ouml;nnen.</p>
<p>Ist das alles wirklich so? Oder erleben wir nicht so sehr ein fatale Umw&auml;lzung der nat&uuml;rlichen Gegebenheiten, sondern lediglich eine Wiederbelebung einer alten Angewohnheit menschlichen Denkens: Der Ansicht n&auml;mlich, da&szlig; die Zukunft nur ein Niedergang sein kann und das der Weltuntergang unvermeidlich ist. Das haben Menschen schon immer gedacht, haben immer wieder, in Abst&auml;nden von einigen Jahrzehnten, es als unbestreitbar angesehen, da&szlig; das Weltende kurz bevor steht. Fr&uuml;her klangen apokalyptische Erwartungen meistens religi&ouml;s – und heute, in einer modernisierten Fassung, klingt die Apokalypse naturwissenschaftlich. Tats&auml;chlich entwuckelt sich in Debatten &uuml;ber die globale Erw&auml;rmung und die k&uuml;nftigen Naturkatastrophen h&auml;ufig genug ein quasi-religi&ouml;ser Eifer. Ist demnach alles ein Produkt schwarzseherischer Phantasie?</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-4427" title="Klimasimulation" src="/wp-content/uploads/2009/08/klimasim-185x199-custom.gif" alt="Klimasimulation" width="185" height="199" />Diese Phantasie speist sich aus Simulationen, die gigantische Rechenmaschinen unter Anwendung von schwierigen Formeln entwickeln. Anhand dieser Simulationen l&auml;&szlig;t sich vorhersagen, wie das globale &Ouml;kosystem und die physikalischen Vorg&auml;nge auf dem Planeten darauf reagieren werden, da&szlig; der Mensch die chemische Zusammensetzung der Atmosph&auml;re einschneidend ver&auml;ndert. Das ist &auml;u&szlig;erst komplex und f&uuml;r kaum jemanden im einzelnen nachvollziehbar. Es l&auml;&szlig;t sich aus solchen Erkenntnissen auch kein Produkt gewinnen, das im Alltag n&uuml;tzlich w&auml;re – wie sonst bei den meisten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die erst dadurch ihre Relevanz beweisen. Gegen die Prognosen der Klimaforscher steht vor allem die einfache und unmittelbar einleuchtende Erkenntnis, die der Blick aus dem Fenster vermittelt: Alles ist in Ordnung.</p>
<p>Die kommende Klimakatastrophe ist ein Medienereignis: Ein Ereignis, das nur in einem bestimmtem Medium, der Wissenschaft, der mathematischen Simulation, der Extrapolation von Beobachtungen, &uuml;bermittelt wird. Ganz so, wie andere Katastrophen lediglich als Medienereignisse greifbar sind: kriegerische Auseinandersetzungen in fernen L&auml;ndern, Hungerkatastrophen in anderen Kontinenten, Armut und Elend in weiter Entfernung. Und auch solche Ereignisse, weil sie letztlich nur Medienereignisse sind, ver&auml;ndern unser Verhalten nicht wesentlich. Denn der Blick aus dem Fenster besagt weiterhin: Alles ist in Ordnung.</p>
<p>Erst, wenn die unmittelbaren, eigenen Interessen ber&uuml;hrt sind, handelt ein Exemplar der Gattung Homo sapiens. So gibt es ihm sein angeborenes, ganz nat&uuml;rliches Verhalten vor. Mit ungreifbaren, k&ouml;rperlosen Dingen umzugehen, etwas weit entferntes in unsere &Uuml;berlegungen mit einzubeziehen – dazu sind wir nicht in der Lage. Deshalb wird es erst dann Reaktionen auf die Klimaver&auml;nderung geben, wenn ihre Folgen gravierend genug sind, uns sp&uuml;rbare Nachteile einzubringen, die den Lebenskomfort einschr&auml;nken und unangenehme Kosten verursachen, die nicht mehr als Hypothek in die Lebenszeit kommender Generationen aufgeschoben werden k&ouml;nnen. Dann aber wird es schon zu sp&auml;t sein.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4418-1'>„Die Menschheit wirkt jetzt wie eine quasi-geologische Kraft im planetaren Ma&szlig;stab, die die nat&uuml;rliche Arbeitsweise des Erdsystems wesentlich und unwiderruflich ver&auml;ndern wird&#8230;“ <em>(Memorandum des 2007 in Potsdam abgehaltenen Symposiums <a title="Quelle: Potsdam Memorandum" href="http://www.nobel-cause.de/potsdam-memorandum" target="_blank">„Global Sustainability: A Nobel Cause“</a>)</em> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4418-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-4418-2'>Die Fakten sind so klar, da&szlig; man sich eigentlich nicht mehr verstecken kann, in irgendeiner Weise verbergen kann. Da gibt es eine Komplizenschaft zwischen der gro&szlig;en Industrie sowie den kleinen Konsumenten, den Politikern wie den Nichtw&auml;hlern und so weiter. Es ist eben der kollektive Selbstbetrug einer Gesellschaft, die auf der Titanic tanzt. <em>(Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut f&uuml;r Klimafolgenforschung, im TV-Magazin Panorama vom 06. August 2009)</em> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4418-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Unseren V&#228;tern</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 10:30:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Endzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Fressen]]></category>
		<category><![CDATA[Himmel]]></category>
		<category><![CDATA[Ungerechtigkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Vorfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere V&#228;ter, unsere Gro&#223;v&#228;ter Haben dieses Land gebaut Nach bestem Verm&#246;gen &#8211; Wir erben nur Schutt. Aus den &#220;berresten von Ihrem letzten, sp&#228;ten Fr&#252;hst&#252;ck Kochen wir uns Eine Fadensuppe Und sehen zu, Voller Bewunderung, Wie ein kunstvoll gebauter Motor Mit wenigen Umdrehungen Den Rest der Spreu verbrennt, Die wir in den Speichern fanden. Es reicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/06/WaraiJoW.JPG" class="floatbox" rev="group:4058 caption:`Maske vom Typ Warai-jô (lachender alter Mann; Bildquelle: Susan Blakeley Klein)`"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/WaraiJoW-219x300.jpg" alt="Maske vom Typ Warai-jô (lachender alter Mann; Bildquelle: Susan Blakeley Klein)" title="Maske vom Typ Warai-jô (lachender alter Mann; Bildquelle: Susan Blakeley Klein)" width="219" height="300" class="rand size-medium wp-image-4060" /></a></p>
<p>Unsere V&auml;ter, unsere Gro&szlig;v&auml;ter<br />
Haben dieses Land gebaut<br />
Nach bestem Verm&ouml;gen &#8211;<br />
Wir erben nur Schutt.</p>
<p>Aus den &Uuml;berresten von<br />
Ihrem letzten, sp&auml;ten Fr&uuml;hst&uuml;ck<br />
Kochen wir uns<br />
Eine Fadensuppe</p>
<p>Und sehen zu,<br />
Voller Bewunderung,<br />
Wie ein kunstvoll gebauter Motor<br />
Mit wenigen Umdrehungen<br />
Den Rest der Spreu verbrennt,<br />
Die wir in den Speichern fanden.</p>
<p>Es reicht gerade noch,<br />
Bis der letzte greise, weise<br />
Erbauer unserer Plexiglastretm&uuml;hlen<br />
Fett und wohlig warm</p>
<p>Durch unser pflichtschuldiges Treten<br />
Beleuchtet, von unserer Hand<br />
Mit dem Abgesparten gen&auml;hrt<br />
Friedlich abstirbt.</p>
<p>Ringelreihen tanzen sie dann,<br />
Unsere V&auml;ter, Gro&szlig;v&auml;ter,<br />
Im verpf&auml;ndeten Himmel<br />
Und schauen uns zu,<br />
Und staunen wie z&auml;h<br />
Wir uns halten,<br />
In der Steppe,<br />
Die sie uns lie&szlig;en.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf Leber und Darm</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 11:39:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme mit Wörtern]]></category>
		<category><![CDATA[Krankheit]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA["F&#252;hlen Sie sich gut?" Eine ziemlich grunds&#228;tzliche Frage, die mir unversehens gestellt wird. In einem ungesch&#252;tzten Moment, meine Gedanken m&#252;ssen eilends und nur halb bekleidet von irgendwo zur&#252;ckkehren. Da vor mir ist eine <a title="Nachsehen..." href="http://www.felix-burda-stiftung.de/kampagne/print/index.php?" target="_blank">Gestalt auf einem Plakat</a>, beinahe lebensgro&#223; abgebildet -- sie stellt mir diese Frage stellt. Ein Mann mit ordentlicher Frisur und einem zufriedenen, von Grund auf freundlichen L&#228;cheln im soliden, starkknochigen, vertrauensw&#252;rdigen Gesicht. Er versucht, mit einer Hand aus dem Plakat hinauszugreifen, wohl um mich f&#252;r einen Augenblick aufzuhalten, damit ich mir Zeit nehme, &#252;ber sein wichtiges Anliegen nachzudenken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/06/greifen.jpg" class="floatbox" rev="group:4008 caption:`Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs`"><img class="rand size-full wp-image-4021" title="Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs" src="/wp-content/uploads/2009/06/greifen.jpg" alt="Die Hand von Wladimir Klitschko auf dem Plakat der Felix-Burda-Stiftung zum Thema Darmkrebs" width="300" height="225" /></a></p>
<p>﻿»F&uuml;hlen Sie sich gut?&#0171; Eine ziemlich grunds&auml;tzliche Frage, die mir unversehens gestellt wird. In einem ungesch&uuml;tzten Moment, meine Gedanken m&uuml;ssen eilends und nur halb bekleidet von irgendeinem reichlich weit entfernten Ort zur&uuml;ckkehren. Da vor mir ist eine Gestalt auf einem Plakat, die mich offenbar gerade angesprochen hat. Es ist die beinahe lebensgro&szlig;e Abbildung eines Mannes. Ein Mann mit ordentlicher Frisur und einem zufriedenen L&auml;cheln im starkknochigen, vertrauensw&uuml;rdigen Gesicht. Er versucht, mit einer Hand aus dem Plakat hinauszugreifen, wohl um mich f&uuml;r einen Augenblick anzuhalten, damit ich mir Zeit nehme, &uuml;ber sein wichtiges Anliegen nachzudenken. Als er meine Verwirrung bemerkt, l&auml;chelt er noch etwas freundlicher und wiederholt, in vertraulichem Tonfall: &#0187;F&uuml;hlen Sie sich gut?&#0171;</p>
<div class="textbox">»Weil man ihn erst sp&uuml;rt, wenn es zu sp&auml;t ist.«</div>
<p>Unsere Begegnung hatte eigentlich ganz harmlos begonnen: Ich habe, als ich noch unbeteiligt war, eine Selbstkundgabe des Mannes gelesen, die in gro&szlig;en, ordentlich hellblauen Lettern &uuml;ber seiner feuchtgl&auml;nzenden Frisur auf dem Plakat angebracht ist: &#0187;I feel good&#0171;. Das war auch noch ganz beil&auml;ufig zu h&ouml;ren. Jetzt aber stellt mir dieser Herr im Anzug ohne jede &Uuml;berleitung mitten ins Gesicht eine  sotiefsch&uuml;rfende Frage: &#0187;F&uuml;hlen Sie sich gut?&#0171; Und da er mich einmal auf die existenzielle Ebene gen&ouml;tigt hat, bringt er gleich noch eine recht unangenehme, sehr private Vermutung zum Ausdruck: &#0187;Sie k&ouml;nnten trotzdem Darmkrebs haben.&#0171; Kurze, bed&auml;chtige Pause, aufrichtige Sorge blitzt in den dunklen Augen. Habe ich richtig geh&ouml;rt? &#0187;Weil man ihn erst sp&uuml;rt, wenn es zu sp&auml;t ist&#0171;, setzt er noch hinzu.</p>
<p>Und ich h&auml;tte eben beinahe zugegeben, da&szlig; ich mich tats&auml;chlich recht wohl f&uuml;hle. Gut, da&szlig; ich das verschwiegen habe, denke ich jetzt. Denn ich h&auml;tte ja geradezu den Verdacht auf mich gelenkt, darmkrebskrank zu sein. Den Darmkrebs bemerkt man n&auml;mlich erst, wenn es schon zu sp&auml;t ist. Ist das ganz normale, unauff&auml;llige Gef&uuml;hl in meinem Bauch also ein Warnzeichen? Ich horche in mich hinein. Und der Mann lie&szlig;t mir die Gedanken aus dem sorgenvollen Gesicht. &#0187;Aber das bringt ja&#0171;,  erinnert er mich, &#0187;rein gar nichts. Sie k&ouml;nnen ihn nicht sp&uuml;ren, den schlimmen, hinterh&auml;ltigen Darmkrebs. Erst wenn es zu sp&auml;t ist.&#0171; Noch nicht mal, wenn ich mich unwohl f&uuml;hle, w&auml;re das ein Zeichen f&uuml;r die Krankheit? Oder ist es dann, wenn ich mich unwohl F&uuml;hle, schon l&auml;ngst zu sp&auml;t? Oder ist es immerhin ein Zeichen daf&uuml;r, keinen Krebs zu haben, wenn man Magenschmerzen hat? Der Mann unterbricht meine unschl&uuml;ssigen &Uuml;berlegungen: &#0187;Nein&#0171;, bekr&auml;ftigt er, &#0187;man kann ihn nicht sp&uuml;ren. Und stellen sie sich vor, was f&uuml;r ein peinlicher Tod das w&auml;re &#8211; ein Tod, der aus dem Darm kommt.&#0171;</p>
<div class="textbox">Was f&uuml;r ein peinlicher Tod das w&auml;re, ein Tod, der aus dem Darm kommt.</div>
<p>Er beugt sich etwas n&auml;her. Aber wenn ich jetzt einen Test machen w&uuml;rde, erkl&auml;rt er mir, w&auml;re mein eventueller, mein beinahe schon wahrscheinlicher Darmkrebs durchaus heilbar. Nun denn. Verst&ouml;rt gebe ich ihm mein Wort, einmal dar&uuml;ber nachzudenken. Es w&auml;re ja sch&ouml;n, wenn ich genauso wie dieser zweifelsfrei gesunde Mann ganz unbeschwert sagen k&ouml;nnte: I feel good. Er hat den Test n&auml;mlich schon gemacht und darf also ohne alle Zweifel von sich behaupten, da&szlig; es ihm gut geht. Wenn er aus dem Plakat hinausk&ouml;nnte, w&uuml;rde er mir sicherlich zum Abschied auf die Schulter klopfen. Als ich gehe, ruft er mir noch einen ermutigenden Satz hinterher, von Mann zu Mann sozusagen: &#0187;Danach f&uuml;hlt man sich besser&#0171;, sagt er &#8211; und mein Zug kommt.</p>
<p>Einige Stationen sp&auml;ter gerate ich, gleich nachdem ich ausgestiegen bin, schon wieder in Schwierigkeiten. Ich stolpere <a title="Nachsehen..." href="https://www.hepb.de/cps/rde/xchg/bms_hepb/hs.xsl/home_hepatitis-b_kampagne.html" target="_blank">beinahe in ein Schlafzimmer</a>, in dem sich ein Paar fast vollst&auml;ndig entkleidet hat. Eine von z&uuml;chtiger leidenschaft ergriffene blonde Frau und ein sehr hingebungsvoll dreinblickender, athletischer Mann halten sich umschlungen. Sie tragen nichts weiter, als makellose wei&szlig;en Unterhosen. Ich sehe sie durch ein Schl&uuml;sselloch. Nein, ich wollte nicht in die Privatssp&auml;hre der beiden dringen, aber das Schl&uuml;sselloch ist immerhin beinahe mannshoch, man k&ouml;nnte fast hindruchgehen; und es ist auf Augenh&ouml;he angebracht &#8211; schon wieder auf einer Plakatwand. Man kann nicht umhin, die beiden wei&szlig;en Unterhosen zu bemerken, die marmorglatte Haut von Frau und Mann, ihre anscheinend verliebten Gesichter. Eine Ahnung von wei&szlig;er Bettw&auml;sche und im Hintergrund sonnendurchflutete wei&szlig;e Vorh&auml;nge. Alles ist &uuml;berhaupt sehr wei&szlig; und sehr sauber &#8211; sch&ouml;ne, makellose, frischgewaschene Liebe: man kann die beiden nur begl&uuml;ckw&uuml;nschen.</p>
<div class="textbox">Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet.</div>
<p>Aber, ach weh, unter dem Schl&uuml;sselloch steht, mahnend, schwerwiegend, endg&uuml;ltig, nur ein einziger medizinischer Fachterminus, ein knappes, hartes Urteil: Hepatitis B. Hier? Ausgerechnet zwischen diesen beiden, auf diesem sauberen Laken: <em>hier</em> wird gleich eine Infektion weitergegeben werden? Eine Infektion, bei der man doch eigentlich an fragw&uuml;rde hygienische Verh&auml;ltnisse denkt, an die Gosse, an Kanalisation, an lichtlose, stickige R&auml;ume. &#0187;Aber ja, aber ja&#0171;, kl&auml;rt das Plakat auf: &#0187;Das Virus wartet, wo man es nicht erwartet.&#0171; Man m&ouml;chte meinen, dieses durchtriebene Virus mit seinen exkrementalen Vorlieben habe sich nun darauf verlegt, <em>gerade da</em> zu warten, wo man es nicht erwartet. Das pa&szlig;t zu ihm! Sex, K&ouml;rperfl&uuml;ssigkeiten, Blut genie&szlig;en seinen Vorzug, doziert mit angenehm neutraler Stimme das Plakat. Und wer seine Lebensgrundlage auf solchen Substanzen errichtet hat &#8211; dem ist doch alles zuzutrauen. (Inzwischen wei&szlig; ich von anderen Plakaten, da&szlig; sogar ein neu gekaufter Na&szlig;rasierer, da&szlig; sogar seine gl&auml;nzenden, frisch geschliffenen Klingen das Virus verbreiten; da&szlig; eine Nagelfeile und viele andere, eigentlich unschuldige Gegenst&auml;nde, jenes Virus, das wartet, wo man es nicht erwartet, beherbergen k&ouml;nnen.)</p>
<p>Da ist guter Rat teuer und man sucht h&auml;nderingend nach Abhilfe. Zum Gl&uuml;ck wei&szlig; das Plakat rat: &#0187;Am besten Testen&#0171;, sagt es mit v&auml;terlichem Witz. Denn auch, wenn sie schlie&szlig;lich in den K&ouml;rper gelangt ist, versteckt sich die heimt&uuml;ckische Hepatitis B, bis es zu sp&auml;t ist. Und nur, wenn die Krankheit durch einen Test fr&uuml;h genug erkannt wird, kann man noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. &#8211; Also, sprechen wir alle zusammen, liebe Mitreisenden hier auf dem Bahnsteig, sagen wir es im Chor, um es uns gemeinsam einzupr&auml;gen: Am besten Testen, am besten Testen, am besten Testen. &#8211; Gerade noch kann ich mich zur&uuml;ckhalten, da&szlig; ich nicht mit weit ausgestreckten Armen und lauter Stimme den Chor anleite. So bleibt er nun leider aus. Die Menschen kommen einfach nicht von selbst darauf, was zu ihrem Besten ist.</p>
<p>In der Nacht habe ich einen Traum.</p>
<div class="textbox">&#0187;Am besten Testen!&#0171;</div>
<p>Ich gehe ich durch einen langen, giftgr&uuml;nen und vollkommen menschenleeren Krankenhausflur. Als ich mich gerade frage, was ich hier eigentlich soll und nach dem Ausgang suchen will, klopft mir jemand von hinten auf die Schulter. Es ist der breitknochige, gesunde Darmkrebsapostel. Ich sei also doch noch zur Vernunft gekommen, stellt er anerkennend fest. Eine T&uuml;r geht auf und das Paar mit den wei&szlig;en Unterhosen tritt in den Gang. Jetzt tragen die beiden schmuddelige Badem&auml;ntel, ihre Haare sind fettig und zerrauft. Schweigend treten sie zu uns und glotzen ungl&uuml;cklich aus gelben, kranken Augen an.</p>
<p>&#0187;Was wollt ihr denn von mir?&#0171;, frage ich und bin dabei lauter, als ich beabsichtigt hatte.<br />
&#0187;Die Welt ist voller unsichtbarer Krankheiten&#0171;, stellt die blonde Frau entschieden fest.<br />
&#0187;Du solltest dich nicht einfach so gesund f&uuml;hlen&#0171;, sagt der Grobknochige.<br />
&#0187;Man t&auml;uscht sich immer. Gesundheit ist eine Einbildung&#0171;, sagt der Mann im Bademantel.<br />
&#0187;Mir fehlt nichts&#0171;, insistiere ich.<br />
&#0187;Unsinn!&#0171;, rufen alle durcheinander.<br />
&#0187;Mein Freund: denkst du etwa, Gesundheit sei selbstverst&auml;ndlich? Das ist ein gef&auml;hrlicher Irrtum. Gesundheit mu&szlig; hergestellt werden. Daf&uuml;r gibt es Fachleute.&#0171; Der Grobknochige rollt das &#0187;R&#0171; und hat eine dunkle, einlullende Stimme.<br />
&#0187;Sieh uns an. Wir dachten, man d&uuml;rfe sich einfach so nahekommen. Nein, so geht das nicht. In jedem Tropfen K&ouml;rperfl&uuml;ssigkeit lauert die Krankheit. Man mu&szlig; sich testen lassen&#0171;, sagt die Frau voller Reue.<br />
&#0187;Am besten Testen!&#0171;, ruft ihr hepatischer Freund sehr eifrig.<br />
&#0187;Am besten Testen. Am besten Testen&#0171;, skandieren jetzt alle gemeinsam.<br />
&#0187;Denn das Virus wartet, wo man es nicht erwartet&#0171;, schallt eine sonore Stimme aus Lautsprechern, die &uuml;berall an den W&auml;nden h&auml;ngen.<br />
&#0187;Ich bin doch gesund!&#0171;, rufe ich noch. Da aber sind auch schon vier kr&auml;ftige Pfleger aus einem Dienstzimmer gesprungen und packen mich an Armen und Beinen. Ein Krankenhausbett wird herbeigeschafft und ich werde darauf festgebunden.<br />
&#0187;Das h&auml;tte ich nicht gedacht&#0171;, sagt der Grobknochige.<br />
&#0187;Ein Verweigerer&#0171;, schimpft die Blonde entr&uuml;stet.<br />
Aus den Lautsprechern kommt jetzt knackend und rauschend eine Aufnahme von &#0187;I feel good&#0171; und ein Pfleger schiebt mich in meinem Bett den Flur hinunter. Man erkl&auml;rt mir, da&szlig; jetzt, da ich durch meinen Trotz diese ausweglose Situation herbeigef&uuml;hrt h&auml;tte, man keine andere Wahl mehr habe: mir m&uuml;ssten jetzt sofort Darm und Leber entfernt werden.</p>
<p>Da wache ich auf. Ich frage mich, als ich wieder einigerma&szlig;en bei Besinnung bin, ob die Tatsache, da&szlig; ich schwitze, vielleicht ein fr&uuml;hes Zeichen f&uuml;r eine Infektion ist? Vielleicht ist mein Schwei&szlig; l&auml;ngst schon giftig? Und die &Uuml;belkeit &#8211; bedeutet sie, da&szlig; es schon zu sp&auml;t ist?</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Karriereleiter</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 10:34:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
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		<category><![CDATA[Hirnforschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir wurden von der Evolution nur sp&#228;rlich f&#252;r den Abschied von den B&#228;umen entsch&#228;digt. Von der Evolution oder irgend einem Anderen, bislang Unbekannten, der &#252;ber unsere Spezies verf&#252;gt hat, auftrecht am staubigen Boden gehen zu m&#252;ssen. Alles, was wir zum Ausgleich f&#252;r diese Abstieg erhalten haben, ist kaum zu unterscheiden von den dunstigen Einbildungen, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/06/mirr-edge-bg.jpg" class="floatbox" rev="group:3863 caption:`Sprung. Szene aus dem Computerspiel &quot;Mirror's Edge&quot;`"><img src="/wp-content/uploads/2009/06/mirr-edge-bg-300x168.jpg" alt="Sprung. Szene aus dem Computerspiel &quot;Mirrors Edge&quot;" title="Sprung. Szene aus dem Computerspiel &quot;Mirror's Edge&quot;" width="300" height="168" class="rand captify" /></a></p>
<p>Wir wurden von der Evolution nur sp&auml;rlich f&uuml;r den Abschied von den B&auml;umen entsch&auml;digt. Von der Evolution oder irgend einem Anderen, bislang Unbekannten, der &uuml;ber unsere Spezies verf&uuml;gt hat, auftrecht am staubigen Boden gehen zu m&uuml;ssen. </p>
<p>Alles, was wir zum Ausgleich f&uuml;r diese Abstieg erhalten haben, ist kaum zu unterscheiden von den dunstigen Einbildungen, die in Tr&auml;umen die Hirnchemie reinigen: bei Krokodilen genauso wie bei Murmeltieren &#8211; das Denken n&auml;mlich, das sich selbst noch bis vor kurzem als &#0187;vern&uuml;nftig&#0171; bezeichnet hat und sich mittlerweile angemessenere Namen erfindet. </p>
<p>Aber ist das eine Kompensationsleistung? Einigerma&szlig;en vergn&uuml;glich an den Gedanken ist ihre Reisegeschwindigkeit, sicherlich. Ihre F&auml;higkeit, einen irgendwo lose herabh&auml;ngenden Strick zu ergreifen, daran in Schwung zu geraten und sich dann mitten ins Astwerk zu st&uuml;rzen, um sich Hand &uuml;ber Hand weiterzubewegen, auf einem Weg, der vorher nicht zu sehen gewesen w&auml;re. Das ist recht erfreulich &#8211; aber die Kletterpartien, die im Hirn entworfen werden, bringen doch kein einziges Haar dazu, einen Lufthauch zu sp&uuml;ren oder sich aufzurichten; belassen die H&auml;nde langweilig wei&szlig; und unbeschmutzt, ern&auml;hren uns nicht mit der notwendigen Furcht und kr&uuml;mmen mit der Zeit den R&uuml;cken. Die B&auml;ume waren doch wohl eine bessere Heimat.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Artifizell</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 10:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[Kunst ist das Gegenteil von Natur. Kunst treiben zu wollen, bedeutet, sich selbst seiner Natur entfremden zu m&#252;ssen. Einf&#228;lle, wirkliche, etwas neues bringende Einf&#228;lle, hat niemals einer, der Bedr&#228;ngnis geraten ist. Man stelle sich vor, jemand m&#252;sse eine sch&#246;pferische Idee haben, um seine Haut zu retten. Er w&#228;re verloren. Wenn er klug ist, wird er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/05/affeanzug.jpg" class="floatbox" rev="group:3742 caption:`Affe, Business Class`"><img class="rand size-medium wp-image-3756" title="Affe, Business Class" src="/wp-content/uploads/2009/05/affeanzug-213x300.jpg" alt="Affe, Business Class" width="213" height="300" /></a></p>
<p>Kunst ist das Gegenteil von Natur. Kunst treiben zu wollen, bedeutet, sich selbst seiner Natur entfremden zu m&uuml;ssen. Einf&auml;lle, wirkliche, etwas neues bringende Einf&auml;lle, hat niemals einer, der Bedr&auml;ngnis geraten ist. Man stelle sich vor, jemand m&uuml;sse eine sch&ouml;pferische Idee haben, um seine Haut zu retten. Er w&auml;re verloren. Wenn er klug ist, wird er versuchen, sich aufzuraffen und dann, wortlos wie blicklos fortzurennen, mit einem gedankenleeren Kopf, in der Hand seiner Instinkte, im Scho&szlig; der Natur. Alle Kunst, jeder sch&ouml;pferische Akt ist tats&auml;chlich darauf angewiesen, da&szlig; die Instinkte schweigen, da&szlig; sie dem &Uuml;berfl&uuml;ssigen, auf das ein solcher Akt aus ist, Platz machen. Der Natur und nackten Urspr&uuml;nglichkeit am angemessensten ist das Stammeln und Gieren &#8211; alles weitere bedeutet immer eine Abkehr von der Natur und eben &#8211; den Eintritt in einen Zustand der Selbstentfremdung.</p>


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		<title>Sinn[?]br&#246;sel #8</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 10:16:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Blindheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Schicksalsschl&#228;ge sind ein Privileg der Armen. Leben in einer Welt, die k&#252;nstlich genug ist,  um alles Schicksal auszuschlie&#223;en &#8211; das ist Wohlstand. &#8211; Bruno Zampeter, Stahlkocher und Publizist Zufriedenheit ist entweder auf Gef&#252;hlsblindheit oder Verantwortungslosigkeit zur&#252;ckzuf&#252;hren. &#8211; Jonathan Murrfeld, Handw&#246;rterbuch f&#252;r Subversive &#196;hnliche Texte:Dritte Person Ich bin mir selbst erm&#252;det Und setze mir an meiner... [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="getuem"><a href="/wp-content/uploads/2009/05/ceuta-run.jpg" class="floatbox" rev="group:3542 caption:`Ansturm auf die Grenzanlage von Ceuta`"><img class="rand size-medium wp-image-3557" title="Ansturm auf die Grenzanlage von Ceuta" src="/wp-content/uploads/2009/05/ceuta-run-300x248.jpg" alt="Ansturm auf die Grenzanlage von Ceuta" width="300" height="248" /></a></p>
<p class="getuem">Schicksalsschl&auml;ge sind ein Privileg der Armen. Leben in einer Welt, die k&uuml;nstlich genug ist,  um alles Schicksal auszuschlie&szlig;en &#8211; das ist Wohlstand.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Bruno Zampeter, Stahlkocher und Publizist</p>
<p class="getuem">Zufriedenheit ist entweder auf Gef&uuml;hlsblindheit oder Verantwortungslosigkeit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren.</p>
<p class="getuemquelle">&#8211; Jonathan Murrfeld, Handw&ouml;rterbuch f&uuml;r Subversive</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Sinnbrösel]]></series:name>
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		<title>Beschreibung</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 10:24:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Poetischer Apoplex]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtum]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Überleben]]></category>
		<category><![CDATA[Ungerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Versuch, den Hunger zu beschreiben Zum Beispiel: Nach Brot, wahrscheinlicher Aber nach Reis; oder das Verlangen Nach soetwas wie Gerechtigkeit sogar. Zu beschreiben den beklommenen Zweifel Eines Folterknechts am immer anderswo Mit Worten gedroschenen h&#246;heren Zielen (Oder, im Nebensatz, die M&#246;glichkeit: Da&#223; nicht.) Vielleicht sogar in S&#228;tze fassen, Es m&#252;ssten syntaktisch einwandfreie sein, Wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="rand size-medium wp-image-3055" title="Materialize (Skulptur aus Buntstiftresten von Jennifer Maestre)" src="/wp-content/uploads/2009/03/materialize-196x300.jpg" alt="Materialize (Skulptur aus Buntstiftresten von Jennifer Maestre)" width="196" height="300" /></p>
<p>Der Versuch, den Hunger zu beschreiben<br />
Zum Beispiel: Nach Brot, wahrscheinlicher<br />
Aber nach Reis; oder das Verlangen<br />
Nach soetwas wie Gerechtigkeit sogar.<br />
Zu beschreiben den beklommenen Zweifel<br />
Eines Folterknechts am immer anderswo<br />
Mit Worten gedroschenen h&ouml;heren Zielen<br />
(Oder, im Nebensatz, die M&ouml;glichkeit:<br />
Da&szlig; nicht.)<br />
Vielleicht sogar in S&auml;tze fassen,<br />
Es m&uuml;ssten syntaktisch einwandfreie sein,<br />
Wie das &Uuml;berleben erscheinen kann:<br />
Richtig betrachtet als unanst&auml;ndiger Zufall.<br />
Das hie&szlig;e doch aber wom&ouml;glich<br />
Angesichts der Alphabetisierung, wie man sagt,<br />
Soetwas wie Scham empfinden zu m&uuml;ssen.</p>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sequenzierte Sauberm&#228;nner</title>
		<link>http://www.rauhfasler.de/2009/sequenzierte-saubermaenner</link>
		<comments>http://www.rauhfasler.de/2009/sequenzierte-saubermaenner#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 12:57:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ceterum censeo]]></category>
		<category><![CDATA[Entblößung]]></category>
		<category><![CDATA[Genforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Web]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Venter: &#0187;Ich ziehe vor Watson den Hut daf&#252;r, da&#223; er seine Genomsequenz ins Internet stellte.1 Damit ist er ein gutes Vorbild. Viel mehr Menschen sollten ihre Erbinformation offenlegen &#8211; und zeigen, dass wir vor unseren Genen keine Angst zu haben brauchen.&#0171; Zeit: &#0187;Sie wollen den vollst&#228;ndig gl&#228;sernen Menschen.&#0171; Venter: Ein digitales Abbild des Menschen. Wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/2009/02/dna-chip.jpg" class="floatbox" rev="group:2288 caption:`DNA Chip f&uuml;r das &quot;genotyping&quot; in einer keimfreien Hand`"><img class="rand size-medium wp-image-2526" title="DNA Chip f&uuml;r das &quot;genotyping&quot; in einer keimfreien Hand" src="/wp-content/uploads/2009/02/dna-chip-300x198.jpg" alt="DNA Chip f&uuml;r das &quot;genotyping&quot; in einer keimfreien Hand" width="300" height="198" /></a></p>
<blockquote><p>Venter: &#0187;Ich ziehe vor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/James_Watson">Watson</a> den Hut daf&uuml;r, da&szlig; er seine Genomsequenz ins Internet stellte.<sup class='footnote'><a href='#fn-2288-1' id='fnref-2288-1'>1</a></sup> Damit ist er ein gutes Vorbild. Viel mehr Menschen sollten ihre Erbinformation offenlegen &#8211; und zeigen, dass wir vor unseren Genen keine Angst zu haben brauchen.&#0171;</p>
<p>Zeit: &#0187;Sie wollen den vollst&auml;ndig gl&auml;sernen Menschen.&#0171;</p>
<p>Venter: Ein digitales Abbild des Menschen. Wir haben das Genom im Computer erfasst, jetzt versuchen wir eben dasselbe f&uuml;r den ganzen Organismus.&#0171;<sup class='footnote'><a href='#fn-2288-2' id='fnref-2288-2'>2</a></sup></p></blockquote>
<p>James D. Watson, Ph. D. kann man &ouml;ffentlich nachlesen. Er ist offen und verbirgt von sich kaum etwas, ein r&uuml;ckhaltloser Pionier der Selbstenth&uuml;llung. Jedenfalls f&uuml;r den kleinen Kreis von Technokraten, die aus GTTA-CATGA-AACT etwas interessantes herauslesen k&ouml;nnen. Er hat sich dem globalen Informationsnetz anvertraut, denn ehrliche Leute haben ja nichts zu verbergen. Er hat offenbar blo&szlig; diejenigen intimsten Teile seines Erbgutes ausgespart, die &uuml;ber Erbkrankheiten Aufschluss geben k&ouml;nnten. Nun ja, das ist ein verzeihlicher, noch etwas unmoderner und r&uuml;ckst&auml;ndiger Makel. Aber man dankt ihm die Pioniertat. Ehrliche Leute haben schlie&szlig;lich nichts zu verbergen.</p>
<p>Als vollst&auml;ndig sequenziertes Lebewesen reiht sich J. D. Watson in eine illustre Reihe ein, in der auch klangvolle Namen wie  <a title="nachlesen bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mycoplasmen">Mycoplasma genitalium</a> oder <a title="nachlesen bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neanderthaler" target="_blank">Homo neanderthalensis</a> stehen. S&auml;mtliche in dieser Reihe zu findende Namen geh&ouml;ren selbstverst&auml;ndlich ehrlichen Leuten, die nichts zu verbergen haben. Allein der Homo n. gibt vielleicht zu denken auf, denn von ihm ist ruchbar geworden, da&szlig; er sich als erster Kleidung anfertigte. Kleidung, nun ja. Hoffentlich aus rein praktischen Gr&uuml;nden, als Schutz gegen die K&auml;lte n&auml;mlich &#8211; und nicht etwa, um etwas zu verbergen, seine Bl&ouml;&szlig;e zum Beispiel.</p>
<p>Und nun Mycoplasma: Es wird dringend verd&auml;chtigt, Urethritis zu verursachen, mithin sein &uuml;bles Spiel gerade mit jenem Mittelpunkt der Bl&ouml;&szlig;e zu treiben, die Homo n. durch Kleidung zu verbergen suchte, hoffentlich nur aus praktischen Gr&uuml;nden. Mycoplasma genitalium ist also, wenn man es recht besieht, ein noch ein viel besseres Beispiel f&uuml;r eine moderne Einstellung: Obwohl es bef&uuml;rchten mu&szlig;, seine Lebensgrundlage zu verlieren, wenn sein Genom hinl&auml;nglich bekannt ist, weil dann die Schleimh&auml;ute der Harnwege effektiv vor ihm gesch&uuml;tzt werden k&ouml;nnten, trotz solcher Gefahr verbirgt es sein Genom nicht vor der interessierten &Ouml;ffentlichkeit.</p>
<p>Daran sollte Herr Watson sich ein Beispiel nehmen, den letzten Schritt in die neue Zeit tun und auch dar&uuml;ber noch uns informieren, ob er bestimmte erbliche Krankheiten in sich tr&auml;gt. Ehrliche Leute haben nichts zu verbergen, &uuml;berhaupt nichts.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-2288-1'>James Watson ist Biochemiker und der Mitentdecker der Molekularstruktur der DNS. Sein Genom hat er im Internet gemeinfrei zug&auml;nglich gemacht. Mittlerweile ist die Seite <a href="http://jimwatsonsequence.cshl.edu/cgi-perl/gbrowse/jwsequence/">jimwatsonsequence.cshl.edu</a> aus mir unbekannten Gr&uuml;nden nicht mehr zu erreichen. Als Entsch&auml;digung daf&uuml;r der Hinweis auf einen &ouml;ffentlichen Vortrag des DNA-Pioniers:
<p style="text-align:center;"><object width="334" height="326"><param name="movie" value="http://video.ted.com/assets/player/swf/EmbedPlayer.swf"></param><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="wmode" value="transparent"></param><param name="bgColor" value="#ffffff"></param><param name="flashvars" value="vu=http://video.ted.com/talks/dynamic/JamesWatson_2005-medium.flv&#038;su=http://images.ted.com/images/ted/tedindex/embed-posters/JamesWatson-2005.embed_thumbnail.jpg&#038;vw=320&#038;vh=240&#038;ap=0&#038;ti=35&#038;introDuration=16500&#038;adDuration=4000&#038;postAdDuration=2000&#038;adKeys=talk=james_watson_on_how_he_discovered_dna;year=2005;theme=evolution_s_genius;theme=inspired_by_nature;theme=the_creative_spark;theme=unconventional_explanations;event=TED2005;&#038;preAdTag=tconf.ted/embed;tile=1;sz=512x288;" /><embed src="http://video.ted.com/assets/player/swf/EmbedPlayer.swf" pluginspace="http://www.macromedia.com/go/getflashplayer" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" bgColor="#ffffff" width="334" height="326" allowFullScreen="true" flashvars="vu=http://video.ted.com/talks/dynamic/JamesWatson_2005-medium.flv&#038;su=http://images.ted.com/images/ted/tedindex/embed-posters/JamesWatson-2005.embed_thumbnail.jpg&#038;vw=320&#038;vh=240&#038;ap=0&#038;ti=35&#038;introDuration=16500&#038;adDuration=4000&#038;postAdDuration=2000&#038;adKeys=talk=james_watson_on_how_he_discovered_dna;year=2005;theme=evolution_s_genius;theme=inspired_by_nature;theme=the_creative_spark;theme=unconventional_explanations;event=TED2005;"></embed></object></p>
<p> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2288-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-2288-2'>Interview mit Craig Venter im ZEITmagazin Nr. 3 2009 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2288-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>


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		<series:name><![CDATA[Genetisches Gruselkabinett]]></series:name>
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